Beiträge von Riegel

    Ich frage mich schon, weshalb es in den alten Bundesländern so viele "einsturzgefährdete" Häuser gibt. Die werden doch oft auf diese Weise einfach bequem entsorgt. Bei einem Steinbau halte ich so etwas für möglich, aber einen Fachwerkbau sehe ich grundsätzlich zuerst als nicht einsturzbar an. Man sieht dies jeweils beim Abbruch von Fachwerkhäusern, die regelrecht auseinandergerissen werden müssen. Sicher ist es möglich, dass mal eine Dachfläche oder ein Boden einstürzen kann, aber dass ein gesamtes Fachwerkhaus kolabiert, habe ich noch nie gesehen.

    Diesen Strang könnte man zu einem Buch ausweiten!


    Eine spontane Bemerkung zu den Tonfarben, auch wenn sie Backsteine betrifft und nicht Dachziegel: Es gibt auch hellbeige Backsteine, die im Zusammenspiel mit roten Backsteinen beinahe weiss erscheinen. Im Kopf schweben mir einige solcher Fassaden vor, aber es kommt mir spontan keine Adresse in den Sinn. Fotos folgen, sobald ich was finde.

    Bevor ich mit der "Inventarisierung" der Mauern und teilweise auch Einfriedungen an der Winkelriedstrasse beginne, möchte ich zuerst einige Gedanken zur geplanten Verbreiterung der Winkelriedstrasse voranstellen. Die ursprüngliche Breite der Strasse betrug 5.20 m und jene des Trottoirs 1.80 m. Ab den 1970er-Jahren fanden im Zusammenhang mit Neubauten von Wohnhäusern und Garagen bergseitig partielle Verbreiterungen um 1.00 m statt:

    - 2009 bei Nr. 17

    - zw. 1977 u. 1989 bei Zwinglistr. 25 u. 23

    - zw. 1977 u. 1989 bei Nr. 31

    - um 1970 bei Nr. 33, 37 u. 39

    - 1956 Erneuerung der talseitigen Stützmauer bei der Einmündung (wobei dort keine Verbreiterung, sondern nur Korrekturen erfolgten).


    Der oberste Abschnitt zwischen Bergstrasse und Dufourstrasse ist etwa 5.6 m anstatt wie ursprünglich 5.2 m breit. Hier konnte ich aber weder in den Strassenakten noch auf den historischen Stadtplänen im Internet Angaben dazu finden. Es ist möglich, dass dem Wiesenbord zur Dufourstrasse hinauf einmal ohne Planauflage 0.40 m abgezwackt wurden. Wenn man in seinem Leben diese Strasse schon hunderte Male durchgefahren oder mit dem Velo hochgestrampelt ist, bemerkt man diesen minimalen Unterschied!


    Nun interessieren mich die alten und neuen Fahrbahnbreiten der Müller-Friedberg-Strasse, denn diese Strasse kommt mir um Einiges(!) breiter als die Winkelriedstrasse vor. Denn wenn es einmal bei der Diskussion um das Mass der Verbreiterung der Winkelriedstrasse geht, sollte man sich sofort bewusst sein, was 0.50 m oder 2.50 m Verbreiterung für das Quartierbild bedeuten. Ebenso muss man sich auch bewusst sein, dass wir uns hier im wertvollsten Teil des Rosenbergs befinden!


    Die Müller-Friedberg-Strasse wurde 1904/05 geplant und gebaut. In den Strassenakten sind noch alle detaillierten Kostenvoranschläge, Bauabrechnungen, Ausführungspläne und Korrespondenzen detailliertest erhalten (0.50 Laufmeter Akten)! Die ursprüngliche Strassenbreite betrug 6.00 m und 2.00 m für das Trottoir. Ab 1970 waren es 7.20 m und 2.20 m. Nun folgt ein fotografischer Vergleich von einem ursprünglichen Strassenstück der Winkelriedstrasse mit der verbreiterten Müller-Friedberg-Strasse:



    winkelriedstrasse tellstrasse 19 16.04.2021 9135x

    Die Winkelriedstrasse unterhalb der Kreuzung mit der Tellstrasse. Links Tellstr. 19 und 18. Strassenbreite = 5.20 m, Trottoirbreite = 1.8 m, Total = 7.00 m.



    mueller friedberg strasse 14.11.2020 8346

    Müller-Friedberg-Strasse bei Nr. 15. Strassenbreite = 7.20 m, Trottoirbreite = 2.2 m, Total = 9.40 m (ursprünglich 6.00 + 2.00 m, total 8.00 m).


    Der Unterschied der gesamten Strassenbreite beträgt also 2.40 m. Ich empfinde diese Differenz als enorm. Dazu kommt noch, dass bei der Winkelriedstrasse wesentlich kürzere Strassenabschnitte zwischen Kreuzungen bestehen als bei der 'endlos-langen' Müller-Friedberg-Strasse, was auf die Optik ebenfalls einen nicht unwesentlichen Einfluss hat.

    Dile Dächer des Vierseithofes (s. vorletzten Beitrag) sind eigenartig gedeckt.

    1. Sind Schieferdeckungen um Leipzig herum bekannt?

    2. Schieferdeckungen bestehen in der Regel aus gleichgrossen Schieferplatten. Hier aber wurde aus unterschiedlich grossen Platten eine Deckung erreicht. Ich kann mir vorstellen, dass jahrhundertealte Schieferdeckungen so aussahen. Irgendwie passt sie zum einen Fachwerkhaus (das zwar wie eine Rekonstruktion aussieht), aber beim barocken Mansarddach siet sie schon gesucht aus.

    Eine weitere spezelle Ansicht des Hauptbahnhofes. Aus diesem Blickwinkel sieht er eher wie ein Schloss im Park mit Orangerie in der Kuppel aus. Im Hintergrund die kürzlich abgerissene Hauptpost.


    Hauptbahnhof.jpg

    Ansichtskarte nach 1935 (Fertigstellung Hauptpost). Das Prinzregenten-Denkmal besteht bereits nicht mehr.

    Es ist kein Würfelhusten und es gibt auch keine Schüttelfenster, aber was an diesem Gebäude einen Preis ausgelöst hat, verstehe ich nicht. Das einzige Schöne ist die Fassadenfarbe, aber der Rest ist doch 0815 und provinzieller Handwerkergeschmack.

    [...] hatten klar Vorstellungen, wie sie das Haus zu einem modernen Wohnhaus umbauen möchten, das aber seinen ursprünglichen Charme und die besondere Atmosphäre behält.

    Mit Baukultur hat das nichts zu tun. Das erste Kriterium hat die Bauherrschaft erfüllt, das zweite und dritte hingegen bereits nicht.


    Zitat

    Ansonsten kam alles raus: ...Türen, Treppen...

    Genau so behält man den ursprünglichen Charme und die besondere Atmosphäre eines Hauses bei...


    Zitat

    Der Innenhof ist bestens als Auslauf für die Hunde geeignet

    stimmt.


    Zitat

    Immer wieder wurden neue Ideen geboren und umgesetzt, wie die Außentreppe zum Innenhof, eine Brücke, die die beiden zum Innenhof liegenden Balkone verbindet.

    Eben so richtig ohne Konzept...

    Diese penetrante Tiroler Holzgeländer-Orgie, Metallgitterstufen, zu tief liegende Regenrinnen der Terrassenböden, Baumarktfenster, Kitschlaternen, Dachuntersichten mit schräg angenagelten Brettern, die ganze Dachgestaltung, Chromstahlgeländer zum Kellerabgang... einfach grauenvoll. Nichts passt zusammen!


    Zitat

    "Das Haus hat Seele, es erzählt Geschichte."

    Ich sehe davon nichts...


    Jetzt habe ich mal gegoogelt, wer denn der Preisverleier ist: fünf Gemeinden, diverse Regionalbanken. Der Bauherr ist ehemaliger Bürgermeister und passionierter Hobbyjäger.


    :smile: :smile: :smile:


    Hier noch ein Bild der Vorderseite: https://www.rhoenundsaalepost.…rahlt-neu;art24131,908534

    Nicht schlecht, aber was da preiswürdig ist, verstehe ich auch hier nicht. Auch wieder Baumarktfenster, unsorgfältig gelöste Details vor allem am Dach und am Gebäudesockel. Die Verbindung zum Nachbarhaus (Terrassenbrüstung) wirkt auch sehr eigenartig. Optisch-statisch kippt doch das Haus.


    Auszeichnungen und Preise - vor allem in der Provinz - betrachte ich vorerst stets kritisch.

    In der Ostschweiz habe ich schon ab und zu bei Bauten aus der Zeit um 1880/1900 Biberschwanzziegel aus gelbem Ton bemerkt, die heute alle ziemlich dunkelgrau/braun sind. Ich denke, das war eine Mode in jener zeit, als die Vielfalt an verschiedenen Materialien sehr gross war. Diese Ziegel halten auch heute nach über hundert Jahren noch gut, genau wie die üblichen roten. Ich empfinde sie allerdings als ein bisschen poröser und demnach auch leichter als die üblichen roten Dachziegel.


    Das war auch die Zeit, als glasierte Dachziegel angeboten wurden. Von meinem Fenster aussehe ich auf der gegenüberliegenden Hangseite ein Haus mit grünen Falzziegel, das mir schon als Kind aufgefallen ist. Allerdings habe ich bis heute nochnie nachgeschaut, ob diese grün glasiert sind oder aus grün eingefärbtem Ton bestehen.

    Am Schluss des Filmes in dieser Nachricht sieht man die Überreste dieses Schmuckstücks. Die Statue ist offenbar zum Glück noch stehen geblieben. Meiner Meinung nach ist die Brücke wiederherstellbar. Wenn man das zweite Bild in Zenos Beitrag betrachtet, sieht man, dass sie nicht besonders gut unterhalten war. Auf einer Seite waren die Fugen recht stark ausgewaschen, sodass die Brücke für die Wassermassen ein leichtes Hindernis war. Aufgrund der Filmaufnahme denke ich aber, dass beide Brückengewölbe standhielten und "nur" die Hälfte der Brüstungsmauern sowie der Fahrbahnbelag weggerissen wurden. Glück gehabt!!!

    Selbst in der Neuen Harth gibt es Bereiche, in denen sich die Vegetation auf den Rohböden nur schwer behaupten kann.

    Wobei es doch normal ist, dass sich ohne künstliche Rekultivierung zuerst einmal eine tundra-ähnliche Vergetation bilden würde, da humoser Boden erst durch das Absterben der Pionierpflanzen entsteht. Diesbezüglich ist die schnellwüchsige Birke richtig gewählt. Aber ich nehme an, dass man die rekultivierten Flächen möglichst bald als Naherholungsgebiete nutzen möchte, und deshalb nicht Jahrzehnte gewartet werden kann, bis sich die Natur das Gebiet von allein zurückerobert hat.

    Keine spektakuläre, aber trotzdem schöne Ansicht des Hauptbahnhofs:


    Ak-Hauptbahnhof-um-1910.jpg

    Der Hautbahnhof kurz nach seiner Fertigstellung 1906. In der Axe des Mittelportals stand das 1901 eingeweihte Denkmal für Prinzregent Luitpold von Bayern. Ungelaufene Ansichtskarte, Soldan'sche Verlagsbuchhandlung, Nürnberg.


    Architektonisch empfinde ich den 1900 bis 1906 erstellten Hauptbahnhof in seinem historistischen Gewand als sehr rückständig. Hatte man in diesem Stil nicht zwanzig Jahre vorher schon vielerorts ähnliche Hauptbahnhöfe erbaut? Bahnhöfe nach 1900 zeigen doch oft eine Tendenz zum Jugend- und Reformstil - nicht so aber in Nürnberg. Dieser Frage müsste man mal nachgehen. Schon weiter oben stellte ich dieses Rückbesinnen auf lokale Formen ab 1900 fest:

    Erst bei öffentlichen Bauvorhaben ab 1900 fand der Nürnberger Stil wieder vermehrt Beachtung. An ihnen findet man oft Elemente von historischen Bürgerhäusern wie Chörlein, Masswerkbrüstungen, Dacherker etc. Auch Hotelneubauten, insbesondere an der Königstrasse, folgten diesem regionalen Stil.

    Beim Hauptbahnhof lässt sich diese Tendenz nicht nachweisen. War der Grund wohl der, dass es sich um ein staatliches Bauvorhaben handelte, und das auch eine mehrjährige Planungsvorphase bedingte?


    In der Mittelaxe das Bahnhofgebäudes wurde 1901 ein Denkmal für den Prinzregenten Luitpold enthüllt. Im Vergleich zu vielen andern Denkmälern der Zeit kommt es aber eher bescheiden daher. Vielleicht macht es die Materialwahl des Sockels und des 'Zoos' rundherum aus Stein anstatt Bronce aus, wodurch das ganze Denkmal viel leichter wirkte. Bereits 1934 wurde es aber als Verkehrshinderniss abgebrochen und das Reiterstandbild im Krieg eingeschmolzen.

    https://bayern-online.de/nuern…zregent-luitpold-denkmal/

    Oder war ein für Bayern geschichtsträchtiges Denkmal den an die Reichsparteitage Anreisenden schlichtweg unzumutbar, sodass es entfernt wurde?


    Anstelle des Denkmals steht heute ein anderes Denkmal:

    https://geoportal.bayern.de/de…ml?objtyp=bau&koid=123955

    Trotz der rigoros erfolgten Neuanordnung der Fensterdisposition im 19. Jahrhundert haben Teile des ursprünglichen Sichtfachwerks überdauert. Man erkennt diese in der Fotografie oben an den Bereichen mit geschwungenen Streben und teilweise auch an den Lehmgefachen. Die Backsteingefache gehören zur Fensterumdisponierung, als das Fachwerk auch verputzt wurde. Ein Versuch einer Durchzeichnung des Fachwerks aus der relativ unscharfen Fotografie (rot = ursprünglich (1567?), gelb = 19. Jh.):



    ploetze 14 fachwerk suedfassade

    Südfassade 2. Obergeschoss. Befundskizze nach dem Bild im vorangehenden Beitrag.



    ploetze 14 fachwerk westfassade

    Westfassade 1. und 2. Obergeschoss. Befundskizze nach dem Bild im vorangehenden Beitrag.


    Bei der Westfassade sind die Details weniger gut zu erkennen, sodass es möglich ist, dass noch weitere Zierbalken überdauert haben. Es ist zudem bemerkenswert, dass am Erker überhaupt kein ursprüngliches Fachwerk mehr vorhanden ist ausser den Rahmen. Ich vermute, dass ursprünglich an jeder Seite ein Fenster vorhanden war, aber mit höher liegenden Brüstungen.


    Bei Google maps gibt es zwei Ansichten von 2015, gemäss denen das Giebelfeld damals Sichtfachwerk zeigte. 2017 wurde dieses ja verschiefert. Es passt in seinere Art zu den ursprünglichen Fachwerkresten an beiden Obergeschossen. Es sieht nicht nach verwittertem Brettchenfachwerk aus dem Historismus aus, wie ich es mal bei Plötze 16 so vermutete. Wenn man sich bei der jetzigen Fassadenrestaurierung auf den verputzten Zustand im 19. Jahrhundert fokussierte, so war es richtig, dass man dieses Fachwerk nun verschieferte. Nicht umsonst hat man ja im ganzen hessischen Raum schon früh begonnen, die exponierten Giebel zu verschiefern, insbesondere die nach Westen gerichteten. Beide Ansichten (> Bildlinks) zeigen auch die gesamte Farbgebung vor der Restaurierung. Mir gefällt die jetzt realisierte, dumpere Farbgebung besser, bei der sich das Rot auf die ursprünglichen, sichtbar gebliebenen Teile des Fachwerks beschränkt.



    ploetze 14 googlemapsx1

    Westlicher Giebel. Ausschnitt aus einer Google-Ansicht von 2015.



    ploetze 14 googlemapsx2

    Westlicher Giebel von Norden. Ausschnitt aus einer Google-Ansicht von 2015.

    Hast Du eventuell Detailaufnahmen der Fassaden der Salinen-Administration? Ich finde den folgenden Aspekt sehr interessant:

    Die Fassade der Salinen-Administration ist dabei keine roh belassene Ziegelwand, sondern besitzt eine "toskanische Verblendung aus kleinformatigen, scharfkantigen Klinkersteinen (...), die eine glatte, matt-glänzende, scheinbar fugenlose Oberfläche ergeben", wie die Denkmaltopographie schreibt. Zusätzlich ist die Fassade mit Terrakotta-Ornamentik geschmückt:

    Dazu hatte ich das zweitletzte Bild in deinem vorletzten Beitrag stark vergrössert, aber die Struktur trotzdem nicht gut erkennen können. Dafür kann man am Sockel vor allem an der Seitenfassade enorme Feuchtigkeitsschäden und Löcher feststellen. Stammen letztere vielleicht noch von Strassenkämpfen im 2. Weltkrieg?

    Und mich beeindrucken diese beiden Gebäude! Das ehemalige Stadtgefängnis erinnert mich an eine Mischung aus den vier Nürnberger Tortürmen an den Ecken der Altstadt und dem Münchner Rundbogenstil, wie ihn Leonhard im Moment gerade vorstellt.


    Bei Köditzgasse 27 würde ich gerne mal unter den Verputz schauen...

    Plötze 14



    Ende 2017 bin ich zufällig auf folgenden Artikel gestossen:

    https://www.fnp.de/lokales/lim…jahrhundert-10444326.html

    Darin wird von der Restaurierung von Plötze 14 berichtet. Das Dach, der Quergiebel und das Giebeldreieck der Westfassade waren zu diesem Zeitpunkt bereits neu verschiefert und an den Fassaden der Verputz abgeschlagen worden. Diesen Zustand zeigt ein Bild im Artikel (das Fassadengerüst musste den Winter über wegen des Weihnachtsmarktes kurzfristig abgebaut werden).



    Ploetze 14 alt

    Plötze 14 von Südwesten her im November 2017. Bild aus dem Artikel in der Frankfurter Neue Presse. Bild: Lormann Bernd.


    Das Haus sollte innen wie aussen sanft restauriert werden, so wie sich das Gasthaus am Ende des 19. Jahrhunderts präsentierte. Ende 2018 war es dann soweit, dass die Traditionsgaststätte 'Weinhaus Schulten' wieder eröffnet werden konnte. 2019 wurde die Restaurierung mit dem 2. hessischen Denkmalschutzpreis ausgezeichnet:

    https://lfd.hessen.de/bilderga…weinhaus-schultes-limburg (mit Bildergalerie).



    Ploetze 14 neu

    Plötze 14 nach Abschluss der Restaurierung 2018. Bild Achim Kramb (Bauherr).


    Im hessischen Denkmalverzeichnis ist die Baugeschichte beschrieben. Demnach wurde das Haus 1567 über älteren Bauteilen errichtet. Ob das genmauerte Erdgeschoss und die Südwand bis zum 1. Obergeschoss vom Vorgängerbau stammen, geht daraus nicht hervor. Jedenfalls passen die Fachwerkreste mit gebogenen Fussstreben und genasten Gegenstreben sowie die Giebelkontur des Aufzuggiebels in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts.


    Obwohl ich das Haus während und nach der Renovation nie gesehen habe, möchte ich aufgrund einiger im Netz gefundener Aufnahmen das Fachwerk beschreiben. Vom ursprünglichen Fachwerk war kaum mehr die Hälfte vorhanden, und am Erker selbst noch weniger. Dies rührt von einer klassizistischen Fensterumdisponierung her. Wohl aus der Prämisse einer sanften Restaurierung sah man von einer Rekonstruktion des Fachwerks ab. Ich vermute auch, dass das Holz in einem sehr schlechten Zustand war.


    Doch vor der genaueren Beschäftigung mit dem Fachwerk noch ein bisschen Werbung für das darin beheimatete Gastlokal:

    https://schultes-weinhaus.de

    In den Obergeschossen sind Gästezimmer und eine Ferienwohnung eingerichtet. Wenn man im Seitenkopf rechts die drei Striche anklickt, gelangt man zu vielen Innenansichten.

    Fachwerkliebhaber Ein kleines, aber gerade für die Bauten des mutmasslichen Zimmermeisters ein ganz wichtiges Detail:


    Seine Giebelkonturen zeichnen sich eben gerade dadurch aus, dass sie nur aus konvexen Formen bestehen, und nicht abwechslungsweise aus konkav-konvexen Formen (von der Giebelspitze mal abgesehen). Das ist im Fassadenplan möglicherweise falsch gezeichnet. Wenn man aber im Zitat auf meinen Fotos mit der Schieferverkleidung schaut, sieht man keinerlei konkaven Formen.

    Kornmarkt 7


    (aus: 8. Eruierung eines (namenlosen?) Zimmermeisters aus dem Ende des 16. Jahrhunderts)


    Seit letztem Herbst befindet sich der 'Goldene Löwen' im Umbau. Bauherr ist Achim Kramb, der kürzlich auch Plötze 14, das Weinhaus Schultes, durch Architekt Stephan Dreier aus Berechen-Niederbrechen umbauen und restaurieren liess. Dreier ist auch mit dem Umbau des 'Goldenen Löwens' beauftragt. Wenn ein Fachwerkhaus in Limburg in seine Hände fällt, kann man sicher sein, dass ein Resultat herauskommt, dass denkmalpflegerischen und bauhistorischen Aspekten höchste Rechnung trägt. Durch seine Hand wurden in den letzten Jahren allein in Limburg folgende Gebäude saniert:

    - Fischmarkt 6 (siehe unter 'Referenzen' in der Homepage von Architekt Dreier)

    - Plötze 14 (Zeitungsartikel)

    - Plötze 16 (Beitrag hier)

    - Plötze 17 (zwei Beiträge hier und hier)


    Aus dem Verzeichnis des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen: Kulturdenkmäler in Hessen

    Zeitungsartikel vom Beginn der Sanierungsarbeiten: Frankfurter Neue Presse

    Neuster Bericht (mit toller, vergrösserbarer Innenaufnahme des Dachstuhls!) : Deutsche Stiftung Denkmalschutz


    Gemäss dem letzten Artikel wurden das 2. Obergeschoss und der Dachstuhl 1581 auf einen älteren Bau aufgesetzt. 1581 liegt somit ganz in der Zeit, während derer der mutmassliche Zimmermeister, der meiner Meinung nach für eine ganze Reihe von Fachwerkbauten in Limburg als Ersteller in Frage kommt, wirkte. Auch wenn ich das zu Tage getretene Fachwerk im Giebeldreieck betrachte, zeigt dieses ebenfalls seine Handschrift (siehe Innenaufnahme des Dachstuhls). Im Zeitungsartikel vom Beginn der Sanierungsarbeiten befindet sich folgende Projektskizze:


    limburg_kornmarkt-7_dreier.jpg

    Kornmarkt 7. Entwurfsplan von Architekt Stephan Dreier (aus dem Link 'Frankfurter Neue Presse').


    Im Gegensatz zu meiner Fotomontage oben besteht gemäss dem Projektplan die Giebelkontur aus zwei geraden Sparren und aufgesetzten Segmenthölzern. Die Spezialität des mutmasslichen Zimmermeisters war aber die, dass er keine geraden Sparren mit aufgesetzten Segmenthölzern in der Fassadenebene verbaute, sondern bogenförmige Hölzer als Fassadenabschluss anwendete. Ich bin gespannt, wie sich dieses Detail nach der Restaurierung effektiv entpuppen wird.

    Faszinierend finde ich das dahinter hoch aufragende Rosental 34, weil dort Balken (oder Steine?) aus der Wand ragen. So etwas habe ich ich Nürnberg bislang nicht gesehen. Gibt es hierfür einen bautechnischen Grund?

    Ja, das sind ganz übliche, über die Fassadenflucht hinaus vorstehende Balkenköpfe (oder Balkenvorstoss oder Balkenvorholz genannt). Diese stammen meistens von Unterzügen und Dachpfetten, manchmal sogar auch vom Schwellenkranz. Ein Vorholz ist nötig, damit der tragende Pfosten darunter nicht gegen aussen ausweichen kann. Ohne Vorholz wäre ja der Zapfen des Pfostens sichtbar und hätte dadurch keinen seitlichen Halt mehr. Ein Vorholz sollte mindestens 8 cm tief sein. Auch Balkenlagen, in welche die Dachsparren eingezapft sind, benötigen ein Vorholz, da die Sparren einen horizontalen Druck gegen aussen ausüben. Dieser Druck besteht in Holzfaserrichtung, weshalb ein Abscheren unausweichlich wäre. Um dies zu verhindern, ist ein Vorholz von etwa 15 cm notwendig.


    Beim Verputzen von Fachwerkbauten wurden diese Vorstösse meistens abgesägt, um eine ebene Fassade zu erhalten. Deshalb sind Dir bei den Nürnberger Fachwerkbauten diese Vorstösse nie aufgefallen, weil sie nur noch selten anzutrefffen sind, beispielsweise bei Untere Krämersgasse 18 und Zirkelschmiedsgasse 30.


    Bei diesem Haus in Limburg an der Lahn (Bild 79) sieht man zahlreiche solcher Balkenköpfe bei einem verputzten Fachwerkhaus.



    Gibt es eigentlich einen Namen für den Stil der "Zinnen" auf der Hofmauer? In welche Zeit kann man ihn einordnen?

    Ich denke, dass diese Zinnen eine neugotische Zutat sind. Einen speziellen Namen haben sie nicht; man könnte sie etwa so umschreiben: Zinnen in Form von .....' (auf der Fotografie erkennt man die Form eben nicht).


    Oder dann eben wie üblich hier nachschauen.

    Dieser im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts in München entstandene 'Rundbogenstil' übte auf weite Strecken hinaus eine ungemeine Strahlkraft aus. Der St. Galler Architekt Felix Wilhelm Kubly studierte unter anderem von 1819 bis 1821 an der königlichen Akademie in München Baukunst. Als sehr erfolgreicher Architekt baute er unter anderem in den 1830/1840er-Jahren drei Zeughäuser: Das erste steht diagonal gegenüber der Kathedrale in St. Gallen am berühmten Klosterhof. Glarus und Herisau sind die Hauptorte der Bergkantone Glarus und Appenzell Ausserrhoden. Die Herkunft des Stils ist unverkennbar:


    Zeughaus St. Gallen am Klosterhof

    Zeughaus Glarus

    Zeughaus Herisau


    Mir als Nicht-Münchner kommen die Staatsbibliothek und das Damenstift sehr vertraut vor.

    Freilich war das auch für mich auf Anhieb ein historischer Bau; das habe ich wohl zuwenig klar ausgedrückt oben. Aber die Einfachheit erinnerte mich an belanglose neue Füllbauten, die gelungen sind - das faszinierte mich. Man erkennt auch bei den Fenstern der Trauffassade Unregelmässigkeiten und auch eine Ausbuchtung der Fassade beim Regenwasserrohr.