München - Ludwigstraße (Galerie)

  • 1906-09 wurde die Universität mit einem großen rückwärtigen Erweiterungsbau in Richtung Amalienstraße vergrößert (Architekt German Bestelmeyer), infolgedessen auch eine neue, beeindruckende Kuppelhalle mit Oberlicht und einer neuen Treppe im Hauptbau eingebaut wurde.


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    (Wikimedia Commons, Urheber: MaMärz, Creative-Commons-Lizenz CC BY-SA 3.0)


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    Die auf den beiden letzten Fotos zu sehende Orgel ist nicht original, sie wurde anstelle eines großen, im 2. Weltkrieg zerstörten Mosaikbildes von Julius Diez eingefügt. Auf folgender Aufnahme von 1910 kann man es noch erkennen:


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    (Stadtarchiv München, Creative-Commons-Lizenz CC BY-ND 4.0)



    Weitere Räume der Universität:


    Die Große Aula, ebenfalls 1906-09 umgestaltet:


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    (Wikimedia Commons, Urheber: Mark Kamin, Creative-Commons-Lizenz CC BY-SA 2.5)


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    (Wikimedia Commons, Urheber: Kt80, Creative-Commons-Lizenz CC BY-SA 3.0)


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    (Wikimedia Commons, Urheber: U.S. Consulate General Munich Germany, Public Domain)


    Auditorium maximum:


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    (Wikimedia Commons, Urheber: Church of emacs, Creative-Commons-Lizenz CC BY-SA 4.0)


    Gang im 1. Stock:


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    Im 2. Weltkrieg erlitt die Universität durch Spreng- und Brandbomben sehr schwere Schäden, ca. 70 % des Gebäudes wurden zerstört, vor allem der Mittelbereich des Gärtnerschen Altbaus, bei dem auch Teile der Fassaden einstürzten. Die große Aula hingegen blieb größtenteils unbeschädigt, weswegen sie nach dem Krieg einer der wenigen benutzbaren großen Säle war, in dem auch Konzerte stattfinden konnten.

    "An Sehenswürdigkeiten, die bloß das Auge erfreuen, ist ja diese Stadt so überreich. Ihre Straßen sind mit Kultur gepflastert, während die Straßen anderer Städte bereits mit Asphalt gepflastert sind. Die Vergangenheit reicht in die Gegenwart hinein (...)

    In der Vergangenheit sind wir den andern Völkern weit voraus."

    Karl Kraus

    Einmal editiert, zuletzt von Leonhard ()

  • Leider nicht... in der Denkmaltopographie steht nur: "An die gewölbten, ursprünglich (vergleichbar dem Treppenhaus in Gärtners Staatsbibliothek) durch Dekorationsmalerei bereicherten und interpretierten Vestibüle schloss sich westlich die (nicht in originaler Form erhaltene) steinerne Haupttreppe an, mit Mittellauf und vom Umkehrpodest an zwei seitlichen Läufen, Glasmalereien am Podest (u.a. Wappen von Ingolstadt, Landshut und München) sowie Bauinschrift."


    Der Hinweis "nicht in originaler Form erhaltene steinerne Haupttreppe" lässt allerdings darauf schließen, dass Bestelmeyer die bestehende Treppe nur umgebaut und nicht völlig neu gebaut hat.


    Hier sind außerdem die von Gärtner gezeichneten Grundrisse:

    Erdgeschoß: http://mediatum.ub.tum.de/image/954685.jpg

    1. Stock: http://mediatum.ub.tum.de/image/954684

    2. Stock: http://mediatum.ub.tum.de/image/954683

    "An Sehenswürdigkeiten, die bloß das Auge erfreuen, ist ja diese Stadt so überreich. Ihre Straßen sind mit Kultur gepflastert, während die Straßen anderer Städte bereits mit Asphalt gepflastert sind. Die Vergangenheit reicht in die Gegenwart hinein (...)

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    Karl Kraus

  • Weitere Fotos des westlichen Teils des Universitätsforums, die beiden Brunnen wurden 1840-44 nach Entwürfen von Gärtner angefertigt:


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    Blick nach Norden mit dem Siegestor:


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  • Nun zur östlichen Hälfte des Universitätsforums. Zuerst noch einmal ein Blick nach Norden, rechts neben dem Siegestor das ehem. Haus des Rechts, am rechten Bildrand der nordöstliche Eckpavillon des Forums:


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    Professor-Huber-Platz 2 (links) & 1 (rechts), dazwischen die einmündende Veterinärstraße:


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    Professor-Huber-Platz 2, das nördliche Gebäude, war früher das Max-Joseph-Stift, ein Erziehungsinstitut mit Internat für Töchter aus adeligen und anderweitig verdienstvollen Familien. Im Laufe der Zeit nahm das Max-Joseph-Stift auch Töchter aus weniger illustren Familien auf und wurde zum normalen Gymnasium, das 1945 nach Bogenhausen übersiedelte und dort auch heute noch existiert.

    Das 1837-40 nach Plänen von Gärtner erbaute Max-Joseph-Stift wurde im 2. Weltkrieg stark zerstört: der Eckpavillon zur Ludwigstraße blieb mit seinen Außenmauern stehen, sein Erdgeschoß dient seit 1972 als großzügiger Zugang zur U-Bahnstation der Universität; der anschließende, niedrigere Eckbau wurde hingegen so stark zerstört, dass er abgerissen und 1961 in vereinfachter Form rekonstruiert wurde; dabei wurden die ursprünglichen Stichbogenfenster im Erdgeschoß sowie die Doppelarkadenfenster mit Stichbogenblenden in den Stockwerken darüber einheitlich in Rundbogenfenster umgewandelt. Heute dient es zusammen mit dem nördlich gelegenen Haus des Rechts (Ludwigstraße 28) sowie einigen rückwärtigen Neubauten der Juristischen Fakultät der Universität.


    Hier eine Ansicht von 1850:


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    Das südlich der Veterinärstraße gelegene Gebäude Professor-Huber-Platz 1 ist das Georgianum, ein Priesterseminar. Es geht zurück auf das von Herzog Georg dem Reichen 1494 gegründete Neue Collegium in Ingolstadt, das 1800 zusammen mit der Universität zuerst nach Landshut und schließlich nach München verlegt wurde.

    Das Gebäude wurde 1835-40 von Gärtner errichtet und besteht ebenso wie das Max-Joseph-Stift aus einem niedrigeren Eckbau und einem höheren Eckpavillon zur Ludwigstraße. Im Unterschied dazu besitzt es zwei romanisierende Sandsteinportale mit Freitreppen. Die im Vergleich zu den anderen Gärtnerbauten der Ludwigstraße nochmal kleineren Fenster und die daraus resultierenden großen Wandflächen geben dem Gebäude einen klösterlich-verschlossenen Charakter.

    Im 2. Weltkrieg erlitt das Gebäude schwere Bombenschäden, die Mauern blieben allerdings größtenteils stehen. Seit seiner Wiederherstellung dient es bis heute als Priesterseminar. Seit 1986 kann man die bedeutenden sakralen Kunstsammlungen des Georgianums - hauptsächlich altbayerische und schwäbische Kunst von Romanik bis Rokoko - im hauseigenen Museum besichtigen.


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    Blick zum ehem. Max-Joseph-Stift:


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    Eines der beiden Portale:


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    Der Eckpavillon zur Ludwigstraße, anschließend das Pfarrhaus und die Ludwigskirche:


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  • Blick vom Universitätsforum nach Süden in die Ludwigstraße:


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    Blick nach Norden zum letzten Abschnitt der Ludwigstraße und zum Siegestor:


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    Blick zurück von Norden auf die beiden nördlichen Eckpavillons und das Universitätsforum:


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    Karl Kraus

  • Kommen wir nun zum letzten, nördlichsten Abschnitt der Ludwigstraße.

    Dieser Abschnitt zwischen Universitätsforum und Siegestor war ursprünglich nicht bebaut, sondern von Gartenmauern gesäumt und als Übergang zur nördlich anschließenden Allee der Leopoldstraße mit Pappeln bepflanzt. Am Ende des 19. Jhs wurde zuerst die West- und in den 1930er Jahren schließlich auch die Ostseite bebaut.

    Wir betrachten zunächst die Westseite, auf der zwischen Adalbert- und Akademiestraße in den Jahren 1877-90 ein gründerzeitlicher Häuserblock aus drei Häusern entstand (heute Nr. 29 - 33). Diese Häuser sind im italienisch beeinflussten Neorenaissancestil gehalten und erinnern ein wenig an den Klenzeschen Klassizismus am Odeonsplatz, auch wenn sie mehr Geschosse aufweisen und etwas reicher dekoriert sind. Alle drei Häuser besitzen einen flachen dreiachsigen Mittelrisalit, der bei den beiden Eckhäusern außerdem durch einen Balkon im 1. Stock mit Balusterbrüstung akzentuiert wird.


    Blick von Nordosten, links der nordwestliche Eckpavillon des Universitätsforums:


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    Bis vor ein paar Jahren wurde die Fläche vor den Häusern noch für Parkplätze verwendet, wie man auf folgendem Bild sehen kann:


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    Inzwischen wurden die Parklätze entfernt und die Fläche in ein großzügiges Trottoir mit jungen Bäumen und Rundbänken umgewandelt, eine sehr gelungene Maßnahme, wie ich finde (nur die Bäume sollten auf Dauer vielleicht nicht zu ausladend werden, damit man die Fassaden dahinter weiterhin sehen kann):


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    Die gleiche Maßnahme wurde auch auf der gegenüberliegenden Straßenseite durchgeführt, so dass dieser letzte Abschnitt nun insgesamt eine wesentlich höhere Aufenthaltsqualität besitzt.


    Betrachten wir nun die einzelnen Häuser.

    Haus Nr. 29:


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    Haus Nr. 31:


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    Das Haus Nr. 31 besaß ursprünglich noch eine Dachbalustrade mit Attika sowie zwei Balkone an der 2. und 8. Fensterachse im 1. Stock. Laut Denkmaltopographie wurde die Dachbalustrade im 2. Weltkrieg zerstört, allerdings gibt es im Münchner Stadtarchiv ein Foto des Hauses von 1930, welches dieses bereits ohne Dachbalustrade und Balkone zeigt, von daher ist wahrscheinlich die Angabe in der Denkmaltopographie falsch und das Haus wurde bereits früher vereinfacht.

    Hier eine Einzelansicht mit Dachbalustrade und Balkonen von 1905: https://stadtarchiv.muenchen.d…D=469883&DEID=10&SQNZNR=1

    Hier eine Ansicht zusammen mit dem Eckhaus zur Adalbertstraße, ebenfalls von 1905:


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    (Stadtarchiv München, CC-Lizenz CC BY-ND 4.0)


    Haus Nr. 33:


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    Portal von Nr. 33:


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    Ansicht mit dem Ostteil der Akademie der bildenden Künste (Akademiestraße 2-4) und dem Siegestor:


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    Im 2. Weltkrieg erlitten alle drei Häuser Schäden im Dachbereich, das Dach des nördlichsten Hauses Nr. 33 ist seit der Wiederherstellung etwas steiler als die anderen.

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  • Auf der unbebauten Ostseite planten die Nazis ein großes Gebäude für die neugegründete "Akademie für Deutsches Recht", das sogenannte "Haus des deutschen Rechts". Dieses Neubauprojekt bezog auch das 1939 geräumte, hier bereits vorgestellte Max-Joseph-Stift mit ein, das aber aus Kriegsgründen dann doch nicht abgerissen wurde. (Aus Planungen von 1940 geht übrigens hervor, dass auch die gegenüberliegende Neorenaissance-Gruppe Nr. 29-33 abgerissen und durch einen monumentalen Neubau ersetzt hätte werden sollen...).

    Der 1936-39 entstandene Bau stammt vom Architekten Oswald Bieber und ist im typischen neoklassizistischen Monumentalstil der Nazizeit gehalten: er fügt sich stilistisch zwar grundsätzlich recht gut in den Gärtnerschen Teil der Ludwigstraße ein, wirkt im Vergleich zu dessen Bauten aber ziemlich grob und abweisend. Interessant ist, dass im Sitzungssaal dieses Gebäudes einige klassizistische Fresken von Robert von Langer aus dem 1937/38 abgebrochenen Herzog-Max-Palais angebracht sind, die vor dem Abriss desselben ihres hohen künstlerischen Wertes wegen mühevoll abgenommen und hierher transferiert worden waren (siehe hier).

    Im 2. Weltkrieg wurde das Gebäude vor allem im Nordteil zerstört und 1950 vom gleichen Architekten in unveränderter Form wiederhergestellt. Inzwischen gehört es zur Juristischen Fakultät der LMU.


    Hier noch einmal die Ansicht von Südwesten zusammen mit dem nordöstlichen Eckpavillon des Universitätsforums:


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    Die offene Eingangsvorhalle:


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    Ansicht mit dem Siegestor und den Häusern Ludwigstraße 31 & 33 auf der gegenüberliegenden Seite; hier sieht man noch die Asphaltwüste der Parkplätze vor der Umwandlung:


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  • Nun sind wir am nördlichen Schlusspunkt der Ludwigstraße angelangt, dem Siegestor.

    Die Idee für einen Triumphbogen war bereits 1826 entstanden, ab 1840 wurde das Projekt schließlich konkret und Friedrich von Gärtner zur Planung übertragen. Das Siegestor sollte sich am römischen Konstantinsbogen orientieren und "dem bayerischen Heere", wie auch die Inschrift auf der Nordseite lautet, und seinen Heldentaten in den Befreiungskriegen 1813-15 gegen Napoleon gewidmet sein. Bayern war zwar unter Kurfürst Max IV. Joseph mit Napoleon alliiert gewesen und von diesem als Dank zum Königreich erhoben worden; Ludwig I., der Sohn Max Josephs, war aber zeit seines Lebens ein Feind der Franzosen und Anhänger des nationalen Befreiungskampfes gewesen (siehe auch die Errichtung der Befreiungshalle in Kelheim).

    1843 begannen die Bauarbeiten; nach der Abdankung Ludwigs I. 1848 stockten die Arbeiten, wurden aber 1850 vom Gärtner-Schüler Eduard Metzger wiederaufgenommen (Gärtner selbst war 1847 verstorben) und 1850 abgeschlossen.

    Das 24m breite, 11,9m tiefe und 20,7m hohe Siegestor ist im Kern eine Ziegelkonstruktion, die mit Kalkstein verkleidet ist.

    Die Gipsmodelle für die Skulpturen wurden vom Bildhauer Johann Martin von Wagner erstellt, der als Kunstagent für Ludwig I. in Rom ansässig war, und danach von verschiedenen Bildhauern in Marmor ausgeführt. Auf dem Triumphbogen thront eine Quadriga aus Bronze (Entwürfe von Wagner, Johann Halbig und Friedrich Brugger, gegossen in der königlichen Erzgießerei unter Ferdinand von Miller), die die Figur der Bavaria auf einem von vier Löwen gezogenen Streitwagen darstellt und 20 Tonnen schwer ist (wie hat man im 19. Jh solch schwere Teile auf einen Triumphbogen heben können?), sie wurde erst 1852, zwei Jahre nach Fertigstellung des Siegestors, aufgestellt.

    Bemerkenswert ist, dass über den rechteckigen Reliefs, die allgemein antikisierende Kampfszenen darstellen, Tondi mit Szenen aus Kunst und Kultur dargestellt sind, die sich somit in der Intention Ludwigs über den Krieg erheben und seine Friedens- und Kunstpolitik repräsentieren sollten.

    Im 2. Weltkrieg erlitt das Siegestor vor allem im oberen Bereich schwere Zerstörungen, die Quadriga wurde schwer beschädigt und heruntergeschleudert. Nach dem Krieg stellte man die Nordseite annähernd original wieder her, wobei neben einigen Details vor allem die zweite Statue von rechts fehlt; die stadtzugewandte Seite hingegen wurde im oberen Bereich nur gliederungslos und glatt geschlossen und auf eine Wiederherstellung der Gesimse, Statuen, Reliefs über dem zentralen Bogen, Tondi sowie der originalen Inschrift ("Erbaut von Ludwig I. König von Bayern MDCCCL") verzichtet. Diese einfache Wiederherstellung war anfänglich nur als Provisorium gedacht, 1958 wurde sie allerdings mit der neu angebrachten Inschrift "Dem Sieg geweiht - vom Krieg zerstört - zum Frieden mahnend" als Mahnmal gegen den Krieg konserviert. Die Quadriga wurde nach den Zerstörungen unter Rekonstruktion des Wagens und des oberen Teils der Bavaria in den Jahren 1969-72 wiederhergestellt.

    Im eigentlichen Sinne eines Triumphbogens - dem Durchschreiten von siegreichen Truppen - wurde das Siegestor nur einmal benützt, nämlich nach dem Krieg 1870/71 gegen Frankreich (was aber gleichzeitig auch das Ende der Eigenstaatlichkeit Bayerns bedeutete und somit dann doch kein voller Triumph war...).


    Ansicht von Norden:


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    Originaler Zustand (Foto von 1895):


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    (Stadtarchiv München, Lizenz CC BY-ND 4.0)


    Stadtzugewandte Seite (Südseite):


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    Originaler Zustand (Foto von ca. 1900):


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    (Stadtarchiv München, Lizenz CC BY-ND 4.0)

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    Karl Kraus

  • Blick nach Nordwesten zur Akademie der bildenden Künste:


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    Blick nach Nordosten zur gründerzeitlichen Bebauung um die Schackstraße und an der beginnenden Leopoldstraße:


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    Ostseite des Siegestors, links die Häusergruppe Ludwigstraße 29 -33, rechts die Ostseite der Akademie der bildenden Künste:


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    Blick vom Siegestor nach Norden zur pappelgesäumten Allee der Leopoldstraße:


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    Blick vom Siegestor zurück nach Süden in die Ludwigstraße:


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    Mit dieser schönen Ansicht beschließen wir unsere fotografische Betrachtung der Ludwigstraße. Bevor wir zu einigen allgemeinen Schlussbemerkungen kommen, betrachten wir aber noch das unmittelbare seitliche und nördliche Umfeld des Siegestors, weil es überwiegend sehr sehenswert ist.

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    Karl Kraus

  • Wir betrachten zunächst die Akademie der Bildenden Künste an der Akademiestraße westlich des Siegestors. Es handelt sich um einen großen Neorenaissance-Bau, der 1876-85 von Gottfried von Neureuther errichtet wurde. Die Kunstakademie liegt in einem kleinen Park, dessen Bäume inzwischen schon recht groß sind, so dass sie Teile der Fassaden verdecken.


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    Der östliche Teil an der Leopoldstraße:


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    Die Kunstakademie wurde im 2. Weltkrieg sehr schwer beschädigt und brannte nahezu vollständig aus; auch von den Außenmauern blieb nicht alles stehen. Nach dem Krieg stellte man sie wieder her, verzichtete dabei allerdings leider auf die Wiederherstellung der originalen Pavillondächer mitsamt Balustraden und Mittelattika und ersetzte sie durch flache Walmdächer, wodurch der Bau in seinen Proportionen und seiner Gesamterscheinung schwer beeinträchtigt wurde.

    Hier ein Bild von 1894 mit der originalen Dachzone:


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    (Stadtarchiv München, Lizenz CC BY-ND 4.0)


    Eine weitere Ansicht: https://stadtarchiv.muenchen.d….aspx?VEID=456445&DEID=10


    Die Dachzone wäre meines Erachtens ein dringender Rekonstruktionskandidat!

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    Karl Kraus

  • Naja, das originale Dach sieht ein bißchen arg nach Bonbonnierendeckeln aus. Das jetzige "griechische" paßt mE besser zum sonstigen klassizistischen Umfeld. Allerdings um den Preis eines uneinheitlichen Stils des Gebäudes, denn zur Historismus-Pracht passen Mansarddächer schon besser.

  • Gegenüber der Kunstakademie befindet sich heute eine größtenteils völlig nichtssagende Nachkriegszeile, nur auf der Ostseite haben sich anschließend an das Eckhaus zur Ludwigstraße (Nr. 33) mit Akademiestraße 3 & 5 zwei gründerzeitliche Häuser erhalten, wenn auch nur mit stark vereinfachten Fassaden:


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    Ansonsten sieht die Häuserzeile heute so aus: https://www.google.de/maps/@48…XzKiwA!2e0!7i13312!8i6656


    Nun aber ein Schmankerl, das nicht viele kennen dürften: einst war die Bebauung auf der Südseite der Akademiestraße eine wahre Pracht, so dass die platzartige Akademiestraße mit der Kunstakademie als Nordseite und der folgenden Häuserzeile als Südseite vor der Zerstörung eines der meines Erachtens großartigsten gründerzeitlichen Ensembles München gewesen sein muss. Hier einige Ansichten vor der Zerstörung:


    Östliche Platzhälfte:


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    (Stadtarchiv München, Lizenz CC BY-ND 4.0)


    Westliche Platzhälfte:


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    (Stadtarchiv München, Lizenz CC BY-ND 4.0)


    Ausschnitt aus der westlichen Häuserzeile:


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    (Stadtarchiv München, Lizenz CC BY-ND 4.0)


    Die vorher bereits gezeigten, heute sehr vereinfachten Häuser Nr. 3 & 5:


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    (Stadtarchiv München, Lizenz CC BY-ND 4.0)


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    (Stadtarchiv München, Lizenz CC BY-ND 4.0)


    Nochmal westliche Platzhälfte:


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    (Stadtarchiv München, Lizenz CC BY-ND 4.0)


    Zusammen mit der Kunstakademie: https://stadtarchiv.muenchen.d….aspx?VEID=291761&DEID=10


    Was für ein Verlust!

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    Karl Kraus

    2 Mal editiert, zuletzt von Leonhard ()

  • Nun zum Gebiet unmittelbar östlich des Siegestors.


    Die gründerzeitliche Bebauung an der einmündenden Schackstraße:


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    "An Sehenswürdigkeiten, die bloß das Auge erfreuen, ist ja diese Stadt so überreich. Ihre Straßen sind mit Kultur gepflastert, während die Straßen anderer Städte bereits mit Asphalt gepflastert sind. Die Vergangenheit reicht in die Gegenwart hinein (...)

    In der Vergangenheit sind wir den andern Völkern weit voraus."

    Karl Kraus

  • Herrschaftliche Häuser am Anfang der Leopoldstraße (deren architektonische Reize ansonsten seit den Kriegszerstörungen eher spärlich gesät sind):


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    Das war's mit den Fotos, im nächsten Beitrag folgen nun noch einige abschließende Gedanken zu den städtebaulichen Charakteristiken der Ludwigstraße.

    "An Sehenswürdigkeiten, die bloß das Auge erfreuen, ist ja diese Stadt so überreich. Ihre Straßen sind mit Kultur gepflastert, während die Straßen anderer Städte bereits mit Asphalt gepflastert sind. Die Vergangenheit reicht in die Gegenwart hinein (...)

    In der Vergangenheit sind wir den andern Völkern weit voraus."

    Karl Kraus