Bar-le-Duc, das Florenz Lothringens (Galerie)

  • Bevor wir uns die Kirche anschauen, noch der Gerichtshof ehem. Hôtel de Florainville aus dem 16. Jh. zt. im 18. Jh. verändert. Marie Antoinette lebte hier 1770:


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    Daneben ein Fachwerkhaus um 1500:


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    Mit der Nachmittagssonne kann man sich die gegenüberliegende, geschlossene Bebauung noch besser betrachten:


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  • Schauen wir uns nun die Kirche St. Etienne genauer an. Sie wurde vom 14. bis ins 16. Jahrhundert errichtet und zeigt einen sehr interessanten Übergangsstil zwischen Gotik und Renaissance.



    Das Innere besitzt eine besonders reiche Ausstattung, zt. aus der zerstörten Kirche St. Maxe.






    In der Apsis eine Kreuzigungsgruppe. Sie stammt aus dem 16. Jh. von dem berühmten lothringischen Steinmetz Ligier Richier, dessen Werke wir noch mehrmals sehen werden:





  • In einer Seitenkapelle nun eines der wichtigsten Werke von Ligier Richier, das "Squelette" von 1545-48. Es hat bis 1790 das Grab des Herzogs Remné de Chalon in St. Maxe verziert. Es stellt ein menschlich verwesten Körper mit Knochenskelett dar, eines der frühsten Darstellung menschlicher Skelette überhaupt und dann in Stein behauen!







    Ansonsten ist die Kirche im Inneren eine großzügige Hallenkirche:




  • Weiter geht's. Die Kirche von der Rue du Paradis aus gesehen:






    Wir gelangen in die Rue du Tribel. Das Hôtel de Salm ist eines der wenigen Adelspaläste aus dem 18. Jh.




    Dahinter ist die Altstadt zuende. Im Hintergrund, der Sitz des Département de la Meuse:



    Zurück in der Rue du Tribel.



    Blick auf die Apsis von St. Etienne:



  • Nr 47, Hôtel de la Bessière mit einer besonders prunkvollen und gegliederten Renaissancefassade, aus dem 16. Jh. hier lebte der Schriftsteller G. Bernanos 1924-26:



    Die Wasserspeier sind auch sehr außergewöhnlich:




    Nr. 41, das Hôtel de l'Escale, 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts mit korinthischen Pfeilern:





    Die Nr. 37, das Hôtel des Beurges mit Apotheke ist ein besonders stattliches Renaissancepalais des 16. Jh.



  • Absolut wunderbar, ein solcher patinierter Erhaltungszustand ist in Deutschland inzwischen wohl unvorstellbar (zumindest in Westdeutschland...). Man meint wirklich, die Zeit sei irgendwann um 1900 stehengeblieben. Die Bilder strahlen eine herrliche Atmosphäre aus! Vielen Dank!

    "In der Vergangenheit sind wir den andern Völkern weit voraus."

    Karl Kraus

  • Leonhard

    Ja, so kennt man doch Frankreich. Allzuviel Geld ist für das historische Ambiente einer Stadt auch schädlich. Einzig in der Kirche würde man sich ein bisschen Sanierung wünschen, wo sich bereits Salzausblühungen, Algen und Risse bemerkbar machen. Frankreich kennt meines Wissens keine Kirchensteuer, weshalb dort die Kirchen oft in einem schlechten Zustand sind.


    Von Bar-le-Duc habe ich noch nie gehört. Vielen Dank, Daniel, für das Vorstellen dieses wunderbaren, fast einmaligen Ortes!

  • Da hast Du absolut recht, es liegt aber auch an einem kulturellen Unterschied zwischen Deutschland und den lateinischen Ländern: in Deutschland ist man halt irrsinnig auf Sauberkeit und Perfektion geeicht, alles muss ständig erneuert werden.

    "In der Vergangenheit sind wir den andern Völkern weit voraus."

    Karl Kraus

  • Danke für eure positiven Rückmeldungen :) Ja Frankreich und Lothringen haben immer noch einen gewissen Hang zur Patina. Noch vor 30 Jahren, so habe ich es gehört, waren die Orte aber richtig vergammelt mit schwarz gerusten Fassaden. Durch die vielen Kriege seit Jahrhunderten in der Grenzlage hat man den Mut aufgegeben, die Häuser zu renovieren. Einmal habe ich sogar in einem Dorf auf einer Durchreise ein Bauernhaus gesehen mit kaputten Dach, was aber im EG noch bewohnt war!

    Aber seit etwa 10 jahren bemerke ich trotzdem, dass man einige Häuser renoviert, speziell in den (Klein-) Städten. Man ist und bleibt aber "putzscheu", dh man streicht nicht so gerne die Fassade, da offenbar auch traditionell nicht korrekt.

    Das Elsass ist mit Teilen von Südfrankreich und der Normandie/Bretagne aber eine Ausnahme mit verputzten "sauberen" Fassaden wie wir sie gewöhnt sind.


    Bis auf das ehem. Reichsland Elsass-Lothringen ist es aber in der Tat so, dass die Kirche nicht vom Staat unterstützt wird. Nur die wichtigen Sakralbauten, die auch als "monument historique" unter Denkmalschutz stehen, werden, wenn sie Glück haben, saniert. Bei der schier unfassbar großen Anzahl an alten Gebäuden ist man da aber leider überfordert. Daher unterstützen manche Gemeinde direkt die Renovierung.

  • Wobei vor 1905 errichtete Kirchengebäude in Frankreich öffentliches Eigentum sind. Wenn ich das richtig im Kopf habe, sind das meist die weltlichen Gemeinden, die für den Bauunterhalt zuständig sind. Und wenn die kein Geld/keinen Willen hat, kommt es dann leider manchmal zum Abriss, zumal sehr viele Kirchengebäude nicht als monument historique gelten.

  • Die Straße nennt sich nun Rue St. Jean. Ein weiteres Renaissancehaus:




    An der Einmündung zur Rue du Monseigneur Aimond, ein weiteres "offenes" Stadttor des 18. Jh.






    Und nun steigen wir eine schmale Treppe weiter hinunter in die Unterstadt:

    Rechts gute Neubauten im örtlichen Stil:



    Blick zurück:



  • Unten angelangt, sehen wir erneut den sehr malerischen Kanal:






    An einem Durchgang zur Rue du Dr. Nève, eine Mauer mit merkwürdigen regelmäßig rausragenden Quadersteinen. Weiß jemand vielleicht, was dies bedeutet hatte?



    In dieser Straße, das Geburtshaus aus dem 18. Jahrhundert vom frz. Präsidenten Raymond Poincaré:




    Ein Blick hinauf zur Oberstadt:




    Durch ein prunkvoll verziertes Tor gelangen wir in den Stadtpark:




  • Am Rande des Parks befindet sich das ehem. Palais des Marschalls Nicolas Oudinot von 1803. Jetzt ist es das Rathaus:





    Ehrenhof von der Straße (leider etwas unscharf...):



    Nun sind wir wieder am idyllischen Ornain:



    Von hier aus hat man den Durchblick bis zum Bahnhof:



    Am Quai Sadi Carnot die Synagoge des 19. Jh.




  • Am Place Exelmans mehrere herrschaftliche Gebäude des Historismus (glaube u.a. die ehem. Bibliothek), alle so um 1900 in der frz. Neorenaissance gehalten:







    Von hier aus geht es in Richtung der Kirche Notre Dame. Ja in Frankreich heißen sehr viele Kirchen "Notre Dame" nicht nur das weltbekannte Bsp in Paris ;) . Übersetzt ins Deutsche würde man sagen "Unsere liebe Frau" oder auch Liebfrauenkirche. Zu der Kirche komme ich im Detail später noch:








  • An einem weiteren Renaissancehaus vorbei geht es wieder zum Ornain:




    Wir überqueren nun mit der alten Steinbrücke erneut den Ornain:




    In der Mitte die Kapelle im Kern von 1311. Siw wurde 1944 zersört und 1959 in veränderter Form wiederaufgebaut:




    Am Brückenende, dieses interessante historistische Gebäude:




    Über die Rue du Bourg geht es wieder in die Oberstadt:




  • Denn eine wichtige Sehenswürdigkeit haben wir hier oben doch noch verpasst...


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    ... und zwar das Stadtmuseum Musée Barrois:


    Es befindet sich im Château Neuf, einem Rest des großen Schlosses von 1568:


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    Eine kleine Auswahl der Ausstellungsstücken: von Statuen über Gemälden und Karten ist alles über die Region zu finden voin der Römerzeit bis ins 19. Jh.:


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  • Genießen wir noch den beeindruckenden Blick auf die Unterstadt vom ehem. Schlossgelände, bevor wir endgültig Abschied nehmen von der Oberstadt:


    Recht interessant diese traditionelle Neubausiedlung:





    Das romanische Tor ist der letzte Überbleibsel der älteren Partien der Burg:



    Nun geht es wieder bergab:



    Infos zum Canal des Usines:




    Rund um den Place Reggio kommt mit den Palmen und eben dieser romanischen Architektur wirklich mediterranes Flair auf: