Beiträge von Loggia

    Wowh, das ist ja mal ein interessanter Stadtgrundriß mit dem fünfeckigen Platz und dem "Krätzel" drinnen... sowas hatte ich bisher noch nicht gesehen. Gibt es solche Plätze öfters in Österreich? Und wo?

    Sehe ich das richtig, das sind eigentlich weitgehend Renaissance-Häuser (wenn die von vor dem Barock stammen)?

    Ich kann mir nicht helfen, aber das erste, woran ich dachte, als ich diese Stadtbilder sah, war: der von Plattenbauten gerahmte Stadtplatz in Bernau bei Berlin (spricht sich [ber'nau], nicht ['bernau] wie der Ort im Schwarzwald). Ich denke, das kommt durch die einheitliche Traufhöhe zustande, die so gar keine Abwechslung bietet - Plattenbau-Normblocks sind natürlich noch eine Steigerung der Gleichförmigkeit, aber diese flachen Fassaden gehen für meinen Geschmack auch schon stark in diese Richtung.

    Wenn man allerdings sich vorstellt, diese Häuser wären alle mal mit Sgraffitti ausgestattet gewesen, wäre das ein Anblick gewesen, der materiell eine Diashow oder ein Freiluftkino im 20. Jhdt vorweggenommen hätte - eine nochmal völlig andere Anmutung zum Zustand auf den Bildern.

    Es wäre interessant zu wissen, wie und wann die Fassaden überformt wurden...

    So alte Sgraffitti kenne ich nicht.

    Ich wiederhole gerne nochmal, was ich bereits im APH-Forum schrieb:

    - Am Lago Maggiore gibt es in fast jedem Ort noch eine Jahrhundertwende-Villa mit Sgraffitti. Sie sind selten geworden, aber es gibt sie noch.

    - In Tiengen (OT von Waldshut-Tiengen, BaWü) gibt es in der malerischen Hauptstraße und in ein paar Gäßchen Häuser, die wohl in den 1930ern mit Szenen aus der Stadtgeschichte verziert wurden, alle in Sgraffitto-Technik, aber vielfarbig. An einem Haus gab es bis in die 1980er auch noch diverse Stadtwappen, aber die sind inzwischen beseitigt. In den 1950ern waren auch ein paar Sgraffitti-Italiener wieder in Tiengen, und ein paar Neubauten erhielten ein kleines Sgraffitto, aber die sind inzwischen fast alle weg (überstrichen, überputzt, überdämmt..), nur die Szenen an den Blocks in der Schaffhauserstr. - zumindest an zweien, es waren ursprünglich mal 4, meine ich - habe ich vor 2, 3 Jahren noch gesehen.

    - In Berlin-Moabit an der Stromstraßenbrücke sah ich an einem Haus in den 1980ern ein Elchblatt-Wappen in Sgraffitto-Technik, vermutlich auch aus den 1950ern. Ob das Haus noch steht, weiß ich nicht.

    Ziemlich sicher handelte es sich um italienische Kunsthandwerker, die in D in den 1950ern herumzogen und Häuser verzierten. Von wo in Italien die waren, weiß ich aber nicht.

    Unglaublich, diese Fassaden!

    Was mir aber bei deinen ganzen Tschechien-Bildern auffällt, ursus, ist die Starkfarbigkeit.

    War es da zu "sozialistischen Zeiten" auch so "grisatre" (dreckiggrau) wie in der DDR, daß die Leute so farbhungrig wurden, oder kommt da generell eine farbenfrohere Tradition zum Tragen?

    Den 90er-Jahre-Lückenfüller finde ich in Form und Proportion gut gelungen, einzig die Fugen in der Verkleidung sehen ziemlich billig aus. Aber grundsätzlich finde ich an der Stelle naturstein nicht störend, denn das Haus auf der anderen Straßenseite weiter vorne hat das ja auch.
    Den 60er-Jahre-Bau (man sieht ihm an, daß er aus den 1960ern ist!!) würde ich, wenn Westen, dann sofort als "Sparkasse" oder "Volksbank" identifizieren, weil sich deren Bausünden in Innenstädten tief in mein Gedächtnis gegraben haben.
    War es auch eine Bank, oder was anderes?

    @Stahlbauer: danke für die Erklärung mit den "Durchhäusern". Ich finde diese Bauform ja genial für echte Städte (das ist wirklich urban!), weil für Einkauf und Wege zu Fuß bestens geeignet.

    @Villa1895: klingt plausibel, zumindest für die größeren Durchgänge. Aber es gibt auch so viele kleine, wo eigentlich nur Fußgänger durchpassen. -
    Jedenfalls ist Leipzig in puncto Wegeerschließung das Gegenteil von Prora, wo man um riesige Blöcke drumrumgehen muß.

    Leipzig ist mit seinen Durchgängen allüberall schon speziell.
    Wobei, Tiengen (Bestandteil von Waldshut-Tiengen) hat das in viel kleinerem Maßstab auch - Durchgänge zwischen Häusern, die Möglichkeit, in ein Geschäft von einer Gasse aus reinzugehen und auf der Hauptstraße wieder raus (aber nur, wenn mans kennt).
    Hatten die Passagen eine besondere Funktion bei den Messen früher?

    Ein Stockwerk weniger hätte mE besser in die Straße gepaßt, so erhebt sich die Ecke ein wenig arg hoch.
    Aber es hat schon seine Qualitäten, auch wenn ich etwas zwiegespalten bin angesichts der horizontalen Fensterbänder.

    Das Harmelin-Haus mit seinen rustikalen Steinquadern empfinde ich irgendwie als italienisch-alpin, aber auch in Rom habe ich etwas ähnliches schon gesehen (ich glaube, es war der Justizpalast). Zuviel auf einem Haufen davon ist unschön, aber so als einzelnes Eckhaus hat das durchaus was, finde ich. Diese Art Fassade kann auch meist angrenzende Neubauten gut vertragen, weil sie schon recht "modern" ist (imgrunde ist diese "rauhe" Fassadengestaltung mit den 60er-Jahre-Vorblenden verwandt, es ist eine recht flächig-gleichförmige Fassadenbehandlung).

    Leipzig ist schon eine eindrucksvolle Stadt, mit seinen großen Häusern aus dem 19.Jhdt und seinen Passagen.
    In Auerbachs Keller war ich auch mal, aber das ist wohl 20 Jahre her. Wir haben die Quarkkeulchen probiert. Den Türsteher, den Zeno beschrieb, erlebten wir auch; als wir drin waren und was aßen, kamen aber immer mal Leute zum Fotografieren rein (vielleicht machte er gerade Pause, oder war gerade mal gnädig). Es ist halt ein wirklich berühmtes Lokal, aber leben und Miete bezahlen müssen sie halt auch, Fotografiertwerden allein reicht dafür nicht.