Mannheim (Galerie) - Innenstadt

  • Schade, daß man für die Nachkriegsbauten nicht die rot-weiß-Fassadenfarben beibehalten hat, v a mit den Eckbetonungen. Das hätte die Innenstadt mehr als einheitlichen Körper hervorgehoben.

  • Damit haben wir auch schon den letzten Teil des Pflicht-Programms für Mannheim-Touristen erreicht - falls es denn solche geben sollte.


    Wir gehen kurz nach Westen und sehen dann schon einen Teil der Reiss-Engelhorn-Museen - in Form des 1957 rekonstruierten Zeughauses:


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    Und die Rückfassade mit einem offiziell nicht öffentlich zugänglichen Garten:


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    Die Hauptfassade vom Toulonplatz aus:


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    Das zugehörige Museum der Weltkulturen ist in einem 1988 errichteten weißen Würfel untergebracht:


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    Der Toulonplatz ist für Mannheimer Verhältnisse überdurchschnittlich, denn mit der Friedrich-List-Schule gibt es noch eine Jugendstilschule gleich daneben, leider hier eingerüstet:


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    Und sogar an der östlichen Platzkante ist noch etwas erhalten - das Mannheimer Leihhaus ...:


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    Auch hier jetzt Fotos von Oktober 2020, auf denen die Schule noch gut zu sehen ist:


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    Nochmals das Zeughaus:


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    Und der Museumswürfel:


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    Gleich nördlich davon kommen dann wieder die Planken mit dem Technischen Rathaus von 1937, das im Rahmen des Planken-Durchbruchs hier errichtet wurde:


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    Flankiert wird das Gebäude, das heute als "richtiges" Rathaus genutzt und erst nach dem Krieg ganz fertiggestellt wurde, von der Musikschule im Osten:


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    Und von der Spitalkirche im Westen, die nach dem Krieg als einziges Gebäude des Spitals wieder aufgebaut wurde (wobei die Gebäude schon vor dem Krieg abgebrochen werden sollten, wegen dem Plankendurchbruch, bei dem das ganze Quadrat E5 abgerissen wurde - die vorherige "Engstelle" gibt es bei Mannheim Tourismus zu sehen):


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    Auch hier noch Eindrücke vom letzten Jahr:


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    Und abschließend noch gemeinsam mit der Musikschule:


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    Somit haben wir gewissermaßen das "Pflichtprogramm" abgeschlossen, es kommt noch eine kurze "Kür" mit dem Nordwesten der Innenstadt und dem angrenzenden Jungbusch.

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  • Leider wird diese kleine "Traditionsinsel" nicht zum Anlaß genommen, in ähnlichem Stil weiterzubauen, eher im Gegenteil, westlich davon schließt sich ein fast DDR-artiger Plattenbau an:


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    Nördlich kommen die mithin anspruchslosesten Siedlungsanlagen, die lediglich mit einem Projekt zur Fassadenmalerei etwas aufgewertet wurden (zweite Karte, Punkt 10 ganz am Anfang des Strangs):


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    Das westlich davon gelegene Mercure-Hotel ist fast ein Zwilling des Mercure am Planetarium und ähnlich enttäuschend:


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    Gleich nördlich davon kommt dann das Quadrat G7, das als einziges weitgehend erhalten blieb, wirklich toll ist es aber nicht, es handelt sich genauso wie bei benachbarten Jungbusch um ein "buntes" Quartier, wie uns eine Tafel verrät:


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    Nach Osten hin endet die Bebauung aber abrupt (Punkt 11, Filsbach):


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    Das Viertel ist aber ziemlich klein und umfaßt im Wesentlichen nur zwei namenlose Querstraßen, die dann am Ring enden:


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    Am nördlichen Ende kommt dann der Luisenring (Punkt 12), hier gibt es noch Kepler-Schule und Ordnungsamt als erhaltene Gebäude:


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    Luisenring mit Blick auf MVV-Hochhaus und Neckaruferbebauung Nord (die drei Hochhäuser):


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    Indes wollen wir ja den Jungbusch besuchen und gehen daher nach Süden den Ring entlang. Dort kommt bei Punkt 13 die Liebfrauen-Kirche und gleich dahinter die 1995 eröffnete DITIB-Moschee, bis 2008 (Marxloh) die größte ihrer Art in Deutschland:


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    Die Kirche:


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    Die pakistanische Konkurrenz-Moschee ist gleich jenseits des Rings, allerdings habe ich das erst beim Blick auf Openstreetmap festgestellt, es handelt sich wohl einfach um ein umgebautes Gebäude.


    An der Moschee vorbei geht es nun in den Jungbusch, entstanden ab 1870 nach der Rheinbegradigung und heute einerseits ein Ausgehviertel, andererseits auch sehr "bunt" und nicht ganz unproblematisch (Am Kiosk finden die Menschen Halt).


    Übrigens liegt auch der Jungbusch nicht direkt am Rhein, sondern an einem Verbindungskanal des Handelshafens - es gibt wohl kaum eine Stadt am Rhein, die den Fluß besser "versteckt" als Mannheim, er verschwindet hinter Häfen, riesigen Verkehrsbauwerken und vielgleisigen Bahnlinien.


    Der Auftakt in den Jungbusch ist nicht vielversprechend - ach so, wir haben jetzt Punkt 14 der Übersicht erreicht:


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    Unmittelbar gegenüber liegt die Moschee an derselben Straße:


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  • die lediglich mit einem Projekt zur Fassadenmalerei etwas aufgewertet wurden

    es handelt sich genauso wie bei benachbarten Jungbusch um ein "buntes" Quartier

    Wenn ich ganz ehrlich bin, wohne ich lieber in einem "bunten" Quartier als in einem mit deutscher Polit-Propaganda an der Hausfassade. Was sollen das eigentlich für Typen sein, die da unten auf dem Wandbild "gegen das Vergessen" demonstrieren? Sie wirken auf mich wie linke "Autonome" mit ihren dunklen Klamotten und Kapuzenjacken. Nein danke, da würde ich nie reinziehen. :daumenunten:

  • Das ist Teil des Projekts "Gegen das Vergessen" mit Aufnahmen von Überlebenden der NS-Zeit von Luigi Toscano, der unten mit der Faust abgebildet ist.


    Die Fassaden zählen zum Projekt Stadt.Wand.Kunst und sind vor allem in der westlichen Innenstadt und Neckarstadt zu finden, wobei es aber überwiegend unpolitische und auch comicartige Motive sind (Übersicht). Einigen Autokennzeichen nach dürften in der Siedlung überwiegend Rumänen leben.

  • Kommen wir nun noch zum Jungbusch, dem zentrumsnahen Mannheimer Szeneviertel mit Berlin-Feeling laut Stadtmarketing.


    Tatsächlich ist das Area ziemlich klein mit vielleicht 400 Metern in Nord-Süd-Ausrichtung und einer ausgeprägten Keilform, da zwischen der Ringstraße und dem Zusammenfluß von Neckar und einem Verbindungskanal des Mannheimer Handelshafens gelegen (der Neckar fließt erst rund 2 km später endgültig in den Rhein). Entsprechend ist die Ost-West-Ausdehnung im Norden mit etwa 700 Metern am größten, am südlichen Rand sind es nur noch 100 Meter.


    Auch hier werden die beiden Gewässer nicht städtebaulich einbezogen, sondern sind mit Industrie- und Gewerbebauten bebaut, hier der nordwestliche Rand der Bebauung:



    Hier gibt es wieder Straßennamen, da wir außerhalb des Innenstadtring sind, an der von Norden nach Süden verlaufenden Beilstraße liegt der Sackträgerplatz - so benannt nach den Männern, die hier mit dem Verladen der Säcke am Hafen beschäftigt waren.


    Der Platz ist keine Schönheit und vermutlich ist die heutige Form auf Kriegsschäden zurückzuführen, vermutlich standen auf dem Areal des heutigen Spielplatzes einmal Häuser:



    Es gibt eine kleine und betont "alternative" Fußgängerzone:




    Im südlichen Abschnitt gibt es noch einige überwiegend erhaltene Gründerzeitstraßen:





    Wirklich gefallen hat mir Jungbusch aber nicht gerade, dazu war es doch etwas zu heruntergekommen.


    Danach haben wir schon wieder den Luisenring erreicht, die Kirche ist wieder die schon oben gezeigte Liebfrauenkirche - dies verdeutlicht, wie klein das Areal ist:



    Die Bebauung ist leider zum Vergessen:



    Gleich südlich davon kommt dann eines von zwei riesigen Verkehrsbauwerken in Mannheim - dieses dient zur Anbindung der Hochstraße Nord in Ludwigshafen und führt über den Handelshafen (Punkt 15 auf der Übersicht):



    Das zweite liegt ja gleich südlich des Schlosses und führt direkt zur Hochstraße Süd. Von hier aus nun zurück auf die Planken, die Siedlung mit dem Kunstprojekt haben wir ja schon oben gesehen:



    Vorbei an Rathaus und Musikschule:



    Sind wir wieder am Paradeplatz angekommen - und skurrilerweise kam mir genau in diesem Moment die Veganer-Demo wieder entgegen, die vorher am Schloß ihren Anfang genommen hatte ...


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  • Leider nicht, den Herschelplatz habe ich seltsamerweise noch nie besucht, werde es aber sicherlich mal nachholen. Fotografiert habe ich indes noch Oststadt und einen Teil der Neckarstadt, dazu gibt es noch mal eine Galerie.

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  • Ein total versifftes Stadtbild, mitten in Deutschland.

    Der Schmutz (den kann man ja schnell beseitigen) stört mich wesentlich weniger als die absolute Lieblosigkeit der Bebauung:


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    Diese häßlichen Fassaden und diese riesige Betonrampe für die autogerechte Stadt - es fehlt jeder Sinn für Schönheit oder die Bedeutung der historischen Stadt.

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  • In Ludwigshafen soll ja zumindest die Hochstraße Nord, also das Pendant auf der anderen Rheinseite verschwinden und einem ebenerdigen Boulevard Platz machen. Insofern besinnt man sich vielleicht irgendwann auch in Mannheim ein bisschen und sucht nach gefälligeren Lösungen.

  • Naja. Ich finde die Bilder aus Mannheim auch nicht schlimmer als weite Teile Nürnbergs oder Würzburgs. Die städtebauliche Vorgabe beschränkte sich halt offenbar auf die Traufhöhe.

  • Also - Würzburg würde ich deutlich oberhalb von Mannheim einordnen, und das in jeder Hinsicht (auch vom rein subjektiven Eindruck, der in Würzburg doch eher gutbürgerlich ist, während Mannheim einen eher rustikalen Charme entfaltet), vor allem auch mit Blick auf Rekonstruktionen und Ensembles.


    Nürnberg spielt sicherlich im Zentrum auch in einer etwas höheren Liga als Mannheim, dafür ist das Nachkriegs-Drumherum doch recht mäßig und auf Mannheimer Niveau - dafür gibt es in Nürnberg meines Erachtens kein absolutes Nobelviertel wie weite Teile der Mannheimer Oststadt, und auch die Neckarstadt bietet trotz aller Schwächen mehr an reizvollen Ensembles als vergleichbare Nürnberger Viertel - das können unsere Nürnberg-Experten aber sicherlich wesentlich besser beurteilen als ich.


    Zu Oststadt und Neckarstadt kommen bei Gelegenheit noch Galerien, die Fotos habe ich schon vor knapp zwei Wochen aufgenommen, bei schönstem Wetter.

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