Beiträge von silesien

    Die Kreuzung von Miodowa und Senatorska ist eine meiner absoluten Lieblingsecken in Warschau, viel italienischer und malerischer kann Warschau eigentlich nicht wirken als an dieser Stelle:


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    Wir sehen auf der linken Seite die Rekonstruktion des Małachowski-Palais, gleich rechts daneben einen malerischen, wenn auch nicht historischen Platz und in Richtung der Krakauer Vorstadt eine idealisierte Rekonstruktion des ältesten Miets- und Geschäftshauses in Warschau, des Handelshauses Roesler und Hurtig von 1785 (im einstigen Ehrenhof des Palais nachträglich errichtet, ebenfalls ein Bauwerk des oben verlinkten Simon Gottlieb Zug)


    Ganz rechts kommt dann schon die Annakirche ins Bild - und ganz links ein Neubau an der Senatorska, den ich gar nicht mal so schlecht finde, meines Erachtens greift der Bau mit seiner gedrungenen Form und vor allem dem Dach gekonnt den Palast unter dem Blechdach auf.


    Tatsächlich ist dieser Straßenabschnitt ein gutes Beispiel dafür, wie die Kriegszerstörungen gewissermaßen "genutzt" wurden, um idealisierte und optimierte Bauzustände wiederherzustellen, die es in dieser Kombination häufig nie gab.


    Man kann daher mit Recht behaupten, daß die rekonstruierten Areale schöner als jemals zuvor aussehen, zumal es speziell im 19. Jahrhundert eine gewisse Geringschätzung der historischen Architektur gab, munter umgebaut und umgenutzt wurde - ohne Berücksichtigung des Denkmalschutzes.


    Tatsächlich wurde dieser Abschnitt der Miodowa erst Ende des 19. Jahrhunderts durch einen Straßendurchbruch angelegt, erst zu diesem Zeitpunkt erhielten die Gebäude erst nachträglich Südfassaden (!).


    Blick zurück auf den Bauzustand vor 1939 (der Gebäudekomplex wurde bereits 1939 stark zerstört):


    Ulica_Miodowa_w_Warszawie_pocztowka_05.jpg


    Wir sehen die Annenkirche in der Mitte und links die zu diesem Zeitpunkt bereits gründerzeitlich überbauten Gebäude von Zug, zwischen Małachowski-Palais und dem Mietshaus befindet sich ein Anbau.


    Hier ist der Verbindungsbau besser zu sehen:


    3858-miodowa-senatorska-anna-1939-p.jpg


    Die Fassadengestaltung weicht vom heutigen Erscheinungsbild, bei dem der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt wurde (nämlich zur Krakauer Vorstadt hin), stark ab - und die Fassade zur Miodowa wurde analog gestaltet (die es ja zur Zeit der Erbauung überhaupt nicht gab).


    Gleiches gilt übrigens auch für das inzwischen wieder ziemlich renovierungsbedürftige Małachowski-Palais, das in seiner ursprünglichen spätbarocken Gestaltung rekonstruiert wurde - und somit ebenfalls mit einer Phantasie-Fassade nach Süden hin, denn dort gab es ja zum Zeitpunkt der Erbauung gar nicht.


    Ein weiterer Unterschied besteht natürlich darin, daß der Verbindungsbau an der Miodowa nicht aufgebaut wurde, so daß dazwischen ein malerischer Platz enstand, der noch dazu einen besseren Blick auf das Palais ermöglicht.


    Man beachte in der obigen Postkarte auch das Eckgebäude zur rekonstruierten Kozia mit der Seufzerbrücke (diese Straße wurde schon in Teil 2 - Königsweg bis zum Beginn der Altstadt gezeigt).


    Etwas später wurde dieses Eckgebäude sehr unvorteilhaft aufgestockt (ein aktuelles Fotos habe ich leider nicht gefunden, das Gebäude sieht heute wieder wie vor der Aufstockung aus):


    3850-miodowa-kozia-1939-p.jpg


    Eine weitere Aufstockung gefällig? Hier der Blick auf die Vorkriegs-Miodowa in der entgegensetzten Richtung zum Krasiński-Palast, der Palast der Bischöfe von Krakau wird fast erschlagen von seinem gigantischen Nachbargebäude (dort befindet sich heute die Brücke über den Tunnel der Ost-West-Trasse und somit überhaupt keine Bebauung mehr):


    3856-miodowa-senatorska-1939-p.jpg


    Und abschließend noch zwei Fotos, die ich schon im Strang zu Marienstadt gezeigt habe - da der Altstadttunnel ja in offener Bauweise erstellt wurde, sind zwangsläufig alle darauf befindlichen Bauten komplette Neubauten, das trifft auch für das gezeigte Eckgebäude zur Krakauer Vorstadt und die gesamte Häuserzeile bis zum John-Haus am Ende (siehe Teil 5 - rund um den Königsweg bis nach Marienstadt).


    Offene Bauweise:


    trasa5.jpg


    Und hier die angesprochene Häuserzeile im Bau - ganz rechts das John-Haus, ganz links das Haus von Roesler und Hurtig, teilweise vom (nachträglich errichteten) Turm der Annakirche verdeckt:


    trasa3.jpg

    Das Gebäude ist frei zugänglich, Blick auf das Theater gleich gegenüber:



    Die Verwaltungsgebäude auf der Rückseite sind modern gehalten:




    In Richtung Innenstadt erreichen wir somit wieder das "klassische" Rekonstruktionsgebiet der Nachkriegsjahre - es folgt eine der meines Erachtens schönsten Rekonstruktionen, nämlich der restliche Verlauf der Senatorska, die schließlich auf dem Schloßplatz endet.


    Auf diesem Foto sehen wir gleich zwei Rekonstruktionen, nämlich - gerade noch auf dem Theaterplatz gelegen - den Blank-Palast, vor dem Krieg zuletzt als repräsentativer Sitz des "Stadtpräsidenten" genutzt:



    Und schon an der Senatorska gelegen, sehen wir noch den Dembiński-Palast, ebenfalls Anfang der 50er-Jahre rekonstruiert und heute durch Büros genutzt:



    Unmittelbar hinter diesen Gebäude endet heute übrigens die Bebauung bereits, diese ahistorische Freifläche soll noch zum Ende des Rundgangs näher betrachtet werden.


    Blick in den weiteren Verlauf der Senatorska, auf der rechten Seite liegt ein halbkreisförmiger Platz, der hier nur zu erahnen ist:



    An diesem Platz befindet sich der Primas-Palast, früher Sitz des Primas von Polen, danach ab 1949 wiederaufgebaut und heute durch ein Hotel genutzt:



    Auch die Nordseite der Straße ist historisch rekonstruiert, links im Bild das Kamienica Małachowskiego aus dem späten 18. Jahrhundert (mit den Ziergittern), übrigens ein Werk des deutschen Architekten Simon Gottlieb Zug, der auch den Primas-Palast vollendete:



    Nun weiter in Richtung Miodowa, dabei fällt auf der linken Seite ein weiterer Palast auf, nämlich der Palast der Bischöfe von Krakau als Eckgebäude zur Miodowa:



    Hier leider auch nur ziemlich abgeschnitten fotografiert, auf der linken Seite in Blickrichtung der Miodowa nach Norden:



    Indes ist der Palast hier auf der linken Seite besser zu sehen - und nach genau dieser Ansicht wurde der Palast nach dem Krieg auch rekonstruiert, nachdem er zuvor als Mietshaus diente und vom originalen Erscheinungsbild nicht mehr viel übrig war:


    Nun aber zum Platz selbst, von dem zu Zeiten des Kommunismus nur drei Gebäude rekonstruiert wurden - wobei der Wiederaufbau des Großen Theaters ja weit über eine reine Rekonstruktion hinausging.


    Zunächst nochmals Aufnahmen des Vorkriegszustands, hier das Rathaus, das ja erst Mitte der 90er Jahre als Fassadenrekonstruktion neu entstand und somit nicht zu diesen Gebäude zählte - siehe Wikipedia


    rathausw2.jpg


    Und hier die komplette Platzfront ab Rathaus in Richtung Bankenplatz:


    rathausw.jpg


    Eine interessante Vorkriegs-Luftaufnahme mit Blickrichtung nach Norden, wir erkennen, daß die heutige Nichtbebauung um die Ost-West-Trasse ahistorisch ist:


    theatre-square-warsaw.jpg


    Eine Aufnahme, die unmittelbar vor dem Ausbruch des Aufstands 1944 entstand - das Große Theater ist ausgebrannt, neben dem Petyskus-Haus oben rechts im Bild klafft schon eine Lücke durch das Bombardement 1939, wir erkennen die rückseitigen Anbauten des Rathauses und das Kirchenschiff der Albert und Andreas gewidmeten Kirche (künftig einfach Sankt-Andreas-Kirche - oder wer es ganz genau nimmt: Kościół Środowisk Twórczych pw. św. Andrzeja Apostoła i św. Brata Alberta):


    teatr1944.jpg


    Und als letzte Aufnahme noch der Platz im Jahr 1944 nach dem Aufstand:


    teatr02.jpg


    Hier nun der heutige Zustand - als erstes Gebäude wurde das Petyskusa-Haus bereits 1950 rekonstruiert, das ich beim letzten Besuch tatsächlich nur teilweise fotografiert habe, es handelt sich um das Gebäude ganz rechts (unter dem Link gibt es ein komplettes Foto zu sehen):


    IMG_5566_sil.jpg


    Offensichtlich gab dieses Gebäude auch den Maßstab für die angepaßte umgebende Bebauung vor. In meinem Archiv habe ich dann doch noch ein weiteres Komplettfoto gefunden, aufgenommen 2018:


    IMG_2951_DxO.jpg


    Blick auf die Nordseite des Platzes, das Eckhaus ist ebenfalls in den 90er-Jahren entstanden, gleich daneben die Sankt-Andreas-Kirche (Fertigstellung 1999), die trotz des stark verkürzten Kirchenschiffs auch heute wieder als Kirche genutzt wird:


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    Die Kirche mit dem Hochhaus direkt dahinter:


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    Und das frühere Rathaus, von dem das Vordergebäude rekonstruiert wurde, heute als Verwaltungsgebäude von Banken genutzt:


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    Nun ein weiter Sprung in die Gegenwart - anstatt sofort auf den Platz zu gehen, soll erst einmal das Umfeld erkundet werden, in Form der Canaletta (benannt nach dem allseits bekannten Canaletto ...).


    Hier eine Übersichtskarte:


    canaletta.jpg


    Das Eckgebäude ist der Beginn einer langen hufeisenförmigen Häuserzeile, die in einem weiten Bogen die südliche Platzkante bildet und schließlich parallel zum Großen Theater verläuft.


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    Die Straße selbst ist eher enttäuschend, links die Rückseite der oben erwähnten Häuserzeile zur Wierzbowa:


    IMG_5559_sil.jpg


    Daher gleich die Niecala nach links weiter, links das Ende der Häuserzeile, im Hintergrund ist schon die Südseite des Großen Theaters zu sehen:


    IMG_5561_sil.jpg


    Blick über die Wierzbowa in Richtung Pilsudskiplatz, der gesamte Gebäudekomplex auf der linken Seite ist das Theater - deutlich abgesetzt im Hintergrund die Nachkriegserweiterung:


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    Und der Blick in die Gegenrichtung zum Theaterplatz, der die gigantischen Abmessungen dieser Häuserzeile verdeutlicht:


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    Wir gehen nun in Richtung Theaterplatz und erhalten einen ersten Blick auf dessen Nordseite, die Mitte der 90er-Jahre fertiggestellt wurde - dazu später mehr:


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    Blick zurück in Richtung Pilsudskiplatz, ganz hinten sind die Türme der Heilig-Kreuz-Kirche:


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    Etwas weiter nach Norden in der Bielanska ist dann noch eine Ruine zu sehen - ein erhaltener Teil der oben gezeigten Nationalbank.


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    Bei diesem Gebäude, auf dem noch die Spuren der Zerstörung sichtbar sind, handelt es sich um die Reduta Bank Polski, ein strategisch wichtiger Ort beim Warschauer Aufstand, der relativ lang gehalten werden konnte und daher unter Denkmalschutz steht.


    Durch eine Baulücke hindurch ergibt sich hier ein interessanter Blick auf die Rückseite der aus Platzgründen verkürzt und ohne Kirchenschiff aufgebauten Sankt-Andreas-Kirche, die oben schon von vorn zu sehen war:


    IMG_5568_sil.jpg

    Nun einige Vorkriegsaufnahmen, ich hoffe, es kann anhand der obigen Übersicht alles zugeordnet werden.


    Die Rathausseite des Theaterplatzes, die Andreas-Kirche befindet sich gleich hinter dem Rathaus, an der Ecke zur Bielanska:


    Theater_Square_1900.jpg


    Im Prinzip sieht es dort seit 1995 wieder ziemlich ähnlich aus, auch wenn viele Details fehlen und die Proportionen nicht mehr ganz stimmen.


    Und hier das große Theater, das Gebäude ganz vorn links wurde vereinfacht rekonstruiert, der prächtige Gründerzeitler daneben leider nicht:


    theaterplatz.jpg


    Man beachte auch die schöne Platzgestaltung mit den beiden Grünanlagen.


    Und noch ein Blick in die einstmals so noble Bielanska:


    bielanska.jpg


    Das Gebäude in der Mitte wurde anstelle der früheren Münzprägeanstalt erst 1911 durch einen russischen Architekten errichtet, es handelt sich um die frühere Nationalbank:


    Bielanaska_1939.jpg


    Praktisch alles wurde 1944 zerstört und dann fast komplett abgerissen, auch die komplette Nordseite des Theaterplatzes war nur noch grüne Wiese, abgesehen vom Blank-Palast in der äußersten Ecke Richtung Innenstadt.


    Danach wurden Plattenbauten errichtet, die auch heute noch stehen und Kompromisse bei der Rekonstruktion ab 1993 erforderten.


    Hier der Theaterplatz Ende der 60er Jahre, das Hochhaus links steht noch:


    theaterplatz.jpg


    Und die Nachkriegs-Bielanska:


    bielanska.jpg

    Da wir nun wieder die Innenstadt erreichen, zuerst eine kleine Übersicht zu einem der bedeutendsten Plätze - dem Theaterplatz.


    Namensgeber ist natürlich das Großes Theater von 1833, das ähnlich monumental wie die Bauten am Bankenplatz gestaltet ist und heute seinem Namen sogar noch eher entspricht als zur Zeit der Errichtung ... siehe folgende Luftaufnahmen:



    Im Vordergrund das Rathaus, dann der Theaterplatz mit dem Theater dahinter, ganz im Hintergrund der Pilsudskiplatz - da das Haus ohne Kanten schon gebaut wurde, die Alexander-Newski-Kathedrale indes schon abgerissen wurde, stammt die Aufnahme aus den 30er-Jahren.


    Hier zum Vergleich das heutige Erscheinungsbild:



    Die Änderungen sind gigantisch, abgesehen vom Verschwinden fast aller "bürgerlichen" Bauten, der bescheidenen Platzgestaltung als Parkplatz und dem Metropolitan-Gebäude von Norman Foster aus dem Jahr 2003 hinter dem Großen Theater stellen wir vor allem fest, daß das Theater sehr viel größer wurde!


    Tatsächlich wurde nach 15 Jahren das Projekt zum Neubau des Theaters erst im Jahr 1965 abgeschlossen, wobei der eigentliche Zuschauerraum nach hinten in Richtung Pilsudskiplatz verlegt und die Gebäudemasse mindestens verdoppelt wurde. Dieser Anbau wurde im sozialistischen Realismus und in Anlehnung an das Originalgebäude gestaltet und bildete tatsächlich bis 2003 die Platzkante des Pilsudskiplatzes.


    Hier nun nochmals dasselbe Foto wie oben, aber mit Anmerkungen:



    1. der schon erwähnte Jabłonowski-Palast


    2. natürlich das Große Theater, das damals bestenfalls halb so groß war ...


    3. unter der "3" befindet sich eine Art von Rekonstruktion der Andreas-Kirche, da im Kommunismus schon mit Hochhäusern Tatsachen geschaffen wurden, in stark verkleinerter Form


    4. hier kommt die Bielanska von Norden und geht in die Wierzowa in Richtung Pilsudskiplatz über - die prächtige Architektur wurde leider nicht rekonstruiert


    5. auch die einstmals noble Moliera besteht heute nur aus Plattenbauten, dahinter beginnt dann allerdings das Rekonstruktionsprojekt


    6. der Innenhof des Brühlschen Palais


    7. das Sächische Palais


    8. das Haus ohne Kanten, eines der wenigen mäßig zerstörten Gebäude (da als Offizierswohnheim durch die Wehrmacht genutzt)

    Nun also die angekündigte Kirche, ebenfalls auf der Seite des Sächsischen Garten der Senatorska gelegen, die somit deutlich attraktiver ist als die Gegenseite, die abgesehen vom gezeigten Mniszech-Palast leider nur aus schematischen Plattenbauten besteht.


    Die Kirche aus dem Jahr 1611 bestand ursprünglich aus Holz, wurde Antonius von Padua gewidmet und durch Parlamentsbeschluß den Franziskanern übergeben.


    Nach der Zerstörung der Kirche entstand Ende des 17. Jahrhunderts der heutige Bau aus Stein bzw. dessen Vorgänger, denn auch diese Kirche wurde 1944 weitgehend zerstört.


    Ansicht aus Richtung Blauer Palast, bei den Grünanlagen könnte man generell etwas nachbessern ...


    IMG_5548_sil.jpg


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    Auch hier wirkt Warschau wieder ziemlich italienisch, die Kirche geht vermutlich auch auf einen Entwurf von Simone Belotti zurück, weitere Informationen gibt es hier.


    Die Kirchenfassade zur Senatorska:


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    Der Zaun entlang der Senatorska:


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    Klasztor bedeutet tatsächlich Kloster - eines der zahllosen Lehnwörter aus dem Deutschen:


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    Und auch das Kloster wurde nach dem Krieg bis Mitte der 50er-Jahre wieder aufgebaut:


    IMG_5557_sil.jpg


    Skurril: Casanova lebte ja nach seiner Flucht aus den Bleikammern in Warschau und mußte sich angeblich 1766 vor seinem Verfolger Franciszek Branicki in diesem Kloster verstecken :smile:


    Siehe auch Das Duell oder Versuch über das Leben des Venezianers G.C. (= Giacomo Casanova).


    Gleich hinter dem Kloster fällt der Blick schon auf den Theaterplatz mit dem Jabłonowski-Palast, der früher als Rathaus genutzt und tatsächlich erst Mitte der 90er-Jahre rekonstruiert wurde - oder genauer gesagt, es entstand der Neubau eines Verwaltungsgebäudes, dessen Gestaltung sich zum Platz am früheren Palais orientiert:


    IMG_5555_sil.jpg

    Wir gehen nun weiter in Richtung Altstadt zurück und entdecken gleich auf der linken Seite ein sehenswertes Gebäude, nämlich den rekonstruierten Mniszech-Palast, dessen früherer Ehrenhof bereits im 19. Jahrhundert zu einer Stichstraße umgebaut wurde:



    Das Palais brannte Anfang des 19. Jahrhunderts ab, die Seitenflügel wurden dann durch Neubauten ersetzt, auf der linken Seite entstand das Gebäude der Landau-Bank, das offensichtlich vereinfacht rekonstruiert wurde, auf der rechten Seite prächtige Mietshäuser, die durch schematische Nachkriegs-Wohnbauten ersetzt wurden.


    Das Palais aus der Nähe:



    Und die frühere Bank:



    Im Hintergrund ist jeweils das Hochhaus Blue Tower Plaza zu sehen, dessen Baugeschichte schon auf die 60er-Jahre zurückgeht, auf dem obigen Foto des Bankenplatzes ist es neben einer historischen Aufnahme besser zu sehen.


    Das Gebäude steht direkt auf dem Areal der früheren Großen Synagoge (der Link umfaßt auch ein Bild), die 1878 fertiggestellt und 1943 gesprengt wurde. Nach endlosen Verzögerungen und Umplanungen wurde es schließlich 1991 fertiggestellt und mit blauem Glas verkleidet, ursprünglich geplant war ein ähnliches goldfarbenes Glas, wie es z. B. auch in Danzig verwendet wurde.


    Dabei handelt es sich definitiv sowohl bezüglich Gestaltung als auch Baumasse um den extremsten Kontrast in ganz Warschau.


    Direkt gegenüber beginnt übrigens schon der Sächsische Garten, hier einer der Eingänge mit einem Übersichtplan:



    Und ebenfalls direkt gegenüber liegt der Blaue Palast bzw. dessen eher einfach gehaltene Rekonstruktion nach einer sehr komplexen Geschichte von allerlei Umbauten, die schließlich mit der Zerstörung 1944 endete. Die Farbe "Blau" geht übrigens auf die ursprüngliche Dachfarbe zurück, nicht auf die Fassade.


    Leider war es aufgrund der Vegetation kaum möglich, den Palast zu fotografieren, hier ein Blick in den Ehrenhof:



    Der Zustand ist mäßig, die Rekonstruktion machte auch eher einen einfachen Eindruck. So sah der Palast zu Zeiten von Canaletto aus, dessen Vedute leider nicht als Vorlage diente:



    Auf der Rückseite des Gebäudes befindet sich heute ein italienischen Restaurant direkt am Sächsischen Garten, dessen Namen St. Antonio sicherlich von der rekonstruierten gleichnamigen Kirche abgeleitet ist (oben links zu sehen, aktuelle Fotos folgen).



    Bei der Gelegenheit noch Vorkriegsaufnahmen, um die Lage besser einordnen zu können, wir sehen hier den gesamten Sächsischen Garten, ganz oben rechts ist der noch dreieckige Bankenplatz, unter dessem linken unteren Ende befindet sich der Blaue Palast:



    Die abgebildete Bebauung ist mit Ausnahme von Blauem Palast und der oben gezeigten "Corazzi-Seite" des Bankenplatzes leider verschwunden, mit einer Ausnahme (oder sogar zwei, nur kann ich die Kirche St. Anton von Padua nicht eindeutig erkennen) - die Galeria Zachęta links unten wurde rekonstruiert.


    Und wenn es auch nicht ganz in diesen Strang paßt - im Vordergrund sehen wir das gigantische Sächsische Palais und gleich rechts daneben das deutlich kleinere Brühlsche Palais, es bleibt zu hoffen, daß die angekündigten Rekonstruktionen tatsächlich umgesetzt werden.


    Erhalten ist nur ein Fragment der Bögen in der Mitte des früheren Palasts:



    Daher nun weiter in Richtung Großes Theater, wobei als weitere Sehenswürdigkeit noch die Kirche St. Anton gezeigt werden soll - allerdings erst im nächsten Beitrag :smile:

    Oben bereits teilweise zu sehen war der südliche Abschluß des Bankenplatzes in Form des Gebäudes der Börse und Nationalbank, das sich sich auch noch ziemlich lang an der Elektoralna entlangzieht.


    Hier das Gebäude aus der Nähe, nach links geht die Elektoralna nach Südwesten, rechts der Bankenplatz mit dem heutigen Blue Tower Plaza, zu dem später noch weitere Informationen folgen:


    IMG_5528_sil.jpg


    Hier der weitere Verlauf der Elektoralna:



    Und hier ein erster Blick auf den Bankenplatz nach Norden:


    IMG_5530_sil.jpg


    Streng genommen paßt die Bezeichnung Bankenplatz gar nicht mehr unbedingt, da der eigentliche Platz früher sehr viel kleiner war und eine Dreiecksform aufwies:


    bankenhis.jpg


    Auch lief eine der Straßen des Dreiecks direkt auf den Innenhof des Leszczyński-Palasts zu, während der "Platz" heute gewissermaßen ein Anhängsel der Marszałkowska ist.


    Hier eine Luftaufnahme aus der Nachkriegszeit, die Arbeiten am heutigen Blue Tower haben schon begonnen:


    bankowykomm.jpg


    Links die drei Gebäude von Corazzi, im Hintergrund der schon mehrmals erwähnte Mostowski-Palast, ebenfalls von Corazzi umgestaltet, und auf der rechten Seite im Vordergrund der Blaue Palast und hinten das Arsenal.


    Ursprünglich endete die Marszałkowska direkt südlich des Sächsischen Gartens, heute direkt am Arsenal, wo der Verkehr auf die Ost-West-Trasse abgeleitet wird.


    Hier nun die nichtsdestoweniger beeindruckende Westseite des Bankenplatzes als Komplettansicht:


    IMG_5531_sil.jpg


    Hinter dem Gebäude der (früheren) Börse und Nationalbank kommt der Palast des Schatzministers von Corazzi:


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    Dieser geht dann nahtlos in den früheren Leszczyński-Palast über, ebenfalls ein Werk eines italienischen Architekten (nämlich von Gisleni). Dieses Gebäude wurde von Corazzi komplett umgebaut, es diente als Palast der Regierungskommission für Einkünfte und Finanzen und heute als Sitz von Oberbürgermeister und Stadtverwaltung (früher am Theaterplatz untergebracht, dazu später mehr):


    IMG_5533_sil.jpg


    Blick in den Ehrenhof:


    IMG_5535_sil.jpg


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    Blick nach Norden:


    IMG_5534_sil.jpg


    Und als Gesamtansicht:


    IMG_5537_sil.jpg


    Nochmals der südliche Abschnitt des Platzes:


    IMG_5538_sil.jpg


    Und die Komplettansicht, der Kirchturm wurde schon in Rundgang Nummer 6 gezeigt und gehört zu ...? :smile:


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    Hier noch eine aktuelle Luftaufnahme des Anfangs der Sächsischen Achse mit dem Palais als Abschluß, dahinter die beiden Markthallen:



    Mit den beiden "Scheiben-Hochhäusern" im Vordergrund sollte dem ganzen wohl eine Struktur gegeben werden, davor wiederum die beiden Fahrbahnen der Marszałkowska, die hier voneinander getrennt verlaufen, die "Sächsische Achse", die es letztlich nicht mehr gibt, verläuft unterirdisch weiter in den Sächsischen Garten.


    Dieser ist heute auch eher enttäuschend, da der frühere Park mit seiner Gestaltung nicht wiederhergestellt wurde, es handelt es sich eher um eine Grünfläche mit wildwachsenden Bäumen.


    Hier nun nochmals der Lubomirski-Palast als heutiger Abschluß der Sächsischen Achse:




    Die angrenzende Bebauung ist halbwegs passend, wirklich sehenswert wird es aber erst wieder am Bankenplatz.


    Hier das Denkmal für Tadeusz Kościuszko im Vordergrund, eingebettet in einen kleinen gleichnamigen Park:



    Vom selben Standort aus fällt der Blick auf die beginnende Sächsische Achse - wirklich viel zu sehen gibt es da nicht:



    Falls irgendwann wieder die Grenzen geöffnet werden sollten, reiche ich sicherlich nochmals weitere Fotos zum Sächsischen Garten und den anderen Parks nach.


    Wesentlich spannender indes der Bankenplatz und hier vor allem dessen Westseite mit einem gigantischen Komplex, der auf dem Weg nach Norden schon kurz nach dem Lubomirski-Palast zu sehen ist:



    Es handelt sich um Bauten von Antonio Corazzi, die ab etwa 1823 entstanden - der Architekt war damals erst 33 Jahre als und erst 5 Jahre zuvor nach Warschau gekommen, als er dieses Großprojekt realisierte:


    Dieses umfaßte nicht nur die Neuerrichtung von Gebäuden, sondern auch den grundlegenden Umbau von bereits vorhandenen Palästen - einer dieser Paläste wurde bereits im vorherigen Rundgang Teil 6 - von der Barbakane zu den Markthallen gezeigt, nämlich der Mostowski-Palast (der Link führt direkt zu Fotos des Palasts).


    Überhaupt ist Corazzi einer der prägenden Architekten dieser Epoche, bereits gezeigt wurde ja der in etwa gleichzeitig mit dem Bankenplatz-Projekt entstandene Staszic-Palast (siehe Teil 5 - rund um den Königsweg bis nach Marienstadt).


    Aber auch die Bebauung am Theaterplatz mit dem Großen Theater und dem Hołowczyc-Palast geht auf ihn zurück - dazu gibt es später in diesem Rundgang noch weitere Fotos und Informationen.

    ... und noch etwas weiter, nämlich den bislang nicht dokumentierten Abschnitt der Ost-West-Trasse von der Miodowa-Straße bis zum Przebendowski-Palast weiter, der schon in Teil 6 - von der Barbakane zu den Markthallen gezeigt wurde.


    Allerdings ist das nur ein kleines und eher unstrukturiertes Anhängsel dieses Rundgangs, das im Gegensatz zum sehr bedeutenden Bankenplatz nicht in der Überschrift erwähnt wird, schon allein mangels eines griffigen Titels ...


    Beginnen soll diese Tour indes mit dem bereits im vorherigen Rundgang erwähnten Lubomirski-Palast mit einer sehr wechselvollen, über 300-jährigen Geschichte. Der Palast wurde bereits 1939 bis auf Teile der Fassade weitgehend zerstört wurde, danach dem Krieg rekonstruiert und im Jahr 1970 tatsächlich in einem aufwendigen Verfahren in rund 6 Wochen um knapp 80 Grad gedreht - und zwar in einen rechten Winkel zur Sächsischen Achse, deren Endpunkt und letztlich fast einziges verbliebenes Bauwerk der Palast darstellt.


    Zunächst einmal eine historische Ansicht der Sächsischen Achse mit dem Palast auf der linken Seite:


    Iron_Gate_Square.jpg


    Das auffällige Bauwerk in der Mitte ist der Große Salon alias Wielki Salon, davor das Eiserne Tor, das im Auftrag von König August II errichtete westliche Eingangstor zum Sächsischen Garten. Beide Bauwerke existieren nicht mehr, das Eiserne Tor wurde für eine Verlängerung der Marszałkowska nach dem Ersten Weltkrieg abgerissen, der Große Salon, eine Aussichtsplattform, wurde 1804 wohl bei einem Feuerwerk beschädigt und 1817 abgerissen.


    Hier der Lubomirski-Palast nach 1939, nur die Außenmauern stehen noch, davor die Mauer zum Warschauer Ghetto:


    Ghetto_Lubomirski.jpg


    Und um die Sächische Achse näher einordnen zu können, eine Übersichtskarte, wobei die Achse in roter Farbe eingezeichnet ist:


    Saxon_Axis.png


    1. der heutige Mirowski-Park, gleich rechts daneben die beiden Markthallen, eingezeichnet sind die früheren Kasernen
    2. der Lubomirski-Palast, noch in Originalausrichtung, vor der Hauptfassade der gleichnamige Platz
    3. der westliche Rand des Sächsischen Gartens (die Karte ist nicht nach Norden ausgerichtet), rechts daneben der Blaue Palast, eines der wenigen rekonstruierten Gebäude
    4. das vielfach umgebaute Sächsische Palais, von dem nur noch ein Teil der nachträglich angebauten Arkaden erhalten ist und das angeblich rekonstruiert werden soll (die Ankündigungen gibt es aber schon seit Jahrzehnten ...)
    5. gleich unterhalb der heute so leere heutige Pilsudski-Platz
    6. einer der Schwerpunkte dieses Rundgangs, der früher dicht bebaute Bankenplatz, man beachte auch die dichte Umbauung des Arsenals
    7. der Abschluß dieses Rundgangs, die heute vertieft verlaufende Ost-West-Trasse
    8. die Senatorska, mit dem Großen Theater und der Fassadenrekonstruktion des Jabłonowski-Palasts, ebenfalls bei diesem Rundgang gezeigt
    9. der Vollständigkeit halber: der im Rundgang 6 gezeigte Krasinski-Park in originaler Ausdehnung (durch die Zerstörungen und Abrisse ist der Park heute größer)

    Die Bebauung ist eher einfach gehalten:


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    Kurze Zeit später kommt indes schon die nächste Kirche, nämlich die englischsprachige Kirche der Gemeinde St. Paul, die der Heiligen Jungfrau Maria gewidmet ist (Kościół pw. Narodzenia):


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    Die Straße geht in ähnlichem Stil noch bis zum rekonstruierten Stadtbezirksamt weiter, wir biegen indes nach Süden in die nach Johannes Paul II benannte Aleja Jana Pawła II ab.


    Die Kreuzung wird durch monumentale klassizistisch inspirierte Gebäude geprägt, die in sehr ähnlicher Ausführung mehrfach gebaut wurden, so auch im MDM-Viertel:


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    Bei der Aleja Jana Pawła II handelt es sich neben der Marszałkowska um die zweite große Nord-Süd-Verbindung der Innenstadt, sie führt weiter im Süden direkt am Warschauer Zentralbahnhof vorbei.


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    Wieder ein typischer Bau des Sozialistischen Realismus, man vergleiche die Dachgestaltung ähnlich wie bei den "Füllbauten" zwischen den beiden Kirchen:


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    Gesamtansicht mit Blick nach Norden:


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    Blick nach Süden - wir sind schon fast im Hochhausviertel angekommen:


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    Unmittelbar zuvor biegen wir indes wieder in Richtung Altstadt nach Osten ab, kurz vor dem Park Mirowski geht es zu den zwei rekonstruierten Warschauer Markthallen weiter.


    Hier noch ein letzter Blick auf die Bebauung der Jana Pawła II:


    IMG_5512_sil.jpg


    Bei den beiden Hallen, den Mirów-Hallen, handelt es sich um zwei sehr ähnliche Markthallen, die unmittelbar hintereinander zwischen der Aleja Jana Pawła II und dem Lubomirski-Palast liegen, der das Ende der Sächsischen Achse markiert (und so ziemlich das einzige Gebäude dieser vormaligen Achse darstellt).


    Die westliche Halle ist die Hala Mirówska, die östliche die Hala Gwardii, hier die Mirówska:


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    Bis Ende des 19. Jahrhunderts befanden sich hier Kasernen aus der Sachsenzeit, die auf alten Gemälden der Sächsischen Achse noch zu sehen sind, hier indes die heutige Ansicht:


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    Blick in den parallel verlaufenden Park mit den Hochhäusern im Hintergrund:


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    Und hier noch die Hala Gwardii - beide Hallen wurden 1944 zerstört (das Ghetto begann unmittelbar dahinter) und erst relativ spät wieder aufgebaut, da zuvor ein Park an dieser Stelle angelegt werden sollte. Die östliche Halle wurde bereits bis 1953 als Sporthalle rekonstruiert, die westliche erst rund 10 Jahre später.


    Hier abschließend noch die Hala Gwardii, die heute indes überwiegend als Supermarkt genutzt wird:


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    Damit sind wir am Ende dieser Tour angelangt, die nahtlose Fortsetzung führt vom Lubomirski-Palast über den Bankenplatz wieder in Richtung Altstadt.


    Als Einstimmung schon einmal ein Foto des Lubomirski-Palasts:


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    Bei der großen Nord-Süd-Achse handelt es sich um die Marszałkowska, die nach Norden hin am Krasiński-Park vorbeiführt und zusätzlich einen breiten Grünstreifen aufweist.


    Hier der Blick nach Nordwesten auf den fast völlig zerstörten und rekonstruierten Mostowski-Palast:



    Indes sind wir ja noch auf der östlichen Seite der Marszałkowska und hier befindet sich das Arsenal, als Zeughaus im 17. Jahrhundert errichtet und vormals auch Cekhauz genannt - es wurde bereits im 18. Jahrhundert, im 19. Jahrhundert und zuletzt 1944 zerstört und immer wieder aufgebaut, heute befindet sich darin das Archäologische Museum.


    Ansicht des Arsenals zu Zeiten von Canaletto, die Kirche des Erlöserordens existiert nicht mehr:



    Und die heutige Ansicht von Ende der Długa aus:



    Ansicht von der Marszałkowska:




    Wir überqueren nun die Marszałkowska und betrachten den Mostowski-Palast aus der Nähe, heute Sitz der Polizei:




    Hier kommen die riesigen Gebäudeabmessungen zum Ausdruck:



    Wir befinden uns bereits am nördlichen Rand des legendären Plac Bankowy, wenngleich sich die bekannten Gebäude allesamt südlich der Ost-West-Trasse befinden und im nächsten Rundgang vorgestellt werden.


    Daher geht es jetzt erst einmal zur Ost-West-Trasse nach Süden am Kino Muranów vorbei (leider gerade eingerüstet):



    Ein letzter Blick zurück zum Arsenal, in der Grünanlage befindet sich heute ein eher unansehnlicher Flachbau mit Restaurants, früher befand sich dort die oben abgebildete Kirche:



    Von nun aus weiter die Ost-West-Trasse entlang nach Westen, die hier als Aleja „Solidarności” bezeichnet wird. Die Bebauung entspricht dem Sozialistischen Realismus und besteht in diesem Abschnitt überwiegend auch einfachen Plattenbauten.


    Dazwischen befinden sich immer wieder rekonstruierte Gebäude wie die Reformierte Kirche aus dem Jahr 1880:



    Daneben ist das Konsistorium dieser kleinen Kirchengemeinde zu sehen:



    Als Ensemble:


    Von hier aus nun auf demselben Weg wieder zurück zur Długa und weiter in Richtung Arsenal. Hinter dem Wohnblock ist die Bebauung geschlossen historisch bzw. unmittelbar vor dem Arsenal zumindest gut angepaßt.


    Um welches Gebäude es sich auf der in Gehrichtung linken Seite handelt, habe ich noch nicht herausgefunden, dem Internet habe ich nur entnommen, daß darin der polnische Ombudsmann heute seinen Sitz hat:


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    Hier der Innenhof:


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    Blick zurück zum Krasiński-Platz:


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    Hier beginnt bereits das "Hotel Polski, ein früheres Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert, das später zum Hotel umgebaut wurde und nach dem Wiederaufbau Ende der 40er-Jahre heute als Wohnhaus mit einem Restaurant im Erdgeschoß genutzt wurde:


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    Darin wurden im Zweiten Weltkrieg Juden mit ausländischen Pässen interniert und danach überwiegend getötet.


    Blick in der Gegenrichtung, auf der linken Seite ist schon schwach ein weiteres Palais zu erkennen, der Palast zu den vier Winden oder - nach den bedeutendsten Besitzern, die übrigens deutscher Abstammung waren - auch Teppert-Dücker-Palast genannt:


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    Blick in den Innenhof des Palasts:


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    Darin befand sich früher mit dem Hôtel de Dresde ein Hotel, nach der Zerstörung und dem Wiederaufbau 1951 wurde allerdings der Zustand des 18. Jahrhunderts rekonstruiert:


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    Seit dem Wiederaufbau sind darin Behörden untergebracht, heute vor allem aus dem Gesundheitswesen inkl. der polnischen Filiale der WHO.


    Gleich daneben befindet sich der letzten Höhepunkt der Straße, nämlich der Potkański-Palast:


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    Ursprünglich handelte es sich um die Stadtresidenz des Bischofs von Płock, die später als Mietshaus genutzt wurde.


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    Wer sich für das Vorkriegs-Warschau interessiert, findet unter warszawa1939 viele Informationen, unter anderem auch eine Abbildung des Gebäudes vor der Zerstörung - der charakteristische lange Balkon über die gesamte Fassade wurde nicht rekonstruiert.


    Ein letzter Blick zurück, das Mekong-Restaurant befindet sich im Hotel Polski, der Neubau ganz am Anfang mit dem typischen kleinen Zabka-Lädchen stört nicht übermäßig:


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    Insgesamt eine faszinierende Straße, die vermutlich von vielen Touristen auf dem Weg in die Altstadt durchquert wird, ohne sie wirklich wahrzunehmen - schließlich befindet sich am Arsenal die der Altstadt am nächsten gelegene Metrostation.


    Damit verlassen wir das rekonstruierte Gebiet:


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    Indes fällt zwischen den Hochhäusern noch ein historisches Gebäude auf:


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    Es handelt sich um den Przebendowski-Palast, ein spätbarockes Gebäude, das während des Warschauer Aufstands 1944 weitgehend zerstört wurde und ähnlich wie die Reste der umgebenden Bebauung für die Errichtung der Ost-West-Trasse abgerissen werden sollte (schon im Zusammenhang mit Marienstadt und dem Altstadttunnel erwähnt, siehe Teil 5 - rund um den Königsweg bis nach Marienstadt).


    Indes setzte sich hier das BOS, das Büro für den Wiederaufbau der Hauptstadt, durch und so blieb in einem fast schon typisch polnischen Kompromiß die Ruine vom Abriß verschont, sondern wurde 1948/49 aufgebaut:


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    Die Ost-West-Trasse teilt sich hier als Kompromiß nämlich in zwei Arme auf, dazwischen liegt wie auf einer Insel das Palais, dessen Versorgungsgebäude aus Platzgründen nicht aufgebaut wurden:


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    Dahinter endet das Rekonstruktionsgebiet dann endgültig, der weitere Verlauf der Trasse ist vom sozialistischen Realismus geprägt, auch wenn es noch einzelne Rekonstruktionen gibt, so die schwach erkennbare Reformierte Kirche (gleich dahinter befindet sich übrigens die Warschauer Kammeroper):


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    Das oben gezeigte Gebäude mit dem repräsentativen Durchgang stammt ursprünglich aus dem Jahr 1786 und stellt das Zollamt (Komora Celna) dar, der Eingang führt in den Innenhof des daneben befindlichen Palais, des in etwa aus derselben Zeit stammenden Maria-Lubomirska-Radziwiłłowa-Palasts.


    Hier nochmals das Zollamt aus einer anderen Perspektive mit Blick zum Obersten Gericht:


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    Hinter einem Füllbau kommt dann schon der große Innenhof des Palasts, der heute durch das Institut für Kunst der Polnischen Akademie der Wissenschaften genutzt wird:


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    Auch hierbei handelt es sich um eine Rekonstruktion auf den 50er-Jahren, (mehr oder weniger idealisiert) aufgebaut wurden die Palais und aufwendigeren Bürgerhäuser der Straße, dazwischen befinden sich teilweise recht unschöne Wohnblocks.


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    Blick auf den weiteren Verlauf der Straße in Richtung Arsenal, das Hochhaus Blue Tower Plaza ist schon in der Mitte zu sehen, das am Ort der früheren Hauptsynagoge steht und einen äußerst skurrilen Kontrast zum gleich davor befindlichen (und hier nicht zu sehenden) Mniszech-Palast bildet, dazu im nächsten Rundgang mehr.


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    Indes biegen wir erst einmal vor dem Wohnblock nach rechts ab, um den Ende des 18. Jahrhunderts für die Öffentlichkeit freigegebenen Krasiński-Park zu besuchen.


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    Hier der Eingang zum Park:


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    Blick in Richtung Krasiński-Platz, die Bebauung besteht auf beiden Seiten der Straße jeweils nur aus einer Häuserreihe, nur an den Palais mit ihren Innenhöfen geht sie etwas mehr in die Tiefe.


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    Überblick über den Park:


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    Der Park erstreckt sich bis zum Arsenal und ist etwas kleiner als der daneben befindliche Sächsische Garten. Hier ist schon das Krasiński-Palais zu sehen:


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    Und hier die komplette Ansicht des Palais von der Rückseite, aufgrund der starken Gegenlichtsituation leider mit einem Blaustich:


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    Hier die Gesamtansicht des Platzes mit dem Obersten Gericht:



    Im Palast ist heute die Nationalbibliothek untergebracht, hinter dem Palast befindet sich der gleichnamige Park:



    Die Grünanlage ist wie gesagt ziemlich enttäuschend:



    Blick zum Obersten Gericht:



    Die Vergangenheit ist präsent:



    Dies äußert sich natürlich auch im Denkmal des Warschauer Aufstandes:





    Blick zurück zu Feldkathedrale und Miodowa:



    Hinter dem Platz beginnt nun der zweite und geringfügig längere Teil der Długa, hier das Eckgebäude zum Platz, das gewissermaßen hinter dem nicht mehr vorhandenen Badeni-Palast steht:


    Bevor nun auch auf der östlichen Seite ein unschöner Neubau kommt, gibt es noch ein echtes Highlight - die Rekonstruktion des klassizistischen Raczyński-Palasts aus dem Jahr 1950, bis zur Zerstörung 1944 befand sich darin das oberste Gericht der deutschen Besatzungsbehörden, heute ist ein Archiv darin untergebracht:




    Nach dem kurzen und unattraktiven Mittelabschnitt kommen wieder auf beiden Seiten Rekonstruktionen bzw. angepaßte Bauten, so auf der westlichen Seite:



    Gegenüber ist schon die Feldkathedrale der Polnischen Armee zu sehen oder genauer gesagt die Rekonstruktion der Rekonstruktion, denn sie wurde schon kurz nach der Errichtung durch die Schweden zerstört und 1944 nochmals.



    Entsprechend ihrer Widmung sind an der Fassade auch Gegenstände angebracht, die für Kirchen eher unüblich sind, so z. B. ein Propeller eines Flugzeugs aus dem 2. Weltkrieg - Polen stellte ja einen beträchtlichen Anteil der alliierten Piloten bei der Luftschlacht um England (siehe z. B. Polnische Flieger in englischen Diensten - daß diese Piloten nach dem Krieg den Kommunisten verdächtig waren, teilweise verfolgt wurden oder im Westen bleiben mußten, ist eine der weniger bekannten Geschichten des 2. Weltkriegs):



    Die Kirche liegt ziemlich genau an der Kreuzung mit der Miodowa-Straße, diese wurde inkl. der Kirche schon gezeigt, und zwar in Teil 3 - Altstadt und rund um die Miodowa-Straße


    Blick zurück auf den ersten Abschnitt der Długa, das Palais auf der rechten Seite gehört zur Kirche:



    Die historische Ansicht dieses Abschnitts wurde ja ganz oben schon gezeigt, hier eine historische Ansicht der Kirche vor der Angliederung Polens an Rußland:



    Rechts die Miodowa, die hier ziemlich verbaut war, vermutlich wurde deshalb der letzte Abschnitt auch modern bebaut.


    Der Platz als solcher war auf dieser historischen Vedute von Canaletto noch im Entstehen, der Krasiński-Palast rechts vorn stand indes schon:



    Im Jahr 1834 wurde die Kirche durch die Russen beschlagnahmt und im orthodoxen Stil umgebaut:



    Ab 1923 wurde die Kirche dann wieder zu einer katholischen Kirche umgebaut und erhielt ihr rekonstruiertes Erscheinungsbild, allerdings wurde sie nicht den Piaristen zurückgegeben, sondern eben als Kirche der Armee gewidmet.


    Wir erreichen somit den Krasiński-Platz, oben in einer historischen Ansicht aus dem 18. Jahrhundert, hier aus dem 19. Jahrhundert:



    Früher war dieser Platz einer der elegantesten Plätze Warschaus, mit dem Badeni-Palast an der Długa und daneben dem rekonstruierten Krasiński-Palast:



    Heute ist der Platz eher enttäuschend, zwar ist das Gebäude des Obersten Gerichts durchaus gelungen, anstelle eines Parks gibt es vor dem rekonstruierten Palasts indes einfach nur eine Grünfläche, auch der Badeni-Palast fehlt, dort stehen einfach nur einige Bäume.

    Nun geht es mit leichter Verspätung mit den eigentlichen Fotos los - wir beginnen den Rundgang an der Barbakane, die ja schon im Titel genannt wird.


    Dabei handelt es sich um eine freie Nachbildung einer Befestigungsanlage aus dem Jahr 1548 von Giovanni Battista, einem Baumeister aus Venedig, eine seltsame Mischung aus Festung, Tor und Brücke (vgl. auch die Barbakane von Krakau, die ähnlich beeindruckend ist).


    Das Bauwerk war relativ sinnlos, da die Artillerie problemlos darüber hinwegschießen konnte und zudem schon Anfang des 17. Jahrhunderts ein weiterer Wall angelegt wurde.


    Malerisch ist es aber auf jeden Fall:


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    Die Barbakane wurde bereits im 18. Jahrhundert als militärisches Bauwerk endgültig außer Betrieb genommen und im Laufe des 19. Jahrhunderts auch weitgehend abgebaut, die Steine wurden zum Bau von Wohnhäusern verwendet.


    Entsprechend ist auf dieser Vorkriegs-Luftaufnahme abgesehen von einem kleinen Teil der Stadtmauer weder von der Barbakane noch vom heute so malerischen Graben rund um die Altstadt noch etwas zu sehen:


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    Altstadt und Neustadt gehen nahtlos ineinander über, wir erkennen auch in der Altstadt selbst starke Abweichungen bei Bebauung und Straßenverlauf:


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    Unmittelbar vor dem 2. Weltkrieg wurde indes wieder mit dem Neuaufbau der Barbakane begonnen, hierfür wurde die zwischenzeitlich angelegte Bebauung wieder abgerissen. Der vorhandene Neubau wurde wiederum 1944 zerstört und danach - unter anderem mit Steinen aus Neisse und Breslau - in der Nachkriegszeit in deutlich erweiterter Form vollendet.


    Malerischer Blick zur Neustadt in Richtung Weichsel - auch dies ist eine reine Phantasieschöpfung der Nachkriegszeit:


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    Gleich dahinter beginnt die Hauptstraße der leider nur sehr teilweise rekonstruierten Neustadt, die Ul. Freta:


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    Zur Bebauung der Freta und der restliche Neustadt verweise ich auf Teil 4 - Neustadt und Praga


    Nach einem Blick in die Mostowa, deren Bebauung in Richtung Weichsel relativ schnell endet ...


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    ... erreichen wir nun den Beginn des eigentlichen Rundgangs, nämlich die "Lange Straße" oder Długa, die vom Herzen der Neustadt bis zum schon erwähnten Arsenal führt und leider nur teilrekonstruiert ist.


    So wie zu Zeiten Canalettos, der den Dresden-Fans bestens bekannt sein sollte, sieht die Straße also nicht mehr aus (gilt aber auch schon für das Vorkriegs-Warschau):


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    Hier beginnt nun die Straße direkt neben der Heilig-Geist-Kirche:


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    Blick in die weitaus besser rekonstruierte Freta direkt an der abgebildeten Kreuzung:


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    Und hier der erste Abschnitt der Długa, die nur ganz am Anfang und ganz am Ende beidseitig rekonstruiert ist. Blick zurück zur Freta, die Heilig-Geist-Kirche ist rechts hinten:


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    Gleich dahinter ist die "Neustädter" Seite modern bebaut, auch dahinter gibt es in der Neustadt praktisch nur noch Neubauten auf der Grünen Wiese:


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    Zum Vergleich - eine ähnliche Vorkriegsansicht:


    Was noch fehlte, ist der Abschluß dieser kleinen Tour, zunächst geht es auf dem Damm zwischen Neckar und See weiter, gefolgt von einem Schwenk nach rechts.


    Dort befinden sich verschiedene ziemlich unattraktive Gebäude (Flachdach, Beton) von Stuttgarter Segel- und Yachtclub sowie Gastronomie:


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    Da ist diese kleine Zuleitung eines Bachs (?) fast schon ein Höhepunkt ...


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    Somit haben wir auch schon das Südufer erreicht, Blick zurück zum Ausgangspunkt:


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    Dort gibt es gleich zwei Haltestellen der Stadtbahn, so daß man die Tour wunderbar mit öffentlichen Verkehrsmitteln unternehmen kann:


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    Wer will, kann hier gleich zu den nächsten Wanderzielen fahren, entweder nach Remseck mit einem ganz nett gestalteten Uferbereich am Zusammenfluß von Neckar und Rems oder direkt zum Rosensteinpark.

    Das Problem ist halt, daß viele eingemeindete Vororte sehr stark gewachsen sind und das Zentrum häufig recht brachial mit Abrissen "modernisiert" wurde, Möhringen und Echterdingen haben aber schon noch erkennbare historische Kerne (nur eben nicht geschlossen erhalten), in Obertürkheim gibt es durchaus schöne Ecken, auch die weitere Bebauung bis einschließlich Uhlbach ist doch überwiegend schön.


    In der Stuttgarter Innenstadt (darunter verstehe ich das, was gewissermaßen in der "Ebene" liegt) selbst gibt es meines Erachtens kaum schöne Ecken außer eben am Schloßplatz, man müßte dann schon in Richtung Stuttgart Süd oder West oder Richtung Heusteigviertel bzw. Lehen, um wieder was schönes zu finden.