Mannheim (Galerie) - Innenstadt

  • Jetzt komme ich endlich dazu, die Fotos zu einem kleinen Rundgang durch Mannheim vom Oktober letzten Jahres zu veröffentlichen (oder eigentlich sogar von zwei, denn aus Zeitgründen war ein erneuter Abstecher im Rahmen des Besuchs in Ludwigshafen nötig, um noch das kleine historische Ensemble rund um das Rathaus zu fotografieren).


    Da die Lichtbedingungen nicht gerade optimal waren, habe ich die sehr dunklen Fotos stark aufgehellt und auch die Farben betont, das manchen Aufnahmen einen fast unwirklichen Charakter verleiht ... gewissermaßen im Mannheim Vice-Stil :smile:


    Um die Erwartungen etwas zu dämpfen, habe ich bewußt "einige Eindrücke" geschrieben, denn ein wirklich flächendeckendes Bild der Stadt entsteht dadurch natürlich nicht.


    Obwohl ich schon sehr oft in Mannheim war, schon allein, weil ich mehrere Jahre in der Nähe gewohnt habe, war dies tatsächlich mein erster Versuch, die Stadt einigermaßen systematisch zumindest in den wichtigsten Bereichen zu fotografieren - denn vielerort ist das heutige Nachkriegs-Mannheim eben leider keine Schönheit und motiviert auch nicht unbedingt zu Architekturfotos.


    Aber als frühere Residenzstadt der Kurpfalz sind natürlich noch genug Einzeldenkmale vorhanden, die zumindest einen halben Besuchstag in Mannheim rechtfertigen - ob Schloß oder Kirchen oder weitere Einzelbauten, nur echte flächendeckende Ensembles sind nicht zu erwarten.


    Hier zunächst eine Übersicht der Innenstadt:


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    Hier sehen wir gleich die Besonderheit der Innenstadt - es handelt sich um eine Planstadt, auch als Quadratestadt bezeichnet, die eine gleichmäßige Form aufweist, wohl in erster Linie bedingt durch die Befestigungsanlagen. Im Süden des umgedrehten U verläuft die Bismarckstraße, dahinter dann Friedrichspark und Schloß, die Innenstadt wird durch einen Stadtring mit verschiedenen Namen (Luisen-, Friedrichsring usw.) umschlossen.


    Indes war die Stadt früher anders strukturiert, da der südliche Teil aus einer großen Festung (Friedrichsburg) bestand, die in etwa bis auf die Höhe der heutigen Ost-West-Straße "Planken" reichte, also in etwa das untere Drittel des heutige Mannheim ausmachte (davon ist nach mehrmaligen Zerstörungen von Festung und angeschlossener historischer "Bürgerstadt" Mannheim aber nichts mehr übrig).


    Wie ich dem Link entnommen habe, stammt die heutige Systematik der Adreßbezeichnungen tatsächlich erst vom beginnenden 18. Jahrhundert, ursprünglich gab es Gassen- bzw. Straßennamen. Heute haben nur die wichtigsten Straßen und Plätze des Zentrums noch einen "richtigen" Namen, der Rest wird durch eine Kombination aus Buchstaben bezeichnet, z. B. D 4 für die Blockrandbebauung, was dann noch durch Hausnummer ergänzt wird.


    Zu den obigen Nummern auf dem Stadtplan, die die Orientierung vereinfachen sollen:

    1. hier geht es los, am Hauptbahnhof, und dann nach Norden die Ringstraße entlang
    2. kleiner Abstecher in ein teilweise erhaltenes Viertel, mit Kunsthalle und gründerzeitlichen Bauten
    3. Friedrichsplatz mit dem allseits bekannten Wasserturm
    4. sollte schon mal erraten werden, ein teilweise erhaltenes Nobelviertel mit einigen Villen
    5. über die Planken, eine der wichtigsten Einkaufsstraßen, weiter zum ...
    6. Paradeplatz mit dem semi-gelungenen Stadthaus
    7. Marktplatz mit Kurpfalzstraße
    8. natürlich darf das Schloß nicht fehlen
    9. als Nachtrag noch Rathaus und Reiss-Engelhorn-Museum

    sou perfeito porque / igualzinho a você / eu não presto

  • Gestern war ich bei schönem Wetter nochmals nach Mannheim und werde daher überwiegend die neuen Fotos präsentieren, außer dann, wenn dies nicht sinnvoll ist - es war Wochenmarkt auf dem Marktplatz, das Reiss-Engelhorn-Museum war eingerüstet, manches aufgrund der Vegetation verdeckt ...


    Bei der Gelegenheit habe ich den Rundgang gleich noch etwas erweitert, und zwar um die überwiegend erhaltenen Viertel im Nordwesten, die aber auch keine Schönheiten sind ... darunter auch das Ausgehviertel Jungbusch.


    Die Texte zu den einzelnen Punkten reiche ich dann später nach, hier eine weitere Übersichtskarte speziell zum Nordwesten.


    sou perfeito porque / igualzinho a você / eu não presto

  • Wir beginnen den Rundgang am Bahnhof (Punkt 1 oben), der zwar erhalten blieb, aber ab Mitte der 90er Jahre mit doch eher unpassenden Hochhäusern umbaut wurde:




    Ich kann mich noch erinnern, daß die mehr oder weniger identischen grauen Hochhäuser auf beiden Seiten des Haupteingangs damals den Anfang machten:



    Unmittelbar nördlich des Bahnhofs beginnt auch schon die Innenstadt mit dem umlaufenden Ring bzw. der Bismarckstraße im Süden.


    Hier der Blick auf die Bismarckstraße, die zum Schloß führt:



    Und hier der Kaiserring mit seiner charakteristischen Nachkriegsbebauung ohne jeglichen Anspruch:




    Hier wird auch ersichtlich, warum Ende der 50er Jahre schon wieder fast alle Quadrate bebaut wurden - auf Qualität wurde nicht gerade geachtet.


    Im Gegenteil - es wurden auch nach dem Krieg jahrzehntelang noch alte Gebäude abgerissen, allein das Buch "Mannheim: Verlorene Schätze" von Volker Keller führt über 100 Beispiele von kaum beschädigten Palais, Villen und ganzen Straßenzügen auf, die für Neubauten oder Straßenverbreiterungen weichen mußten.


    Entsprechend wird frei nach einem Mannheimer Sangesbarden klar, daß der kommende Rundgang kein leichter sein wird ...


    Daher verlassen wird den Kaiserring schon wieder und bieten nach rechts in die Schwetzinger Straße ein, um die wenigen Altbauten unter Punkt 2 zu besichtigen.


    Vorher gibt es noch das Eckhaus zu sehen:



    Und die Haltestelle Tattersall mit einem schon um 11 Uhr alkoholisierten und auch ansonsten dubiosen Publikum, das ich in dieser Form in Stuttgart noch nirgendwo angetroffen habe (außer in der Passage am Hauptbahnhof):



    Immerhin - mit Heilig-Geist-Kirche, Karl-Friedrich-Gymnasium und den beiden Kunsthallen gibt es jetzt auch etwas zu sehen, hier die Kirche:



    Und hier das Gymnasium mit Blick auf die ältere der beiden Kunsthallen:


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  • Nun nähern wir uns dem älteren Bau der beiden Kunsthallen - es handelt sich um den Billingbau der Kunsthalle Mannheim von 1907 in schönem Jugendstil - der Architekt Hermann Billing ist ja sonst nicht zuletzt für die Baischstraße in seiner Heimatstadt Karlsruhe bekannt und konnte es sich dank eines beträchtlichen Vermögens leisten, nur ausgewählte Entwürfe zu veröffentlichen.


    Der Billingbau steht versetzt zum Friedrichsplatz mit dem bekannten Wasserturm, da dort das Reissmuseum errichtet werden sollte (das steht jedoch beim Zeughaus in der Nähe des heutigen Rathauses).



    Ein sehr wuchtiges Gebäude:



    In Richtung Friedrichsplatz schließt sich ein deutlich größeres Gebäude an, seit 2018 ein Neubau "in einer filigranen Metallhülle" - tatsächlich sieht das Gebäude natürlich eher nach einer Fabrikhalle aus und wirkt nur auf den Visualisierungen mit entsprechender Beleuchtung ansprechend:




    Auch vom Friedrichsplatz aus wirkt der Erweiterungsbau ziemlich dunkel:



    Hier stand bis 2014 ein deutlich kleinerer und passenderer Bau, der sogenannte Mitzlaff-Bau, der damals erst ungefähr 30 Jahre alt war - siehe auch 93-Jährige kämpft für den „Mitzlaff-Bau“. Der Bau galt als zu klein und zu "provinziell", außerdem stand er auf einem früheren Schutzbunker, dessen Feuchtigkeit offensichtlich den Bau stark beschädigt hatte.


    Hier Fotos von 2013 des Baus, der sich doch recht harmonisch einfügte:



    Zusammen mit dem Billingbau ein gelungenes Ensemble:



    Der Billingbau wurde damals ebenfalls saniert:



    Direkt vor der neuen Kunsthalle ist dann schon das Aushängeschild von Mannheim zu sehen, der Friedrichplatz mit dem bekannten Wasserturm:



    Der Wasserturm war der erste in Mannheim und wurde 1889 in Betrieb genommen, aber nach Fertigstellung des Wasserturms Luzenberg ab 1909 bis ins Jahr 2000 nur noch als Ersatz-Wasserturm im Einsatz, unterbrochen durch die Nachkriegsphase - erst Anfang der 60er Jahre wurde beschlossen, den Turm tatsächlich zu erhalten und ihn wieder zu sanieren.


    Ganz rechts im obigen Bild sehen wir die Einmündung der Augustaanlage, einer vierspurigen Prachtstraße mit Grünanlage in der Mitte, die knapp 2 km nach Osten zum Planetarium führt und in den 30er Jahren dann zur Autobahnzufahrt weitergeführt wurde.


    Damit ist die Anlage ungefähr genauso lang wie die Planken, die die Innenstadt durchzieht und deren direkte Verlängerung darstellt (unterbrochen durch den Friedrichplatz, der auf beiden Seiten umfahren wird).


    Leider zeigt dieses Foto, daß auch hier die Bebauung neueren Datums und eher unattraktiv ist, bis auf wenige erhaltene Abschnitte:



    Nun indes noch Eindrücke von Platz und Wasserturm:




    Und hier schon mit dem Rosengarten im Hintergrund:


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  • Der Rosengarten aus der Nähe:


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    Und die passende Bebauung gleich daneben (links ist im Hintergrund ein kleiner Teil des Erweiterungsbaus des Rosengartens zu sehen):


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    Beim Rosengarten handelte es sich ursprünglich um eine Festhalle, heute wird das stark zerstörte Gebäude mit dem neuen Anbau als Kongreßzentrum genutzt.


    Blick in Richtung Innenstadt:


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    Auch hier erkennen wir, daß die historische Bebauung schlagartig aufhört:


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    Von hier aus nun die Elisabethstraße zur Christuskirche weiter, teilweise sind hier noch Vorkriegsbauten erhalten, die Füllbauten sind ziemlich schlicht und unpassend:


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    Die Christuskirche von 1911 wurde wie die Umgebung kaum zerstört (Punkt 4) und stellt gewissermaßen das protestantische Gegenstück zur oben gezeigten katholischen Heilig-Geist-Kirche da, die ja tatsächlich auch noch zur Oststadt gehört - die Grenze zur Schwetzingerstadt verläuft nicht etwa über die Augustaanlage, sondern entlang der Seckenheimer Straße gleich südlich davon (auch schon oben teilweise gezeigt).


    Die Seckenheimer Straße kann man sich wie die gesamte Schwetzingerstadt komplett sparen, hier zwei Eindrücke vom letzten Herbst:


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    Deutlich schöner indes Christuskirche und Umgebung:


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    Das Areal markiert den Beginn des schönsten Mannheimer Stadtteils, der Oststadt Nord, die entlang des Luisenparks mit viel Grün und alten Villen gefällt. Dort befindet sich auch das leider ziemlich verunstaltete Palais Lanz, ab 1923 im Besitz der Post, die unter anderem ein Telegrafenamt ein- und 1956 einen grauenhaften Erweiterungsbau anbaute, bevor das ganze dann nicht mehr genutzt wurde und leer stand - inzwischen im Besitz privater Investoren, deren Website palais-lanz.de leider nicht funktioniert ...


    Das Areal sollte übrigens schon mal unter Wer kennt's? (Das Bilderquiz in der Mädlerpassage) erraten werden.


    Eindrücke der Umgebung, die Villen sind immer wieder mit unpassenden Neubauten durchsetzt:


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    Über die parkartige Werderstraße wieder zurück zur Kirche:


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    Die Anbauten mit Gemeindesaal, Pfarrhaus usw. wurden 1943 stark beschädigt, aber wieder aufgebaut:


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    Blick in Richtung Innenstadt mit der Tulla-Schule:


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    Auch in der Tullastraße setzen in Richtung Innenstadt bald die Nachkriegsbauten ein:


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    Daher die Stresemannstraße weiter zum Charlottenplatz:


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    Das scheint überwiegend ein Neubau zu sein:


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  • Wir haben jetzt den Charlottenplatz erreicht, der den Übergang der erhaltenen zur Nachkriegsbebauung markiert:



    Hier schon seltsam überbaut:



    Ziemlich durchwachsen auch die abzweigenden Straßen:



    Die leider vorherrschende völlig geschmacklose Behelfsbebauung:



    Wenige Gehminuten nördlich davon kommt indes schon das Nationaltheater Mannheim von 1957:



    Das ursprüngliche Theater war ja am Schillerplatz, dort steht jetzt völlig anspruchslose Bebauung (Fotos folgen).


    Ansicht von hinten:



    Die umgebende Bebauung bleibt anspruchslos, Blick auf das Collini-Center von 1975 im Hintergrund, das direkt am Neckar steht - es ist weitgehend baufällig und soll ähnlich wie das Ludwigshafener Gegenstück teilweise abgerissen werden.


    Somit mußte das Technische Rathaus umziehen, es befindet sich jetzt in einem zweiten Hochhausviertel südlich des Hauptbahnhofs.



    Erinnert fast an die Anlieferung einer Fabrikhalle:



    Im Vordergrund eine coronakonforme Freilicht-Veranstaltung, die Plastikstühle schön weit auseinander, dazu irgendein Metallzaun:



    Irgendwie erinnert das Gebäude an eine Chip-Fabrik des VEB Robotron ...



    Damit sind wir wieder am Friedrichsring zurück, im Norden der Innenstadt ist etwas mehr erhalten, vor allem im Westen, wirklich etwas daraus gemacht wird aber nicht:



    Jetzt geht es wieder zurück in den Süden, vorbei am Dorint-Hotel:



    Nochmals der Blick nach Norden auf den Ring zum Collini-Center:



    Und von hier aus nun in die eigentlichen Innenstadt, rechts die Fressgasse, links die Heidelberger Straße, die dann gleich in die Planken übergeht:



    Die Planken, die Hauptstraße Mannheims schlechthin:



    Selbe Position, Blick zurück auf Friedrichsplatz und Rosengarten:



    Wir haben jetzt Punkt 5 in obiger Übersicht erreicht, viel zu sehen gibt es nicht:



    Könnte auch Karlsruhe sein oder Stuttgart ...


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  • Köln, Mannheim, Stuttgart, Hannover. Beispiele für die immer deutlicher zu Tage tretenden Defizite deutschen Nachkriegsstädtebaus, die sich nicht mehr durch wirtschaftliche Prosperität überdecken lassen.

  • Mannheim habe ich vor über 30 Jahren erstmals besucht und empfand es auch damals nicht als prosperierende Stadt, eher deutlich heruntergekommener und ärmlicher als heute.


    Was indes noch stärker zugenommen hat, ist der "Migrationshintergrund", wobei neben der Neckarstadt genauso wie in Ludwigshafen die Werte in der Innenstadt am höchsten sind (ja, in den Quadraten).


    70 % in der Neckarstadt-West und 60 % in der Innenstadt plus Jungbusch, vgl. das Jahr 2009: 65 % und 55 %.


    Direkt am Marktplatz beginnt Little Istanbul - am Marktplatz selbst gibt es zu 100 % türkische Cafés, Restaurants und Läden.

  • Da es auf dem Planken vorläufig nichts zu sehen gibt, wechseln wir zum benachbarten Kapuzinerplanken, einer Art von langem Platz.



    Dort steht das Leonardo-Hotel als einziges, etwas ansprechender gestaltetes Gebäude:



    Und ein Foto vom letzten Oktober, auf dem mehr zu erkennen ist:



    Daran schließen sich im Süden die Lauerschen Gärten an:



    Blick zurück auf das Hotel:



    Nun weiter in Richtung Stadthaus, die Bebauung ist völlig belanglos:




    Am Kapuzinerplatz gäbe es mit dem Kurfürstenhaus sogar noch einen Anknüpfungspunkt für historische Bebauung:



    Aber hier - wie eigentlich überall - wird dennoch nur völlig belanglos bis unpassend weitergebaut:



    Gleich daneben - echte Stadtplanung sieht doch eher anders aus:



    Gleich haben wir den Paradeplatz erreicht, das Telekomgebäude von der Rückseite:



    Indes erst nach links zur Kinder- und Jugendbibliothek, untergebracht hinter einer ziemlich mäßigen Fassadenrekonstruktion des Dalberg-Hauses:



    Abgesehen vom Gebäude im Vordergrund ist die gesamte Straße im üblichen Nachkriegs-Einerlei bebaut. Auch die Begrünung ist eher schäbig:



    Eigentlich könnte man die beiden Fassaden ja als Ausgangspunkt für einen schönen Platz nehmen, tatsächlich ist der Platz am Stadthaus mit dem Parkhaus sogar für Mannheimer Verhältnisse außerordentlich mißlungen:




    Das Gebäude im Hintergrund ist schon das etwas marode Stadthaus, das als Ersatz des Alten Kaufhauses errichtet wurde, obwohl bei einer Bürgerbefragung 85 % für eine Rekonstruktion stimmten, das Quorum wurde aber ganz knapp verfehlt.


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  • Den verbliebenen älteren Häusern nach muß die Stadt mal in einem recht behäbig-breiten Stil mit viel Natursteinfassaden bebaut gewesen sein. Die BRD-Nachkriegsmoderne (es sind ja offenbar noch echte 50er-Jahre-Bauten vorhanden, wie das Telekomhaus) kann da nur ärmlich wirken dazwischen.

    Es mag ja nur eine Empfindung sein, aber mir kommt alles irgendwie abgemildert provinziell vor, Ulm und Tübingen haben mE krasser städtische Gebäude - hier kommt mir alles vor wie ein großgewordenes Dorf.

  • Alte Ansichten gibt es bei privaten Websites, z. B.: Bilder von 1933 oder alte Postkarten


    Beim zweiten Link sieht man auch die Originalgebäude am Auftakt zur Augustaanlage oder auch die schöne Anlage am Hauptbahnhof. Abgesehen von der Beibehaltung der Stadtstruktur hat man in Mannheim eigentlich alles falsch gemacht, lieblos einige wenige herausragende Bauten wiederaufgebaut und den Rest im Eiltempo völlig geschmacklos und billig hochgezogen.

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  • Die Häuser machen auf den alten Ansichten alle einen recht gehobenen Eindruck, da viel Naturstein verarbeitet ist und immer Dekoration in Naturstein ausgeführt. Nach 45 wurde halt scheints nach den jeweiligen Moden gebaut, und nicht mehr so ein Aufwand betrieben. Dadurch wirkt es alles billig und zufällig, zumal noch einige alte Gebäude stehen, die daran erinnern, daß das alles mal "wie aus einem Guß" war.

  • Auch wenn unser Würzburg-Chefkritiker UC nicht mehr präsent ist - man lernt Würzburg vor allem dann zu schätzen, wenn man mal in Mannheim oder schlimmer noch - Hannover, Magdeburg und als absoluten Tiefpunkt Dessau - war, alles frühere Residenzstädte und um Klassen schlechter aufgebaut als Würzburg.


    Zudem wurde in Mannheim auch massiv abgerissen, noch Jahrzehnte nach dem Krieg.


    Leider finde ich gerade nur ein extrem gering aufgelöstes Nachkriegs-Luftbild, aber man sieht, daß die meisten Baulücken schon geschlossen sind, und das schon 1959

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  • In Hannover kenne ich den Bahnhofsvorplatz und das Ihme-Zentrum aus den 1980ern, und es war damals schon gespenstisch. Magdeburg erschien vom Bahnhof aus (2018) als eine einzige Brache. In Dessau war ich auch mal kurz in den späten 90ern, aber das schienen nur verstreute Häuser zu sein, keine Stadt.

    Verglichen damit wirkt Mannheim auch mit den kläglichen Schächtelchen doch immer noch weitaus gemütlicher und "bewohnter".

  • Von hier aus geht es nun um das Stadthaus herum:


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    Und weiter zur wichtigsten Nord-Süd-Verbindung, der Kurpfalzstraße, die Schloß, Paradeplatz und Marktplatz miteinander verbindet:


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    Leider schlägt sich diese Bedeutung nicht in architektonischer Hinsicht nieder ... etwas weiter nördlich kommt dann schon der Paradeplatz, hier mal ausnahmsweise eine historische Ansicht:


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    Zum Vergleich der Blick auf das aktuelle Stadthaus:


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    Immerhin hat man sich etwas an die Form des Vorgängerbaus angelehnt und auch die Mannheimer Symmetrie berücksichtigt, bei der ein zentraler Turm zwischen zwei weitgehend identischen Bauten angeordnet ist.


    Das oben schon gezeigte Telekom-Gebäude in Platzrichtung:


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    Gleich daneben eines der wenigen gelungeneren aktuellen Gebäude:


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    Und der Blick auf die Rekonstruktion der Grupello-Pyramide, deren Fertigstellung sich sehr lang hinzog, bevor sie dann im 2. Weltkrieg überwiegend eingeschmolzen wurde ... ursprünglich wurden die Skulpturen zu Zeiten von Jan Wellem in Düsseldorf aufgestellt:


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    Worin besteht der Bezug zwischen Düsseldorf und Mannheim? Die Verbindung geht auf die Gründung der Pfalzgrafschaft Pfalz-Neuburg zurück, die im Laufe einer sehr komplexen und wechselvollen Geschichte durch geschickte Politik die Kontrolle über Jülich-Berg und die Kurpfalz gewinnen konnte, entsprechend gab es vier Residenzstädte:


    Düsseldorf (Berg), Mannheim, Heidelberg (jeweils Kurpfalz) und Neuburg an der Donau (Pfalz-Neuburg).


    Im Jahr 1777 wurde ja Karl Theodor durch Aussterben der anderen Linien der Wittelsbacher der "Herr der sieben Länder", vereinigte laut Hausvertrag von Pavia die Wittelsbacher Besitzungen, verlegte die Residenz von Mannheim nach München (das Nationaltheater verblieb aber in Mannheim) und der Doppelstaat Pfalz-Baiern entstand. Karl Theodor entstammte ja der Nebenlinie Sulzbach von Pfalz-Neuburg ... und so gehörte wiederum in einer ziemlich undurchsichtigen Geschichte Jülich-Berg inkl. Düsseldorf auch übergangweise zu Bayern, was heute kaum noch bekannt sein dürfte.


    Hier noch eine Reihe aktueller Fotos vom Paradeplatz, nochmals die Pyramide:


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    Bebauung entlang der Kurpfalzstraße:


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    An vielen Stellen gibt es Informationstafeln, hier zu den früheren Warenhäusern:


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    Blick nach Norden zum Marktplatz:


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    Der kurze Abschnitt zum Marktplatz hat kaum etwas zu bieten:


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    Selbst im unmittelbaren Umfeld von St. Sebastian und Altem Rathaus gibt es nur die übliche Nachkriegsarchitektur:


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  • Nun betreten wir den Marktplatz, der zwar nicht besonders gelungen ist, mangels Konkurrenz in Mannheim aber wohl der schönste Platz ist ...


    Hier sehen wir zuerst die Kombination aus Altem Rathaus und St. Sebastian - ein Gebäude im Stil der Mannheimer Harmonie, zwei sehr ähnliche Bauten mit einem Turm dazwischen:


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    Der Marktplatz erfüllte gerade seinen Zweck ...


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    Daher zuerst ein Blick auf die Randbebauung, es gibt zu 100 % türkische Restaurants, Cafés und Brautmoden-Geschäfte:


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    Gesamtansicht:


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    Aufgrund des Markts nun Fotos vom Oktober 2020, auf denen mehr zu erkennen ist:


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    Und zum Vergleich der ursprüngliche Zustand:



    Leider läßt die Bebauung an der angrenzenden Kurpfalzstraße sehr zu wünschen übrig:


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    Dahinter befindet sich die Konkordienkirche, die ihre heutige symmetrische Form erst sehr spät erhalten hat - der Turm wurde erst 1893 fertiggestellt, der Schulanbau sogar erst 1917.


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    Leider aufgrund der Enge der Bebauung kaum zu fotografieren:


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    Ein aktuelleres Foto, links die Mozartschule, rechts die Kirche:


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    Leider motiviert die Anwesenheit dieser beiden bedeutenden Gebäude der Mannheimer Symmetrie die "Stadtgestalter" nicht dazu, mehr als das übliche belanglosen Nachkriegs-Einerlei zu bauen, nicht einmal hier schafft man es, zu rekonstruieren oder einfühlsam zu gestalten:


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    Auch der weitere Verlauf der Kurpfalzstraße zurück in Richtung Schloß hat nichts zu bieten:


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    Ein erster Blick auf die Jesuitenkirche direkt am Schloß, auch hier inspirierte der Anblick niemanden, der Klotz mit der seltsamen Holzverkleidung ist das Landgericht Mannheim:


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  • Solche erbärmlichen Stadtbilder, und das im wohlhabenden Ländle. Eigentlich eine Schande, aber seit ich denken kann wird in BW das Geld lieber anderweitig investiert statt in Denkmalschutz und Baukultur.

  • Somit haben wir die Bismarckstraße erreicht, dort war gerade eine Veganer-Demo:


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    Nun einige Eindrücke vom Schloß Mannheim, nach Versailles das zweitgrößte Barockschloß in Europa - ich verweise für Infos auf die Wikipedia. Als Residenz wurde es bis 1778 genutzt, danach mußte ja Karl Theodor wohl oder übel nach München umziehen, und die Ausgaben für den Erhalt der Schlösser in Mannheim und Schwetzingen wurden stark verringert.


    Entsprechend wurde auch die 1795 durch Truppen aus Österreich und Preußen zerstörte Hofoper nicht mehr aufgebaut.


    Demo-freie Gesamtansicht vom letzten Jahr:


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    Früher war die Bismarckstraße deutlich schmaler, vor dem Schloß befanden sich Grünanlagen und auch der Schloßhof war begrünt. Heute ist es eine einzige leere autogerechte Fläche ...


    Die heutige Gestaltung des Schloßumfelds ist sehr unschön, die riesige Straße davor, unzählige Straßen und Bahnlinien gleich dahinter, mit denen der Schloßgarten weitgehend abgetrennt wird ... entsprechend läßt sich das Schloß auch nicht mehr von der Rückseite fotografieren - dort war früher zwar auch schon eine Straße und eine Bahnlinie, mehr aber auch nicht (lediglich von der Helmut-Schmidt-Brücke in Richtung Lindenhof hat man einen halbwegs guten Blick).


    Unter dem Innenhof wurde 1940 ein riesiger Luftschutzbunker angelegt, der offensichtlich bis auf die andere Straßenseite reicht, dort wurde der frühere Teich neben der Sternwarte beseitigt. Wirklich schön finde ich diese kahle Gestaltung nicht:


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    Die Bismarckstraße in Richtung Bahnhof ist ziemlich bescheiden:


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    In der Gegenrichtung ist es besser, wir sehen die Jesuitenkirche und davor eine "Rekonstruktion" des Palais Bretzenheim (in Anführungszeichen, weil man sich kaum Mühe mit der Fassade gab):


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    Auch ist die Schloßkirche zu sehen, die ziemlich nahtlos in das Schloß integriert ist, hier aus der Nähe:


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    Nun weiter in den Schloßpark und hierzu erst einmal die Bismarckstraße weiter entlang, nochmals das Palais Bretzenheim:


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    Daneben die postmoderne Universitätsbibliothek:


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    Unmittelbar vor der Kirche stehen die beiden Trakte des ziemlich mißratenen Ursulinen-Gymnasiums, dazu später mehr:


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    Nach der Durchquerung der Durchgänge sind wir jetzt hinter dem Schloß, dort gibt es eine große Wiese und die Mensa am Schloß:


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    Natürlich nur der übliche Nachkriegsstil:


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    Unten gibt es eine Tiefgarage:


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    ... und kaum etwas sehenswertes. Daher gleich wieder in Richtung Innenstadt, diesmal unter der Bismarckstraße weiter:


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  • Oben angekommen sehen wir zuerst das Ursulinengymnasium, das der bedeutenden Jesuitenkirche angebaut wurde und leider nur magere Nachkriegsarchitektur bietet.


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    Innenhof der Schule:


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    Links daneben befindet sich die frühere Mannheimer Sternwarte:


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    Der Teich wurde wie gesagt für den Bau des Luftschutzbunkers entfernt, hier steht jetzt völlig reizlose Nachkriegsarchitektur (Universität).


    Daher um das Ursulinengymnasium herum zum Asamplatz:


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    Und weiter zum Schillerplatz, wo sich die Jesuitenkirche in der südwestlichen Ecke befindet:


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    Der Schillerplatz war einmal einer der bedeutendsten Mannheimer Plätze:


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    Hier befand sich nämlich seit 1777 das Mannheimer Nationaltheater am östlichen Rand des Platzes - heute ist abgesehen von der Kirche und der Eckbebauung in Richtung Marktstraße leider nichts mehr erhalten, der Platz selbst wurde in eine Grünanlage umgestaltet.


    Ansichten der Jesuitenkirche vom letzten Jahr:


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    Und ein aktuelles Foto:


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    Bedauerlicherweise gab die rekonstruierte Kirche nicht den Anstoß zu einer Platzrekonstruktion, die Bebauung ist völlig belanglos bis primitiv.


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    Westliche Platzkante:


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    Gegenüber die erhaltene Ecke (vermutlich lag die ursprünglich hinter dem Theater, da der Platz heute wohl deutlich breiter sein dürfte):


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    Das Schillerdenkmal:


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    Und immerhin ein Hinweisschild auf das frühere Nationaltheater:


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    Insgesamt wirkt der Platz mit der Begrünung natürlich freundlich, nur die Bebauung ist angesichts der früheren Bedeutung eine komplette Enttäuschung.

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