Teil 5 - rund um den Königsweg bis nach Marienstadt

  • Im Prinzip handelt es sich hierbei um eine Wiederholung von Teil 2 - Königsweg bis zum Beginn der Altstadt - allerdings war einerseits das Wetter bei meinem diesjährigen Besuch sehr viel besser und andererseits sollen diesmal eher die Gebäude und Ensembles im Umfeld des Königswegs im Mittelpunkt stehen und weniger der Königsweg selbst.


    Die bisherigen 4 Rundgänge basieren auf der großen Warschau-Galerie, die ich Ende 2018 angelegt hatte, ich habe die Galerie nachträglich in einzelne Abschnitte aufgeteilt, so daß jetzt die Inhalte besser auffindbar sein sollten.


    Wer sich über den deutschen Namen Marienstadt wundert - in Warschau gibt es nicht nur französische und italienische Ortsnamen (Wilanów kommt z. B. von Villa Nuova) in polonisierter Form, sondern auch deutsche Namen, deren Popularität auf die Sachsenzeit zurückging - die heutige Schreibweise ist Mariensztat.

    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes

  • Zu Anfang wieder eine Übersicht in Form eines Stadtplans:


    warschau1.jpg


    Der Rundgang beginnt bei Punkt 1 in unmittelbarer Nähe des polnischen Parlaments und führt dann den Königsweg nach Norden.


    Punkt 2 steht für die Aleje Ujazdowskie (benannt nach dem gleichnamigen Schloß) auf dem Königsweg, während bei Punkt 3 die Aleje Jerozolimskie näher betrachtet werden soll, mit knapp 3 km Länge eine der Hauptverkehrsachsen Warschaus.


    Bei Punkt 4 begeben wir uns dann wieder in die Neue Welt, diesmal aber mit diversen Abstechern in Seitenstraßen, während der Rundgang nach einer Durchquerung der Krakauer Vorstadt (Punkt 5) in Marienstadt (Punkt 6) endet.


    Wir beginnen den Rundgang in der Ulica Górnośląska, einer kleineren Straße, die von der Weichsel bis zum polnischen Parlament, dem Sejm, führt.


    Im östlichen Abschnitt wurde die Bebauung komplett zerstört, die Hauptsehenswürdigkeit ist die Kirche Kościół pw. Matki Bożej Częstochowskiej, die der Schwarzen Madonna von Tschenstochau gewidmet ist:


    IMG_5270_sil.jpg


    Ansonsten ist das Areal von großen Parkanlagen gekennzeichnet, die von den Königlichen Gärten im Süden bis zur Neuen Welt führen - den nördlichen Abschluß und Höhepunkt stellt das Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern dar, eine Totalrekonstruktion des Klosters in sehr reizvoller Lage auf der Weichselböschung.


    Hier indes ein kurzer Einblick von der Górnośląska nach Norden:


    IMG_5271_sil.jpg


    Wir nähern uns nun der Weichselböschung, die ungefähr 20 bis 30 Meter hoch ist, hier gibt es noch Reste der Vorkriegsbebauung, insbesondere auch nach Süden hin:


    IMG_5272_sil.jpg


    IMG_5273_sil.jpg


    So sieht die Bebauung heute aus:


    IMG_5275_sil.jpg


    IMG_5276_sil.jpg


    Dazwischen wird die Weichselböschung über Treppen erklommen ...


    IMG_5274_sil.jpg


    ... und das erste Highlight des Rundgangs ist zu erahnen:


    IMG_5277_sil.jpg

    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes

    Einmal editiert, zuletzt von silesien ()

  • Nun, es handelt sich natürlich um den Sejm, das polnische Parlament, das hier ziemlich weit weg von der Innenstadt untergebracht ist.


    Dieses Gebäude ist übrigens das erste feste Parlamentsgebäude Polens, das Parlament tagte zuvor in verschiedenen Palais.


    Leider ist der Gebäudekomplex, der ab 1928 errichtet wurde, kaum zu fotografieren, da es nach Süden hin durch andere Gebäude abgeschirmt wird und generell ziemlich viel Grün rundherum den Blick versperrt.


    Bei der Straße handelt es sich übrigens immer noch um die Górnośląska, die schon oben erwähnt wurde, obwohl sie ja nicht durchgängig befahrbar ist (siehe obiges Foto mit den Treppen).


    Ansicht von der Górnośląska aus:


    IMG_5282_sil.jpg


    Durch die Toreinfahrten hindurch ist ein Blick auf das Gebäude möglich:


    IMG_5281_sil.jpg


    Biegt man gleich dahinter nach Norden ab, in die Wiejska, so ist die klassische Ansicht des Sejm mit dem Plenarhaus erkennbar:


    IMG_5279_sil.jpg


    Dieses Gebäude wurde als erstes 1928 errichtet, danach folgten 1935 die langen Gebäude des Senats im Osten direkt am oben gezeigten Park. Zu Zeiten der Volksrepublik wurde das Areal dann noch erweitert, unter anderem mit Pavillons, die aber auf nicht zugänglichem und nicht einsehbarem Areal liegen.


    Angesichts von diversen Polizeistreifen direkt am Zaun wollte ich jetzt auch nicht unbedingt direkt vor deren Augen über die Absperrungen fotografieren ... daher aus gebührendem Abstand:


    IMG_5280_sil.jpg


    Und nochmals das Plenarhaus:


    IMG_5287_sil.jpg


    Von hier aus an einem Denkmal, das der polnischen Heimatarmee gewidmet ist, vorbei und weiter auf der Jana Matejki nach Westen:


    IMG_5286_sil.jpg


    Rundherum im Grünen diverse Botschaften:


    IMG_5288_sil.jpg


    IMG_5283_sil.jpg


    Damit erreichen wir auch schon wieder den Warschauer Königsweg in Form der Aleje Ujazdowskie - die Warschauer Prachtstraße schlechthin, die ganz im Süden aber noch gar nicht so prachtvoll aussieht:


    IMG_5290_sil.jpg


    Dieser Eindruck ändert sich jedoch recht schnell in Richtung Norden:


    IMG_5291_sil.jpg


    IMG_5292_sil.jpg


    In diesem Zusammenhang verweise ich auf den Teil 2 - Königsweg bis zum Beginn der Altstadt, der hier begann, aber auch auf die historischen Fotos unter Warschau in alten Fotos (Galerie).


    Um nun etwas neues zu bieten, machen wir einen Abstecher etwas weiter nach Westen, in die Parallelstraße der Aleje Ujazdowskie, die Mokotowska. Diese ist benannt nach dem Stadtviertel Mokotów, das während der Besatzung als deutsches Wohnviertel diente und daher weniger stark beschädigt wurde. Entsprechend gibt es hier noch relativ geschlossene Bebauung zu sehen.

    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes

  • Tatsächlich ist die Mokotowska neben der weiter westlich gelegenen Lwowska, die noch im Zusammenhang mit dem MDM-Viertel vorgestellt werden soll, die einzige Straße in Warschau, in der noch geschlossene großstädtische Vorkriegsarchitektur im Originalzustand erlebt werden kann.


    Hier einige Eindrücke des nördlichen Abschnitts in Richtung des Plac Trzech Krzyży (Platz der drei Kreuze), der ja schon gezeigt wurde und vor allem mit St.-Alexander-Kirche gefällt.


    Hier einige Eindrücke rund um die Kreuzung mit der Wilcza:





    Von hier aus weiter nach Norden, wirklich geschlossen ist die Bebauung auch hier nicht, kurz vor dem Platz der drei Kreuze kommt dieser riesige Block:



    Am Platz der drei Kreuze geht es nun nicht direkt am Königsweg weiter nach Norden, sondern nach Westen, wo sich eine Reihe von Ministerien befindet.


    Kurzer Blick auf den Platz:



    Wir biegen nun kurz in die Hoza nach Westen ein, hier existieren durchaus noch Ruinen:



    Und Brachen:



    Wobei es sich eigentlich bei dieser Gegend um ein teures Pflaster handelt und weniger Meter entfernt auch einige Nobelläden existieren.


    Gleich nördlich davon ist ein großer Komplex mit Ministerien, unter anderem für Wissenschaft, Bildung, Regionalentwicklung, Wirtschaft ...




    Die Ministerien stammen aus der unmittelbaren Nachkriegszeit, als die südliche Innenstadt zu einem Verwaltungszentrum aufgebaut werden sollte.


    Nach diesem Abstecher nun wieder zurück zum Platz der drei Kreuze mit der St.-Alexander-Kirche:



    Die Kirche war Zar Alexander und der orthodoxen Kirche (zwangsweise) gewidmet, wurde aber in subtiler Ironie im Stile des Pantheons im Rom gestaltet. Nach einem Komplettumbau Ende des 19. Jahrhunderts im Neorenaissancestil erfolgten Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und Anfang der fünfziger Jahre der Wiederaufbau eines kleinen Fragments der vorherigen Kirche.


    Von hier aus daher gleich weiter nach Norden, bereits direkt hier beginnt nämlich die Neue Welt (Nowy Świat) und nicht erst an der Kreuzung mit der Aleje Jerozolimskie, wie man angesichts der scharfen Trennlinie dieser gigantischen Ost-West-Allee vermuten könnte.


    Hier also der südlichste Teil der Neuen Welt:




    Hier sehen wir bereits im Hintergrund rechts das Eckgebäude zur Aleje Jerozolimskie:


    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes

  • Beim Eckgebäude handelt es sich um den früheren Sitz des Zentralkomitees der vereinigten polnischen Arbeiterpartei, das 1952 errichtet wurde - kurz vor der Ausrufung des sozialistischen Realismus als wichtigster Architekturdoktrin.


    Ironischerweise wurde nach der Wende im Haus der kommunistischen Partei die Wertpapierbörse untergebracht ...


    IMG_5307_sil.jpg


    Der Granitsockel besteht teilweise aus Material, das 1945 bei der Sprengung des Tannenberg-Denkmals in Ostpreußen gewonnen wurde, davor steht Charles de Gaulle, in Erinnerung an seine Beratertätigkeit in Polen in den 20er Jahren (zugleich ist der Namensgeber des kleinen runden Platzes, der vor allem durch die künstliche Palme bekannt ist):


    IMG_5308_sil.jpg


    Und aus der Nähe:


    IMG_5309_sil.jpg


    Gleich dahinter steht in Richtung Osten an der Aleje Jerozolimskie ein riesiger Komplex, der sich bis zum Beginn der Most Poniatowskiego zieht (die erst einmal über eine Parkplandschaft führt, die schon um einiges tiefer liegt):


    IMG_5310_sil.jpg


    Dabei handelt es sich um das Nationalmuseum von 1938, bestehend aus drei Höfen, die zur Aleje Jerozolimskie hin offen sind.


    Das Museum selbst ist ein seltsamer Widerspruch, im westlichen Teil gibt es vor allem Kunst, im östlichen Teil inkl. des anschließenden Freigeländes ist das Armeemuseum untergebracht.


    Hier kann ich endlich die erste historische Postkarte zeigen, das Museum im Vorkriegszustand:


    nationalmu.jpg


    Und Ansichten des heutigen Museums:


    IMG_5313_sil.jpg


    IMG_5311_sil.jpg


    Der Haupteingang mit einem der Innenhöfe:


    IMG_5314_sil.jpg


    Von der gegenüberliegenden Straßenseite:


    IMG_5315_sil.jpg


    Blick zurück zum Platz der drei Kreuze:


    IMG_5319_sil.jpg


    Das mächtige Bankgebäude schließt die Abfolge der drei Monumentalgebäude in Richtung Zentrum ab, fährt man die Aleje Jerozolimskie weiter, kommt man direkt am Zentralbahnhof heraus.


    IMG_5321_sil.jpg


    Nun weiter nach Norden, in die klassische Neue Welt mit ihren kleinen klassizistischen Bauten, die wie aus einem Guß daherkommen ... kein Wunder, schließlich wurde hier die verbliebene Bebauung abgerissen und dann in einem sehr phantasievollen historisierenden Stil neu aufgebaut.


    An der Ecke zur Aleje Jerozolimskie gibt es eine kleine Grünanlage und ein Denkmal, das den Partisanen der (kommunistischen und moskautreuen) Armia Ludowa gewidmet ist (den ziemlich besten Freunden der restlichen Polen):


    IMG_5320_sil.jpg


    Dieser Abschnitt wurde schon ausgiebig gezeigt, und zwar in Teil 2 - Königsweg bis zum Beginn der Altstadt.


    Historische Fotos zur Neuen Welt und zum Platz der drei Kreuze gab es auch schon zu sehen, und zwar in Warschau in alten Fotos (Galerie) - daher sollen im folgenden eher interessante Ecken im Umfeld der Neuen Welt erkundet werden, in Verbindung mit einigen Geheimtips ...


    Hier nochmals kurz der Auftakt in Richtung Norden, verglichen mit den obigen Monumentalgebäuden und der gigantischen Straße taucht man hier fast schon in eine dörfliche Welt ein:


    IMG_5323_sil.jpg


    IMG_5324_sil.jpg


    Geheimtip Nummer eins ist gar nicht soooo geheim, da von der Neuen Welt aus einsehbar - der kleine Abstecher in die kurze Sackgasse Foksal lohnt sich, vielleicht 5 Gehminuten nördlich der Aleje Jerozolimskie gelegen.


    Hier ist noch prächtige Vorkriegsarchitektur erhalten:


    IMG_5325_sil.jpg


    IMG_5327_sil.jpg


    Indes ist die Straße ziemlich kurz und endet an der Galerie Foksal, da bereits wenige hundert Meter östlich der Neuen Welt der Weichselhang beginnt.


    Hier kann man zu Fuß durch eine schöne Parklandschaft weiter zum Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern wandern, einem beim Warschauer Aufstand zerstörten Kloster, auch das Chopin-Museum ist gleich nördlich davon (das ist zumindest ein kleiner Geheimtip, auch wenn der Blick auf die Hochhäuser an der Weichsel nicht unbedingt schön ist).


    Nun weiter zurück zur Neuen Welt, Blick nach Norden:


    IMG_5328_sil.jpg


    IMG_5330_sil.jpg


    Hier kommt nun Geheimtip Nr. 2, der Zugang erfolgt tatsächlich über die Hausnummer 41, wie abgebildet :smile:


    IMG_5329_sil.jpg


    Es handelt sich um ... das Bauprojekt Neue Welt West - Neue Welt Ost gleich östlich daneben und unmittelbar nördlich der Foksal gelegen, habe ich peinlicherweise nicht fotografiert.

    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes

  • Beide Projekte stammen aus dem Jahr 1952 und vom selben Architektenkollektiv und sind dennoch unterschiedlich - die östliche Variante besteht aus einer Abfolge von einheitlichen Stadtvillen, die westliche Variante ist kleinteiliger und führt nach Norden mit einem Platz in der Mitte direkt in einer Sichtachse auf den Innenhof des Finanzministeriums zu.


    Das Finanzministerium wurde passend zu dieser Sichtachse 1956 errichtet, daneben befindet sich übrigens gleich der Bau der polnischen Nationalbank von 1975, der stilistisch indes als dunkler Glasklotz daherkommt und nicht mehr zum restlichen Ensemble paßt.


    Was Sichtachsen betrifft, so wurde der südliche Rand des Projekts Neue Welt West entlang der Chmielna direkt auf den Kultur- und Wissenschaftspalast ausgerichtet.


    Die Bebauung ist betont kleinstädtisch gestaltet und paßt somit bestens zur Neuen Welt:


    IMG_5331_sil.jpg


    Hier ist der Kulturpalast zu sehen:


    IMG_5332_sil.jpg


    Der südliche Abschnitt des Bauprojekts:


    IMG_5333_sil.jpg


    IMG_5335_sil.jpg


    IMG_5334_sil.jpg


    Die Hauptachse nach Norden, dort werden die beiden Hälften durch einen länglichen Platz in Ost-West-Richtung geteilt:


    IMG_5336_sil.jpg


    Der Platz ist zugleich der Endpunkt der Gorskiego-Straße:


    IMG_5337_sil.jpg


    Von hier aus geht es dann leicht nach Osten versetzt weiter in Richtung Finanzministerium nach Norden, die Bauten kommen stilistisch den Gebäude des Projekts Neue Welt Ost ziemlich nahe:


    IMG_5338_sil.jpg


    Blick zurück zum zentralen Platz:


    IMG_5340_sil.jpg


    Na, welches Gebäude sehen wir hier im Hintergrund?


    IMG_5339_sil.jpg


    Zugegebenermaßen sind die obigen Fotos nicht optimal, vor allem nicht von der nördlichen Bebauung, das werde ich bei Gelegenheit nochmals fotografieren.


    Immerhin wird hier der Baustil deutlich:


    IMG_5343_sil.jpg


    Und wir sehen ein kleines Wunder - eine sinnvoll und zentral platzierte Metrostation, die nicht 500 Meter weit im Nirgendwo steht.


    Oder doch kein Wunder, denn sie gehört zur neuen Warschauer Metrolinie M2, die im Gegensatz zur Linie M1 nicht mehr überwiegend mit sowjetischer Technologie in meist offener Bauweise errichtet wurde und daher nicht mehr in großem Sicherheitsabstand von allen sinnvollen Zustiegsorten errichtet werden mußte. Wobei man auch hier weiterhin vor skurrilen Überraschungen nicht sicher ist, wie einer Rolltreppe, die aus unerfindlichen Gründen 10 Meter unter der Oberfläche plötzlich endet und in eine Treppe übergeht (wie beim Centrum Nauki).


    Zum Abschluß dieses Zwischenabschnitts noch ein Blick auf das erwähnte Finanzministerium, wobei die Sichtbeziehung auch nicht wirklich herausgearbeitet wurde:


    IMG_5345_sil.jpg


    Die nachfolgenden Sichtbeziehungen werden aber besser ...

    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes

  • Von hier aus nun wieder bekanntes Terrain, das schon in Teil 2 - Königsweg bis zum Beginn der Altstadt gezeigt und beschrieben wurde.


    Es geht entlang der Świętokrzyska nach Osten, vorbei am Finanzministerium:



    Und schon erreichen wir wieder die Hauptachse des Königswegs mit dem Zamoyski-Palast auf der linken und Staszic-Palast auf der rechten:



    Blick zurück auf die Neue Welt - die Świętokrzyska, die nach der Heilig-Kreuz-Basilika benannt ist, stellt die Trennlinie zwischen der betont kleinstädtischen Neuen Welt und der noblen Krakauer Vorstadt dar (auch wenn die Straße ihren Namen erst auf Höhe der Basilika ändert ...):



    Wir gehen nun nach Norden und erreichen einen recht unbefriedigend gestalteten Platz, der zunächst einmal durch den Blick auf die Hauptfassade des Stasciz-Palasts gefällt:



    Links neben dem Chopin-Denkmal klafft eine Lücke, hier stand der Karas-Palast, der im Laufe der Jahre immer weiter herunterkam, schließlich als Mietshaus genutzt und teilweise abgerissen wurde, bevor kurz vor Beginn des ersten Weltkriegs der Totalabriß erfolgte:



    Heute ist dort weiterhin ein Parkplatz, angeblich gibt es seitens der Polnischen Akademie der Wissenschaften (die ja gleich daneben im Stasciz-Palast untergebracht ist) Pläne für eine Rekonstruktion, allerdings hat sich noch nichts konkretes ergeben.


    Eigentlich hätte der Platz viel Potential, zumal in dieser Lage, die Gestaltung mit Parkplatz und einem Wohnblock in der Mitte ist aber sehr unbefriedigend.



    Dieser Block verdeckt auf den Blick auf das Polnische Theater von 1913 zur Hälfte:



    Hauptfassade Polnisches Theater - mit Würstelstand:



    Positives gibt es aber auch zu vermelden, das Gebäude des Kinderkrankenhauses wird saniert:



    Blick nach Norden in die Krakauer Vorstadt mit der Heilig-Kreuz-Basilika:



    Weiter nach Norden, vorbei an der alten Universität bzw. deren Haupteingang:




    Blick zurück zum Stasciz-Palast:


    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes

  • Da ja schon alles im oben verlinkten Rundgang Nr. 2 gezeigt wurde, fasse ich mich in diesem Abschnitt etwas kürzer.


    Nichtsdestoweniger soll die Visitantinnen-Kirche gezeigt werden:


    IMG_5360_sil.jpg


    IMG_5359_sil.jpg


    Das Haus ohne Kanten schräg gegenüber:


    IMG_5363_sil.jpg


    Mit dem Denkmal für Piłsudski, gleich dahinter ist ja der gleichnamige und heute so leere Platz:


    IMG_5364_sil.jpg


    Wieder etwas weiter nördlich der Präsidentenpalast:


    IMG_5366_sil.jpg


    IMG_5367_sil.jpg


    Und gleich dahinter, an einem schönen Platz, der Adam Mickiewic gewidmet ist, die Karmeliterkirche:


    IMG_5368_sil.jpg


    IMG_5369_sil.jpg


    Von hier aus verlassen wir indes die Hauptstraße und kommen zu den versteckten Schätzen Warschaus, die an dieser Stelle sogar extrem gut versteckt sind ...


    Erst am eigentlichen Platz vorbei:


    IMG_5371_sil.jpg


    Und weiter vorbei an den Toiletten :smile:


    IMG_5372_sil.jpg


    Hier ergibt sich noch ein schöner Blick auf die Bebauung am östlichen Rand des Herbert Hoover gewidmeten Platzes, auf dem auch diverse Schilder die polnisch-amerikanische Freundschaft feiern,


    Blick nach Norden:


    IMG_5373_sil.jpg


    Und nach Süden zur Karmeliterkirche:


    IMG_5374_sil.jpg


    Unser Ziel ist indes eine Straße, die oben schon im Hintergrund zu sehen war - nämlich die Bednarska, die uns auf direktem Weg nach Mariensztat führt (genauer gesagt führt die Straße sogar komplett hindurch und endet erst an der Weichsel).


    Ein erster Blick in die Bednarska:


    IMG_5375_sil.jpg

    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes

  • Die Bednarska war rund 90 Jahre lang eine bedeutende Straße, nämlich von 1775 bis ungefähr 1864, als eine hölzerne Pontonbrücke über die Weichsel führte und direkt über die Bednarska erreicht werden konnte.


    Praktischerweise bot ein "Badehaus" direkt an der Weichsel den Reisenden auch erotische Dienstleistungen an, heute steht dort ein neoklassizistisches Universitätsgebäude aus dem Jahr 1835 ...


    Obwohl die Straße im Krieg nur geringfügig zerstört wurde, sind nur 3 originale Gebäude erhalten, der Rest wurde wohl ähnlich wie in der Neuen Welt bewußt einheitlich neu aufgebaut.


    Um 1864 wurde eine neue Brücke über die Weichsel eröffnet, die Kierbedź-Brücke mit ihrem charakteristischen "kastenartigen" Aussehen. Die Brücke wurde im Auftrag der russischen Eisenbahn errichtet und auch offiziell nach Zar Alexander benannt - und von den Russen bei ihrem Abzug 1915 auch gesprengt, woraufhin der Mittelteil durch charakteristische Bögen ersetzt wurde.


    Die Zufahrt zur Brücke erfolgte über das Pancer Viadukt, so benannt nach dem Erbauer Felix Pancer, und 1944 ebenso wie die Brücke zerstört.


    Hier alte Ansichtskarten:


    Die erste Brücke mit Blick auf ein kaum bebautes Praga:


    brucke.jpg


    Blick auf die zweite Brücke mit dem Pancer-Viadukt im Vordergrund, Praga ist schon vollständig bebaut. Die hohen gründerzeitlichen Häuser rechts neben der Brücke gehören zu Mariensztat und sind nicht mehr erhalten. Links der Brücke der wiederaufgebaute Palast unter dem Blechdach:


    viaduktweichsel.jpg


    Damals wurde der Verkehr noch nicht in einem Tunnel unter der Altstadt hindurchgeführt, sondern floß über den Plac Zamkowy und weiter in die Krakauer Vorstadt.


    Blick auf die Altstadt:


    altstadtwar1.jpg


    Und in Gegenrichtung - auch erhalten gebliebene Fassaden wurden im Kommunismus "bereinigt", Skulpturen und Stuck entfernt und auch neuzeitliche Ergänzungen wie prächtige Eingangstüren beseitigt, hier das Original:


    krakauervor.jpg


    Und als Abschluß dieses kleinen Exkurses in die Vergangenheit noch ein Blick auf die verwinkelte Dachlandschaft der früheren Altstadt:


    altstadtwar.jpg

    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes

  • Die Entsprechung zur Bednarska in der Neustadt ist meines Erachtens die Mostowa, auch direkt in Richtung Weichsel führend und überwiegend auch nur aus je einer Häuserreihe rechts und links bestehend:



    Indes soll es ja hier um die Bednarska gehen, hier der Blick auf den oberen Abschnitt der Straße mit den wenigen verbliebenen Originalfassaden, unten ist schon Mariensztat zu sehen:



    Historische Fassaden:




    Ein erhaltenes Haus von 1860 mit pragmatischer Teilsanierung:



    Der untere Abschnitt der Straße ist komplett neu gebaut worden, es gibt Durchgänge zu einer kleinen Gartenanlage direkt hinter der Häuserzeile:



    Wer will, kann hier parallel zur Straße weitergehen:



    Der Garten:



    Und schon sind wir in Mariensztat, genauer gesagt an der Kreuzung von Bednarska und Sowia:


    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes

  • Mariensztat wurde im 18. Jahrhundert durch den Grafen Potocki gegründet und nach seiner Frau benannt, im Zuge der "Sachsenzeit" waren deutsche Bezeichnungen durchaus üblich, französische Bezeichnungen (wenngleich oft kaum noch erkennbar) von Ortsteilen wurden ja schon genannt, auch wer mal nach "Frascati" möchte, muß dazu Warschau nicht verlassen ...


    Nach der weitgehenden Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde Mariensztat völlig neu aufgebaut, und zwar im Stil polnischer Kleinstädte um zwei große annähernd quadratische Plätze herum, wobei der nach Norden hin offene nördlichere der beiden Plätze der offizielle Hauptplatz ist.


    Direkt neben dem Pancer Viadukt und um den Hauptplatz herum standen vor der Zerstörung durchaus gehobene Bauten, darunter auch das oben gezeigte "Taubenhaus"-Mietshaus (so benannt nach dem Erbauer), der Rest war wohl ein ziemlich ärmliches Viertel.


    Hier nochmals die obige Abbildung mit dem Taubenhaus, dem höchsten Gebäude Warschaus zum Zeitpunkt der Errichtung 1911, gleich rechts neben dem Viadukt:


    viaduktweichsel.jpg


    Nach dem Krieg wurde das Viertel nicht rekonstruiert, sondern wie oben beschrieben im Stil polnischer Kleinstädte in einem sehr gering verdichteten Stil neu aufgebaut, wobei ich mir nicht sicher bin, ob die ursprüngliche Planung wirklich eine so geringe Bebauung vorsah.


    Schrägbildaufnahme der heutigen Bebauung, der "lange Schlauch" links ist die Bednarska:



    Bei Mariensztat und der gleich daneben befindlichen Ost-West-Trasse handelt es sich um die ersten Aufbauprojekte in Warschau, bereits im Juli 1949 war der Aufbau beendet und wurde auch in der Presse ausgiebig gefeiert, sogar ein Unterhaltungsfilm wurde dort gedreht.


    Einige Eindrücke gibt es hier und auch im folgenden, wenngleich ich nicht alles fotografieren konnte (falls man mal wieder reisen darf, gibt es vermutlich noch in Schwerpunktthema dazu).


    Das Hinweisschild zeigt die geringen Abmessungen, gerade einmal 150 Meter zum Hauptplatz von der Mitte des Viertels aus:



    Insgesamt gibt es direkt im Viertel nur 3 erhaltene historische Gebäude, dazu kommt noch das oben erwähnte Universitätsgebäude ganz am Ende der Bednarska, in diesem Foto schwach zu erkennen:



    Blick zurück in die Bednarska:



    Entlang der Sowia zum Hauptplatz nach Norden, die Bebauung ist u-förmig, in der Mitte befindet sich eine Schule:



    Viele Gebäude könnten eine Renovierung vertragen:



    Hier die Mariensztat-Straße, die vom Hauptplatz zur Weichsel führt, hier stehen 2 der 3 erhaltenen Häuser, nämlich die Laskauer Druckerei von 1914 und ein weiteres Haus von 1840:



    Der Rynek (Hauptplatz), das Gebäude verfügt wie viele Bauten über Arkaden und soll damit an den Wawel erinnern:



    Dasselbe Gebäude, mit der Mariensztat-Straße im Hintergrund:



    Weitere Impressionen des Platzes:





    Kaum zu glauben angesichts des kleinstädtischen Eindrucks, aber wir befinden uns direkt neben einer der wichtigsten Verkehrsadern direkt neben den touristischen Hotspots.


    Leider belichtungstechnisch nicht ganz ideal, aber dennoch hoffentlich spannend:


    Der Palast unter dem Blechdach:



    Und der Blick hoch zur Annakirche:



    Weniger Meter weiter ergibt sich ein Blick auf den Palast unter dem Blechdach sowie - schon in Praga - auf die Michaelsbasilika:



    Und schon sind wir an der Trasa W-Z mit dem Schloß gleich daneben:


    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes

  • Die Ost-West-Trasse ersetzt die vorherige Kombination aus dem (weitgehend unverzerstörten) Pancer-Viadukt und der Weichselbrücke, die Straße wird jetzt unter der Altstadt in einem Tunnel hindurchgeführt.


    Diese Lösung wurde vom Büro für den Aufbau der Hauptstadt (BOS) vorgeschlagen und von Präsident Bierut persönlich genehmigt. Insgesamt ist die Trasse rund 7 km lang und heute nach der gleichnamigen Gewerkschaft als Aleja „Solidarności” benannt - nach Westen hin soll die Trasse später noch eingehender vorgestellt werden.


    Eine Skurrilität gleich vorher:


    Der Przebendowski-Palast wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und die Trasse sollte genau über die (komplett zu beseitigenden) Ruinen geführt werden - man schloß jedoch einen Kompromiß und baute das Gebäude wieder auf - die Trasse teilt sich daher rund um den Palast, der wie eine Insel inmitten der Schnellstraße liegt:



    Aber zurück zur Trasse W-Z bzw. deren Herzstück, dem Tunnel. Hier erst einmal einige historische Aufnahmen:


    Blick auf das teilzerstörte Pancer-Viadukt 1945:



    Die zerstörte Brücke, Teile von Mariensztat stehen noch:



    Der Tunnel wurde in offener Bauweise realisiert, die Häuserzeile darüber ist somit komplett neu inkl. des John-Hauses am Ende:



    Hier ist der Tunnel schon weitgehend fertig, Blick aus Richtung der Weichsel:



    Und die umgekehrte Blickrichtung (links die Miodowa-Straße auf der oberen Ebene):



    Heutiger Zustand:



    Blick zum Schloß:



    Auf der rechten Seite ist eine Rolltreppe eingebaut - ursprünglich ein Geschenk der Sowjetunion und die erste Rolltreppe in Polen überhaupt:



    Die Rolltreppe war danach viele Jahre lang defekt und wurde inzwischen durch ein westliches Modell ausgetauscht.


    Man kommt dann in der Fassadenrekonstruktion des John-Hauses heraus, errichtet nach alten Veduten von Bellotto:



    Außenansicht des John-Hauses:



    Die komplette Häuserzeile, die hier beschrieben wird, ist eine Totalrekonstruktion, allein schon aufgrund der offenen Tunnelbauweise:




    Von der Brücke aus fotografiert, links liegt Mariensztat:



    Und abschließend noch einige Eindrücke von der Schnittstelle zwischen Krakauer Vorstadt und Altstadt - direkt über dem Tunnel:





    Und noch der Blick über die Trasse hinüber zur Weichsel:


    Ce qui arrive en fin de compte, ce n’est pas l’inévitable mais l’imprévisible.

    John Maynard Keynes

  • Das ganze Viertel sieht viel mehr nach gewachsen aus, als aus einem Guss. Sicher tragen die abblätternde Farbe der Fassaden und die holprigen Strassen das ihre dazu bei. 10 bis 15 Jahre später wäre eine solche Planung wahrscheinlich nicht mehr möglich gewesen, und stattdessen ein Plattenbauviertel entstanden.


    (betrifft den vorletzten Beitrag über Mariensztat)