St. Gallen - Mauern und Einfriedungen

  • Vom Trottoir zugunsten der Strassenbreite etwas abzuzwacken... das ist in St. Gallen zum Glück schon seit Jahren Vergangenheit. Im Gegenteil, bei Strassensanierungen werden sogar die Trottoirs zuungunsten der Fahrbahnen verbreitert, sofern es die Sicherheit und der Verkehrsfluss zulassen. Seltene Ausnahmen gibt es nur bei sehr stark befahrenen Hauptstrassen, wo kein Platz für eine separate Velofahrspur besteht. Dort wird dann eine Velospur auf dem Trottoir markiert, aber zum Glück wirklich nur sehr selten. Seit etwa fünf Jahren sind in der Altstadt auch die Fussgängerzonen für den Veloverkehr geöffnet, und das gibt Probleme und auch Proteste. Ich bin strikt gegen die Vermischung von Fussgänger-und Veloverkehr (ich schreibe dies als sehr aktiver Velofahrer, denn das Image der Velofahrer wird dadurch noch schlechter! Ich denke, dass der Anteil an Velorowdies gemessen an der Gesamtzahl Velofahrer viel grösser ist als jener bei den Autofahrern. Für mich ist das nicht nachvollziehbar, leider).


    Eine dritte Spur wurde auf der Müller-Friedberg-Strasse nicht realisiert; das ist nur ein eingezeichneter Velostreifen zur besseren Sicherheit der Velofahrer (ich nehme an, dass Du dich auf das letzte Bild beziehst). Dieser wurde nur eingezeichnet, weil dort genügend Platz vorhanden und die Fahrt für die Velofahrer ermüdend ist. Auch hier ein gut 500 m langer Abschnitt mit 8 % Steigung und nur zwei Strassenabzweigungen, und endlos lange erscheinend. Dementsprechend fahren dort die Busse und Autos schnell. Dass das Trottoir arg von Hecken und Bäumchen zugestellt ist, wirkt auf dem Bild nur infolge des Schattens so. Hier der gleiche Abschnitt bei Google Maps ohne Schattenwurf.


    Jedenfalls ist die schmale Winkelriedstrasse viel gemütlicher und fussgängerfreundlicher, auch wenn das Trottoir dort 0.4 m schmaler ist und mehr Kreuzungen überquert werden müssen. Die Verkehrsmenge ist nicht gravierend, sondern vielmehr das Kreuzen mit Lastwagen und Bussen. Zwei Nebenbuslinien werden hier aber erst seit ein paar Jahren durchgeführt, und wer weiss, wie lange die dort bleiben. Der öffentliche Verkehr scheint in dieser Stadt seit einigen Jahren das ultimative und unberührbare Heiligtum zu sein. Sogar die projektierte Marktplatzneugestaltung - der zentralste Platz in der Altstadt - hat sich ausschliesslich nach den Bussen zu richten... einfach nur noch krank. Der meiste Verkehr durch die Winkelriedstrasse wird durch die Universität und den Hauptsitz einer schweizweit tätigen Versicherung produziert, und genau deshalb werde ich mich vehement gegen einen Ausbau der Winkelriedstrasse stemmen. Autos von Professoren, Dozenten, Studenten und Versicherungshengsten haben hier oben nichts zu suchen, denn die haben eine eigene Bushaltestelle mit dem Rotmöntler-Bus, der über die breite Müller-Friedberg-Strasse fährt. Sie nehmen den Anwohnern nur Parkplätze weg, welche wiederum gezwungen werden, noch mehr private Tiefgaragen zu erstellen oder Vorgärten Parkplätzen zu opfern. In den letzten zehn Jahren ist diesbezüglich eine rege Bautätigkeit festzustellen, und wir sprechen vom "durchlöcherten Rosenberg". Man wohnt hier inmitten von Rosen, und nicht auf einem Emmentaler Käse.

  • Durch Kreuzungen und Abzweigungen ist die Winkelriedstrasse in vier Abschnitte gegliedert. Von der Rosenbergstrasse bis zur Dufourstrasse hinauf hat sie eine Länge von 650 m und überwindet mit einer Steigung von 8 % eine Höhendifferenz von 50 m (von 674 m.ü.M. bis 723 m.ü.M.). Die Steigung ist hier bei der Telltreppe zwischen den Häusern Winkelriedstr. 31 und 33 sichtbar:



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    Telltreppe bei der Querung mit der Winkelriedstrasse.


    Wer also bis ins hohe Alter fit bleiben möchte, kaufe sich ein Velo und ziehe nach St. Gallen. In meinem Bekanntenkreis gibt es einen aus St. Gallen gebürtigen Professor, der siebzehn Sprachen spricht und in jungen Jahren nach Australien ausgewandert ist. Seit seiner Pensionierung verbringt er das Sommerhalbjahr wieder in St. Gallen und ist mit seinen 94 Jahren fast täglich noch mit dem Velo unterwegs! Wo wohnhaft? Natürlich auf dem Rosenberg... :wink:


    Solche Treppen sind sehr zahlreich in St. Gallen und willkommene Abkürzungen. Schnell nimmt man mal einen Weg mit 200 bis 350 Stufen unter die Füsse, möchte man vom Talboden auf die Krete des Rosenbergs oder zu den Dreiweieren auf der andern Hangseite gelangen.


    Zwei Beispiele habe ich bereits gezeigt beim Apfelbergweg und Dohlengässlein. Die meisten Treppen in St. Gallen bestehen seit jeher aus Holz und sind somit sehr angenehm zu begehen. Es fällt auf, dass seitlich von ihnen jeweils ein grosser Freiraum besteht und nicht bloss eine kleine Rinne für das abfliessende Regenwasser. Dieser ist den grossen Schneemengen geschuldet, die in St. Gallen nicht selten anfallen. Vor zwei Jahren ist auch ein Buch über die Treppen der Stadt erschienen, in dem alle Treppen mit Fotos und Plänen samt ihrer Geschichte vorgestellt werden:

    https://www.tagblatt.ch/ostsch…-wort-und-bild-ld.1146043


    Nun aber zum ersten Abschnitt der Winkelriedstrasse:



    Abschnitt Rosenbergstrasse bis Tellstrasse:


    Die Mauern sind hier noch nicht so spektakulär. Talseitig stehen die Häuser tiefer als die Strasse, sodass dort Treppen zu den tieferliegenden Vorplätzen oder kleine Brücken zu den höher angeordneten Hauseingängen führen. Ein Meter Strassenverbreiterung bedeutete zu den mit fünf Metern Abstand zur Strasse gebauten Häusern einen einschneidenden Nachteil bezüglich des Strassenlärms. Von den bergseitigen Stützmauern wird noch weiterer Lärm reflektiert.



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    Links Winkelriedstr. 1 von 1899, rechts 6 - 12 (Nr. 6 von 1889). Hier wurde die Strasse erst 1891 fertiggestellt, und die Stützmauern stammen ebenfalls noch aus dieser Zeit.



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    Hauszugang zu Winkelriedstr. 1 mit wohl nachträglich verputzter Stützmauer und jüngerem Eisengeländer. Das Gartenportal noch aus der Bauzeit von 1899. In der Mitte Zwinglistr. 21 von 1897 mit üppigem Gartenbewuchs.



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    Winkelriedstr. 1 von 1899. Der romantische, während 120 Jahren unveränderte Hauszugang sowie zahlreiche Bäume wären durch eine Strassenverbreiterung betroffen!



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    Ein Blick zurück auf die Gärten von Winkelriedstr. 1 und Zwinglistr. 21. Links der Treppenabgang zu Winkelriedstr. 6.



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    Zwinglistr. 19 mit zugemauertem Garteneingang von der Winkelriedstrasse her.


    Die Hauszugänge erfolgen am Rosenberg meistens von der Hangseite her. Die Baureglemente um 1900 schrieben zur Stadtseite (Südosten) hin repräsentative Fassaden vor, weshalb die Treppenhäuser meistens an der Rückseite angeordnet sind. Viele Grundstücke stossen an zwei Strassen, sodass wie hier bei Zwinglistr. 19 der Hauszugang von der Bergseite her erfolgt, aber als bequeme Abkürzung zur Stadt hinunter (die Hauptbahnhofunterführung ist von hier aus nur 120 m Luftlinie entfernt) oft auch Gartenzugänge angelegt wurden. Dort, wo zwischen zwei Strassen zwei Häuser hintereinander angeordnet sind, kann der Zugang zum unteren nur durch den vorgelagerten Garten auf oft steilen Gartenwegen erfolgen. Erst bei den Villen weiter oben bestehen grosszügigere Zufahrtssträsschen.



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    Zwinglistr. 19 mit zugemauertem Garteneingang an der Winkelriedstrasse.



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    Zwinglistr. 19. Die niedrige Stützmauer, die wohl einst auch mit einem Eisengeländer bekrönt war, scheint in einem prekären Zustand zu sein, ist aber nirgends einsturzgefährdet. Als Charakteristikum sind die Sandsteinquader in Gefällerichtung der Strasse versetzt worden.


    Hier würde es mich interessieren, ob bei einer allfälligen Mauersanierung die Sandsteinquader demontiert und wiederverwendet werden könnten oder ob sie bei der Demontage auseinanderbröseln würden. Ein Sanierungsversuch wäre es wert.



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    Unterhalb der Kreuzung mit der Tellstrasse bereits ein Blick zu Tellstr. 18. Hier beginnt der Bereich mit den wertvollsten Villen und Mehrfamilienhäusern am Rosenberg.



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    Im Spickel zwischen Winkelriedstrasse und Tellstrasse ein kleiner öffentlicher Sitzplatz.



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    Blick hinunter über den ganzen 1. Abschnitt.


    Aufgrund der beengten Verhältnisse und spitzwinkligen Kreuzungen ist man jeweils während der ganzen Fahrt durch die Winkelriedstrasse konzentriert. Die talseitigen Kreuzungsarme weisen dort zudem schanzenartige Aufwölbungen und die bergseitigen Kreuzungsarme leichte Mulden auf, da sie ohne diese ein zu starkes Quergefälle erhalten hätten. Ich weiss aber aus eigener Erfahrung, dass die Strasse wegen ihrer Geradlinigkeit, Schanzen und Mulden einen rasch zu schnellem Fahren verleitet... :wink: Die Unfallschwerpunkte sind aber nicht die beengten Strassenverhältnisse, sondern die unübersichtlichen Kreuzungen. Durch eine Strassenverbreiterung würden diese aber nicht entschärft, sondern eher das Gegenteil würde durch die Möglichkeit des schnelleren Fahrens eintreffen. Die jetzigen engen Strassenverhältnisse wirken verkehrsberuhigend, sodass nicht einmal eine Tempo 30-Zone nötig ist. Im Winter sind die Verhältnisse prekärer, da sich hier schnell grosse Schneemaden anhäufen und abtransportiert werden müssen.

  • Ein paar Bilder der talseitigen Einfriedungen dieses Abschnitts von vorgestern Nachmittag, kurz vor einem Gewitter:


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    Winkelriedstrasse 6, erbaut 1889 und dahinter Nr. 8, erbaut 1894.


    Das Geländer ist sehr einfach und passte eher zu einem Industrieareal wie bei der Brauerei Schützengarten entlang der Böcklinstrasse. Wir befinden uns hier aber noch im Bereich der Rückseiten der gleichzeitig errichteten Häuserzeilen an der Rosenbergstrasse und noch nicht im Villenbereich. Die Geländerpfosten haben oben einen 'eingerollten' Abschluss, durch welchen die oberste Stange gesteckt ist. Der Form nach stammt das Geländer durchaus noch aus der Zeit um 1890.



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    Blick abwärts bis auf die Rückseiten der fünfgeschossigen Zeilen an der Rosenbergstrasse. Dahinter der Turm der 2013 eröffneten Fachhochschule St. Gallen. (Tagblatt-Artikel über die 2019 stattgefundene Jahresausstellung der Denkmalpflege zum Thema 'Hochhäuser in St. Gallen')



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    Winkelriedstr. 10 und 12. Die Geländer bilden wenigstens eine Einheit mit den Gebäuden.



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    Winkelriedstr. 12 und 10.


    Der Entwurf stammt vom Vorarlberger Architekturbüro Baumschlager und Eberle. So weit hat es die Vorarlberger Bauschule gebracht... spätestens zu diesem Zeitpunkt hatte ich mit dieser abgeschlossen. Dietmar Eberle wurde 1999 als ordentlicher Professor an die ETH Zürich berufen...

  • Daß der Fußgängerweg so arg von Hecken/Bäumchen zugestellt ist, behagt mir nicht.

    Da würdest Du dich aber auf dem ganzen Rosenberg nicht wohlfühlen. Extra ein paar Fotos für dich: :wink:



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    Kreuzung Winkelriedstrasse - Tellstrasse.



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    Dufourstr. 71 und Redingstr. 3. Dazwischen verläuft die Winkelriedstrasse.


    Eine eigenartige Stimmung bestand gegen 17 Uhr bei 25°C, als sich die Wolken zusammentaten und kurz darauf entluden.

    Schwenkt man die Kamera ein bisschen nach unten, treten die Garagen von Redingstr. 3 ins Blickfeld:


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    Garagenboxen an der Redingstr. 3.


    Anstelle des Appartementhauses rechts stand bis um 1970 die Villa "Freia":


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    Winkelriedstr. 38, Villa "Freia", erbaut um 1895, abgebrochen um 1970. Im Vordergrund die Redingstrasse. 1912 gelaufene Privat-Ansichtskarte.



    Nochmals zurück zu Winkelriedstr. 1:


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    Winkelriedstr. 1.


    Spätestens jetzt merkt man, weshalb ich die vorangehenden Fotos im Frühjahr gemacht habe. Im Sommer ist es recht schwierig, die oft von Bäumen sehr verdeckten Häuser abzulichten. Deshalb zwei Fotos ein- und desselben Hauses: Es ist ein Zweifamilienhaus, das 1899 von Adolf Zahner für den Baumeister Claudio Crizzetti erstellt wurde und den Namen "Villa Ostra" trägt, der Name einer Stadt in Marken / Italien. Wahrscheinlich stammte Baumeister Crizzetti oder seine Vorfahren ursprünglich von dort.


    Ein paar Schritte weiter nach rechts rückt dann der Eckturm ins Blickfeld, aber die Veranden rechts wollen einfach nicht mit auf's Bild:


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    Winkelriedstr. 1.


    Auf dem dritten Bild des vorangehenden Beitrages sieht man die Veranden ohne Blattwerk. Auch wenn die Kleinvilla wieder mal einen neuen Anstrich ertragen würde, muss hervorgehoben werden, dass sie noch weitgehend original erhalten ist. Sogar die Fenster stammen noch von 1899!

  • Abschnitt Tellstrasse bis Zwinglistrasse:


    Hier ist die Winkelriedstrasse in den letzten Jahrzehnten bergseitig etappenweise bereits um einen knappen Meter verbreitert worden.



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    Zufahrt zu Tellstr. 18 an der Kreuzung Winkelriedstrasse / Tellstrasse / Schlösslitreppe.


    Die geradlinig den ganzen Rosenberghang hinaufführenden Treppen (Grünbergtreppe, Schlösslitreppe, Telltreppe) markieren die Grenzen der einstigen Rosenberggüter, die von der Rosenbergstrasse bis zum Höhenweg hinauf reichten. Die Treppen führen meistens wie an vielen andern Orten in der Stadt direkt auf die Strassen und sind unten durch zwei Bügel gesichert.



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    Tellstr. 18, erbaut 1896 von Ferdinand Wachter für A. Scheitlin. 1908 gelaufene Ansichtskarte, Verlag Romberg & Schmid, St. Gallen u. Basel.



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    Villen- und Mehrfamilienhausensemble oberhalb Tellstr. 18 (Vordergrund Mitte) an der Zwingli- und Dufourstrasse. Alle Gebäude sind heute noch erhalten, nur Dufourstr. 91 (oben rechts mit trapezförmigem Giebel) wurde um 1950 bis zur Unkenntlichkeit umgebaut. 1906 gelaufene Foto-Ansichtskarte von C. Umiker, St. Gallen.



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    Schlösslitreppe an der Kreuzung Winkelriedstrasse / Tellstrasse, dahinter Winkelriedstr. 17.


    Eine abermalige Verbreiterung der Strasse ergäbe Platzprobleme bei den meisten Treppeneinmündungen. Entweder müsste der unterste Treppenlauf jeweils steiler angelegt oder mittels einer Abwinkelung (unter Einbezug der privaten Grundstücke!) auf die Strasse geführt werden.


    Die ganze Fläche zwischen Winkelried- und Zwinglistrasse sowie Schlösslitreppe nahm ursprünglich eine einzige Liegenschaft ein, die Villa "Iklé, Zwinglistr. 25. Errichtet wurde sie in italienischer Neurenaissance 1888 von Carl Weigele für Adolf Iklé. 1903 und 1910 verpasste ihr Wendelin Heene ein neubarockes Gewand, indem er ein Mansarddach aufsetzte. Um 1930 entstanden auf der westlichen Grundstücksfläche die Mehrfamilienhäuser Winkelriedstr. 17 und Zwinglistr. 27. Die versprayte Stützmauer von Nr. 17 entstand als belanglose Betonmauer anlässlich der letzten Strassenverbreiterung 2009. Die Gartenanlage ist ohne jeglichen Gestaltungswillen höchst pflegeleicht angelegt.



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    Winkelriedstr. 17.



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    Villa "Iklé", Zwinglistr. 25, mit um 1990 erstelltem Vorbau und Tiefgarage gegen die Winkelriedstrasse.


    Bis in die 1980er-Jahre war in der Villa die Rudolf-Steiner-Schule untergebracht. Nach ihrem Auszug wurde das wertvolle Innere zu einem Sitz einer international tätigen Firma umgebaut. So konnte das Intérieur besser geschont werden als wenn einzelne Wohnungen eingebaut worden wären. Als Konzession für die denkmalpflegerischen Auflagen darf der Vorbau gewertet werden. Allein dieser wäre noch akzeptabel, wenn nicht davor eine äusserst hässliche Tiefgarage hingesetzt worden wäre. Wenn man bedenkt, dass dieser Umbau nun schon mehr als zwanzig Jahre her ist, hat er sich kein bisschen in den Rosenberg integriert. Die Formensprache und der Sichtbeton mit 'tarnendem' Weinrebenbewuchs erinnert leider stark an einen Geschützbunker.



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    Villa "Iklé", Zwinglistr. 25, mit um 1990 erstelltem Vorbau (Zwinglistr. 19) und Tiefgarage gegen die Winkelriedstrasse.



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    Vorbau und Tiefgarage von Zwinglistr. 25 gegen die Winkelriedstrasse.



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    Villa "Iklé", Zwinglistr. 25, mit dem ursprünglichen Dach von 1888. Rechts knapp sichtbar das neubarocke Gartenhaus im Strassenspickel. 1910 gelaufene Foto-Ansichtskarte von C. Umiker, St. Gallen.



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    Zwinglistr. 23, Seite gegen die Winkelriedstrasse.


    In den östlichen Gartenteil wurde um 1950 anstelle des Gartenhauses im Strassenspickel das Mehrfamilienhaus Zwinglistr. 23 gesetzt. Es ist ein guter, unter Denkmalschutz stehender Bau, zu dem die einfache Betonstützmauer passt. Der 'Wildwuchs' davor lässt das Anwesen weniger geometrisch erscheinen.



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    Winkelriedstr. 17 und die Gärten von Zwinglistr. 23 und 25.



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    Ganzer Strassenabschnitt zwischen Zwingli- und Tellstrasse.

  • Nun wieder zur Talseite des Strassenabschnitts, an der drei Grundstücke mit Mehrfamilienhäusern liegen. Auch hier wurde ursprünglich fast der ganze Abschnitt von einer einzigen Parzelle mit der Villa "Tannhalde", Winkelriedstr. 20, eingenommen. In den 1940er-Jahren wurde dann im östlichen Teil das Mehrfamilienhaus Nr. 22 (samt Garagenbau an der Tellstrasse) erstellt, unter Erhalt der ursprünglichen Einfriedungen.



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    Winkelriedstrasse ab der Einmündung der Tellstrasse.



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    Winkelriedstr. 20 "Tannhalde".


    Das Mehrfamilienhaus "Tannhalde" ist ein Zweifamilienhaus, dass Emil Tanner durch Baumeister Gustav Adolf Müller 1892 erbauen liess. Es ist weitgehend original erhalten, wie auch die schmiedeeiserne Einfriedung samt imposamtem Einfahrtsportal und talseitiger Stützmauer an der Tellstrasse.



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    Winkelriedstr. 20 von der Tellstrasse aus.


    Die Stützmauer an der Tellstrasse besteht aus mächtigen Quadern, die anstatt in horizontal liegenden Reihen im Gefälle der Strasse positioniert wurden. Hinter ihr befindet sich seit etwa fünf Jahren eine Tiefgarage, deren Einfahrt unmerklich in die Mauer integriert wurde.



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    Einfahrtsportal zur Tiefgarage von Winkelriedstr. 20 an der Tellstrasse.


    Die bestehende Höhe der Mauer liess es zu, exakt auf Höhe der Abschlusssteine ein Betonvordach anzubringen und darüber das originale Geländer wieder zu montieren. Für die Mauerrundungen wurden die Abbruchsteine umgearbeitet. Der Bereich über der Einfahrt, wo eh keine grösseren Bäume wachsen können, wurde für die Anlage einer Gartenlaube genutzt.



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    Blick von der Tellstrasse hinauf zu Zwinglistr. 25 und Winkelriedstr. 20. Das Bild ist nicht etwa schief aufgenommen, sondern zeigt das effektive Gefälle der Strasse und Steinlagen.



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    Kreuzung Winkelriedstrasse / Zwinglistrasse mit Zwinglistr. 21.


    Anstelle des Wohnblocks Zwinglistr. 21 stand bis 1969 das Gebäude der 'Freimaurerloge Concordia'. Es war ein grosser, in neugotischem Stil gehaltener Bau von 1887/88, dessen Architektur irgendwo zwischen Schlösschen und Industriebau angesiedelt werden konnte. Gleich zwei Mehrfamilienblocks wurden auf die freigewordene Parzelle gesetzt. Entsprechend der damaligen Bauweise wurden die Restflächen pflegeleicht angelegt.



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    Gartengeländer von Zwinglistr. 21 an der Winkelriedstrasse.



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    Zwinglistr. 21 von der Kreuzung Winkelriedstrasse / Zwinglistrasse aus.


    Anlässlich von Verkehrsberuhigungsmassnahmen um 1990 erfolgten an vielen Kreuzungen durch Trottoirausbuchtungen Verengungen der Fahrbahnen. Dort, wo die Gefahr bestand, dass missbräuchlich Fahrzeuge abgestellt werden könnten, pflanzte man Rabatten an. Bei genügend Platz kam noch eine Salz- und Kieskiste für den Winterdienst hinzu. Kürzlich wurden auch noch Bodenmarkierungen angebracht. Wir befinden uns hier im wertvollsten Bereich des Rosenbergs!


    Der entgegengesetzte Blick... aber das gehört bereits zum nächsten Abschnitt:



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    Links Winkelriedstr. 31 und rechts Winkelriedstr. 30 von der Kreuzung mit der Zwinglistrasse aus.

  • Abschnitt Zwinglistrasse bis Redingstrasse:


    Die Kreuzung mit der Zwinglistrasse prägt schon das Bild im Einleitungsbeitrag zur Winkelriedstrasse. Sie wird dominiert von der Villa "Burg", Winkelriedstr. 27, welche über einer mit vortretenden Pfeilern gegliederten Stützmauer thront. Errichtet wurde sie 1888 von Wilhelm Dürler für Jean Jaques Nänny. Bereits 1889 und 1901 erfolgten Umbauten, letzterer durch Wendelin Heene. Ihr Wahrzeichen ist der burgfriedähnliche Aussichtsturm, der das Haus um zwei Geschosse überragt.


    An der Kreuzung besteht wie an der Müller-Friedberg-Strasse / Dierauerstrasse ein Brunnen.



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    Kreuzung Winkelriedstrasse / Zwinglistrasse; links die Umzäunung von Nr. 30 und rechts Nr. 27, die Villa "Burg".



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    Winkelriedstrasse 27.


    Das Gartenportal (vermutlich von 1901 von W. Heene) ist seitlich des Hauses platziert, sodass Treppen vermieden werden konnten. Die ganze Liegenschaft ist bau- und gartendenkmalpflegerisch in einem 1A- Zustand.



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    Winkelriedstrasse 27 mit dem 'Bergfried'.



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    Eingangsportal zu Winkelriedstrasse 27.



    Schlechter steht es um die benachbarte Villa "Helios", Nr. 31. Errichtet 1887 von Pietro Delugan für Jakob Schmidheiny als einfacher Sichtbacksteinbau mit Walmdach und Mittelrisalit, übergoss sie 1905 W. Heene anlässlich eines Umbaus mit einer an Zuckerguss erinnernden Architektur:



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    Winkelriedstrasse 31.


    Gleich wie bei der vorhin beschriebenen Villa "Burg" besteht auch hier Ortsbild-, Baum- sowie Objektschutz, und der Garten figuriert ebenfalls unter 'historische Gärten'... An der Rückseite besteht zudem ein nicht gerade kleiner, kubusförmiger moderner Anbau.



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    Winkelriedstrasse 31.


    Das Sockelbauwerk mit zwei (!) Garagen ist als Basis für ein Gebäude dieses Ranges natürlich völlig ungeeignet. Auch den Strassenraum verzettelt ein solches durch leicht zurückversetzte Lage und fehlende Gliederung sehr. Beim nächsten Grundstück kündigt sich bereits eine weitere Bausünde an, obwohl dazwischen noch ein Relikt einer historischen Mauer in den Strassenraum vorsteht.



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    Winkelriedstrasse 31.



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    Winkelriedstrasse 31 und Telltreppe.


    Entlang der oberen Grenze folgt die nächste Treppe, die Telltreppe. Sie verläuft an der einstigen Grenze zwischen dem "Waisenhausgut" und dem Gut "zum Rosenberg". Östlich von ihr zeugt ein Relikt der nächsten Stützmauer, deren Ecke einst wohl eine Pergola bekrönte.

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    Winkelriedstrasse 33.


    Oberhalb dieses Mauerrelikts steht ein weiteres hässliches kleines Entlein wie an der Böcklinstr. 17 (letzte zwei Bilder) mit davor weit aufgerissenem Maul. Bis um 1960 blieb die Parzelle unbebaut und war Teil des Gartens von Winkelriedstr. 35.



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    Winkelriedstrasse 33.


    Nur das Hausnummernschild verrät, dass hier neben den fünf Garagen noch ein Personenzugang existieren könnte.



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    Winkelriedstrasse 33.


    Nach der erdrückenden Garage folgt die historische Stützmauer von Nr. 35 und danach weitere Garagen...



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    Winkelriedstrasse 31 und 33.


    Beachtenswet ist der leicht vorstehende Quader rechts, der sicher nicht so verbaut wurde. Der Grund wird eine starke Wurzel sein, die ihn langsam herausdrückt. Man sieht hier gut, dass solche Mauern nicht nur Hangdruckkräfte aushalten müssen, sondern auch Wurzelwachstum und auch Wasser, das im Rosenberg drin allzuoft unterirdisch fliesst.



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    Winkelriedstrasse 35.


    Die unterschiedlichen Oberflächenbearbeitungen und Steinformate zeigen den Übergang von Nr. 33 zu Nr. 35. Die Parzellengrenze ist heute allerding ein paar Meter weiter nach unten verschoben, weshalb die Bepflanzung darüber hinweg läuft. Doch auch hier sucht man vergeblich das zeitlich dazu passende Haus und findet nur einen belanglosen Wohnblock ohne jegliche Ausstrahlung.



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    Winkelriedstrasse 35. 1910 gelaufene Privatansichtskarte.


    Der Vorgängerbau: die Villa "Berghof", erbaut 1901 von Alfred Müller und Max Hoegger für Alfred Graf, abgebrochen um 1970. Die glattere Oberflächenbearbeitung der Steinquader entspricht jener auf dem vorangehenden Bild. Den Höhenversatz zur Stützmauer von Nr. 37 markiert heute nur noch eine schäbige Betonschwelle am Boden:



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    Winkelriedstr. 35 und 37 mit vorgelagerten Garagen.


    Der Personenzugang zum Haus erfolgt in der Mittelaxe das Garagenschlundes.



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    Winkelriedstrasse 37.


    Die Garage von Nr. 37 wurde um 1970 gleichzeitig mit jener von Nr. 35 erstellt. Beide liegen von der ursprünglichen Strassenkante her 3 m zurückversetzt. Die Strasse selbst wurde damals um einen Meter verbreitert.



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    Winkelriedstrasse 35 und 37.



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    Rückblick von der Abzweigung der Redingstrasse aus. Auf verschlungenen Wegen zwischen Betonmäuerchen und Abfallcontainer gelangen die Fussgänger zum Haus.


    Errät jemand das Baudatum von Winkelriedstr. 37?

  • Oh, Du kennst 60er-Jahre-Häuser nach Jahren? Ich tu mich da schwer. Aber die Garagen würde ich eher auf Nuller oder 10er Jahre schätzen. Da das Haus einen 1970er-Aufbau hat (der Dachaufsatz), kann es nicht so neu sein. Es kommt mir auch so vor, als hätte man mitunter sehr halbherzig versucht, es neueren Moden anzupassen. Das helltürkisene Geländer über den Balkonen ist so ein Fall. Ich finde die Balkone extrem tief, das irritiert mich etwas bei der Einordnung.

  • Das helltürkisene Geländer über den Balkonen ist so ein Fall. Ich finde die Balkone extrem tief, das irritiert mich etwas bei der Einordnung.

    Die türkisfarbenen Geländer gehören aber zu Winkelriedstr. 35. Und meinst Du mit 'extrem tief' die Grundfläche jener Ballkone, oder die niedrigen Brüstungen von Nr. 37? Die niedrigen Brüstungen (90cm) in Bezug zur Geschosshöhe verraten, dass da ein älteres Haus mit grossen Raumhöhen drin steckt. Wenn man die beiden Häuser auf der vorletzten Fotografie vergleicht, bemerkt man den Unterschied. Es ist tatsächlich bereits um etwa 1897/1900 entstanden und um 1970 aufgestockt und extrem modernisiert worden. Das Bild mit dem ursprünglichen Zustand hatte ich eigentlich für den nächsten Beitrag vorgesehen, ziehe es aber hier vor:



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    Winkelriedstrasse 34, 37 und Dufourstr. 73. Ungelaufene Foto-Ansichtskarte um 1905 von C. Umiker, St. Gallen.


    Es ist tatsächlich noch das Haus in Bildmitte! Den Versatz in der linken Seitenwand erkennt man heute noch; die Veranden rechts wurden zugemauert und zum dahinterliegenden Zimmer geschlagen, und vor den Mittelrisalit und das linke Eckzimmer wurden diese langen Balkone 'angeklebt'. Links oben schaut noch der Turmhelm der abgebrochenen Villa "Berghof", Nr. 35, hervor.



    Du [Zeno] kennst 60er-Jahre-Häuser nach Jahren?

    Es ist schon möglich, 50er-, 60er- und 70er-Jahre-Bauten zu datieren. Bei Winkelriedstr. 33 zum Beispiel hätte ich auf die späten 1950er-Jahre getippt. Das Dach mit den sichtbaren Sparren an der Untersicht und die rosafarben abgesetzten Fensterbrüstungen sind eindeutig noch 50er-Jahre, hingegegen weisen das grossflächige Giebelfenster, das Sichtbackstein-Aussenkamin und die geschlossenen Balkonbrüstungen auf die 60er-Jahre hin. Tatsächlich erscheint das Haus auf dem Stadtplan von 1964 noch nicht, sondern erst auf dem Folgeplan von 1977. Vielleicht ein Spätwerk des Architekten?

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    Winkelriedstrasse 33.

  • Riegel: Ah, das kleinere Haus ist die Nr. 37. Ich meinte das eher blockförmige, neuere vornedran, wohl die Nr. 35 (habe wohl die Bildunterschrift für eine Überschrift zum nächsten Bild gehalten)

    Daß die Nr. 37 doch kein in den 1960er Jahren erbautes Haus ist, wie es bei der Vorderansicht scheint, kann man an den hochformatigen Fenstern seitlich erkennen. Dieses Fensterformat könnte aus den 1990ern oder aus der Zeit vor 1920 stammen, aber sicher nicht genuin aus den 1960ern. Dach, Fenster nach vorne und Fassadengestaltung sind allerdings völlig auf 1960er-Optik umgearbeitet worden, so daß es, wenn man direkt auf der Straße davor steht und die Seite nicht sieht, wie ein 1960er Haus daherkommt.

    Geschoßhöhe ist auch ein Argument, ab etwa 1920 wurden die Decken immer niedriger.

  • Was die (Un-)Vereinbarkeit von Hauszugängen und Garagen betrifft, finde ich Winkelriedstr. 33 extrem, weil es gleich garkeinen Fußgängerweg hat, aber daran merkt man auch, daß das wirklich 1960er ist, denn das war eine fußgängerfeindliche Zeit.

  • Ich war dieses Frühjahr zufällig in einer Wohnung von Winkelriedstr. 35. Wohnungsgrundriss, Aussicht und Wohnwert sind top, aber der Zugang von der Strasse durch die Garageneinfahrt mit Lift bis zur Wohnung war einfach grauenvoll. Im Allgemeinen sind doch Hauszugänge und Treppenhäuser in Wohnhäusern der 1960er- und 70er-Jahre grundsätzlich mal wüst, weil eben Garagen und Personenlifte einen höheren Stellenwert besassen als das 'Erlebnis Hauszugang'. Aber ich denke, man gewöhnt sich als Bewohner daran.


    Betreffend "Gewöhnung": Manchmal frage ich mich, wie weit man vom Elternhaus unbewusst geprägt wird (vorausgesetzt, dass man nicht x-mal umzieht). Sehr geprägt hat mich wohl dieses Haus am östlichen Rosenberg, in dem ich meine ersten drei Lebensjahrzehnte verbracht habe. Doch auch dieses Haus ist nicht vor Unbill geschützt; seit 1982 ging es auch mit ihm durch schlechte Geschmacksverirrungen leider kontinuierlich bergab...

    Heute: Google maps.



    Ak Goethestr. 24 1910

    Goethestr. 24. 1910 gelaufene Privat-Ansichtskarte. Lichtdruck von Trau & Schwab, Dresden.

    (Die Karte wurde nach Lübeck versandt und fand nach 104 Jahren über Ebay den Weg wieder zurück nach St. Gallen in meine Sammlung!)


    Das Spezielle an diesem Haus: Es ist sehr geometrisch geplant worden, von den Grundrissen über die Schmuckformen an Türen, Fenstern und Stuckdecken etc. bis hin zur Gartengestaltung. Es steht am östlichen Rosenberg und wurde 1908 erbaut. Der Weg durch den Vorgarten, die vier Aussenstufen hinauf, überdachter Vorplatz bei der Haustür, Eingangshalle mit den Briefkästen, unter dem halbrunden Bogen hindurch in die Treppenhaushalle mit den Treppen und Wohnungstür, dann der erste, einen Viertelskreis beschreibende Treppenlauf... Jedesmal ein Erlebnis! Aussen als auch innen wird man durch die Architektur automatisch gelenkt.


    Und wenn ich schon bei persönlichen Erinnerungen bin: Mein erster Familienausflug führte mich im Alter von einem Monat zum Huberpärkli an der Dufourstrasse, just hinter die Häuser Winkelriedstr. 33 (das zu diesem Zeitpunkt noch nicht existierte), 35 und 37. Und was sieht man da? Den Turmhelm von Nr. 35, der Villa "Berghof"! Rechts der Brunnen im Spickel Winkelriedstrasse / Dufourstrasse. Seine Umgebung hat sich in den letzten rund 60 Jahren kaum verändert! > Google maps


    September 1962

  • Haha, auch die Kinderwägen mußten damals "windschnittig" sein...

    Aber nochmal zurück zu den verkorksten Hauseingängen des 20. Jhdts., erstmal speziell W35: von der Straße her sieht der Zugang mit Treppe doch noch ganz ordentlich aus, so auf den Photos? Ich weiß allerdings nicht, wie der eigentliche Hauseingang dann ist, möglicherweise so ein Mauseloch wie meistens zu dieser Zeit, oder nochmal anders?

    Jedenfalls kenne ich von 1950er- bis 1980er-Bauten zahlreiche Mauselöcher, denen jeglicher Empfangscharakter fehlt, das sind Ritzen, in die man sich hineindrücken soll, oft an der Rückseite des Gebäudes, damit man auch ja drumrumlaufen muß. Vorne dann gern das beziehungslose Abstandsgrün und der Süd- oder Westbalkon, damit man ihn im Sommer auch ja nicht nutzen kann ohne Sonnenstich.

  • Noch zwei Bilder zu Winkelriedstr. 37, das um 1970 bis zur Unkenntlichkeit umgebaut und aufgestockt wurde. Die erste Aufnahme gehörte zwar erst zum vierten (kommenden) Abschnitt der Winkelriedstrasse; da aber die Nr. 37 hier so prominent abgebildet ist und ich eine weitere Ansichtskarte mit seiner Rückseite entdeckte, folgt sie jetzt schon:



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    Rosenberg, Mehrbildkarte, Ausschnitt mit der Winkelriedstrasse und der rechts abzweigenden Redingstrasse. Von links nach rechts: Winkelriedstr. 37, Dufourstr. 73 u. 71., Winkelriedstr. 38 (Villa "Freia"). Im Vordergrund der Garten von Zwinglistr. 10. 1908 gelaufene Ansichtskarte, Verlag G. Metz, Basel.


    Zum Vergleich nochmals der heutige Zustand:



    winkelriedstrasse 37 16.04.2021 9046x

    Winkelriedstrasse 37 im April 2021...



    Ak Winkelriedstr. 35 Altstadt 1908

    Winkelriedstr. 37 und Aussicht auf die Altstadt. Im Vordergrund rechts das Gartenportal der Villa "Rosenhof" (Höhenweg 33, im Volksmund 'Villa Wahnsinn' genannt), dahinter die Rückseite der Villa "Berghof", Winkelriedstr. 35. 1908 gelaufene Ansichtskarte, Verlag G. Metz, Basel.


    Die Anbringung des Hausnamens "Siesta" und des Baudatums "1901" an der Rückseite ist ungewöhnlich. Vielleicht, weil nur die Rückseite verputzt war und die andern drei Fassaden aus Sichtbackstein bestanden? Für 1901 zeigt das Haus jedenfalls eine sehr konservative Architektur, während gleichzeitig bereits Villen mit Jugendstilanklängen erstellt wurden.

  • Den Auftakt zur Talseite dieses Strassenabschnitts (Tellstrasse bis Zwinglistrasse) bildet das bereits gezeigte Haus Winkelriedstr. 30. Es trägt den Namen "Winkelried" und wurde 1886 als Sichtbacksteinbau mit reich verzierten Flugsparrenkonstruktionen von Johann Fasquel für Pietro Delugan errichtet.1907 erfolgte ein Umbau im Reformstil, bei dem die Backsteinfassaden verputzt und die Dachuntersichten mit Hohlkehlen versehen wurden. Die Flugsparrenkonstruktionen wurden dabei entfernt. Die Gartenanlage zeigt noch das Bild aus dem Ende des 19. Jahrhunderts.



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    Links Winkelriedstr. 31 und rechts Winkelriedstr. 30 von der Kreuzung mit der Zwinglistrasse aus.



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    Winkelriedstr. 30 im Winterzauber.


    Zwei Winterlinden flankieren den axial auf die Haustür ausgerichteten Hauszugang und bieten der Garage samt Vorplatz leicht Paroli.:



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    Hauseingang Winkelriedstr. 32.



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    Zugang zu Winkelriedstr. 32 mit Blick auf den Garagevorbau von Nr. 31.



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    Winkelriedstr. 32 und 34.


    Bei tieferliegenden Bauten an der Talseite von Strassen wurden oft Garagen auf den Vorplatz gestellt, sodass diese von den Strassen aus nicht so ins Blickfeld fallen. Beim 1888 von Architekt Julius Kunkler errichteten Haus "Wigwam", Nr. 32, ist dies auch der Fall. Dort, wo auf dem Nachbargrundstück ein Bagger steht, wurde kürzlich eine Garage ersatzlos abgebrochen.


    Schon auf dem Trottoir kündigt sich an, dass hier ein Prunkstück folgt:



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    Winkelriedstr. 34.



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    Winkelriedstr. 34.



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    Winkelriedstr. 34.


    Bei Strassensanierungen werden leider oft die Niveaus leicht verändert, was nachteilige Folgen für die Garteneinfriedungen haben kann. Hier versinken die Sandsteinsockel durch Aufteerungen schnell mal unter die Asphaltfläche, sodass das Wasser diese beschädigt:



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    Winkelriedstr. 34.


    Dort, wo der Asphalt höher als die Oberfläche der Sockelmäuerchen zu liegen kam, wurden einfach Stellriemen aus Granit davor gestellt, was dem Anblick nicht gerade förderlich ist:



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    Winkelriedstr. 34.



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    Winkelriedstr. 34.


    Anhand des Betonmäuerchens entlang des Fusswegs zum nächst oberen Nachbar kann man schon erahnen, um was für eine Architektur es sich handelt... Doch vorher noch einige Ansichten dieser prächtigen Villa von der Schauseite zur Zwinglistrasse hin:



    Winkelriedstrasse 34 37 Dufourstrasse 73 Umiker 635

    Winkelriedstr. 34, 37 und Dufourstr. 73. Ungelaufene Foto-Ansichtskarte um 1905 von C. Umiker, St. Gallen. Foto-Rohling, der als Grundlage für eine kolorierte Mondscheinkarte diente.



    Winkelriedstrasse 34 37 Dufourstrasse 73 Mondschein

    Winkelriedstr. 34, 37 und Dufourstr. 73. 1911 gelaufene Mondscheinkarte, H. Guggenheim & Co., Zürich.


    Die 1889 erbaute Villa "Rosa", im Volksmund auch "Vier-Jahrzeiten-Villa" genannt, ist ein Werk vom schweizweit tätigen St. Galler Architekten August Hardegger. Er errichtete vor allem zahlreiche Kirchen. Die vier Statuen auf dem Dach verkörpern die vier Jahrzeiten, welche dem Haus zum Zweitnamen verhalfen.



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    Winkelriedstr. 34, Gartenportal an der Zwinglistrasse.



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    Winkelriedstr. 34, Gartenportal an der Zwinglistrasse. Der grösste Quader misst 1.70 m x 0.80 m!



    Zuoberst bei der Abzweigung der Redingstrasse folgt Winkelriedstr. 36 mit den bereits erwähnten Betonmäuerchen:



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    Winkelriedstr. 36.



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    Winkelriedstr. 36 bei der Abzweigung der Redingstrasse.


    Als Kuriosum bei der Parzellengrenze zu Redingstr. 2 konnte sich Dank eines offiziellen Höhenfixpunktes (Bolzen an der linken Seite) ein Relikt einer älteren Einfriedung halten. Es gehörte zum Garten des einstigen Hauses Zwinglistr. 10 (siehe erste Abbildung im vorangehenden Beitrag). 1973 fiel auch dieses der Abrissbirne zum Opfer und musste den beiden Wohnblocks Zwinglistr. 10 und Winkelriedstr. 36 Platz machen. Dieselbe Situation auf Google maps.



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    Geländerpfosten zwischen Winkelriedstr. 36 und Redingstr. 2.



    Ak Zwinglistr. 10 1924

    Zwinglistr. 10, errichtet 1900 von Architekt Julius Kunkler, abgebrochen 1973. Im Hintergrund Winkelriedstr. 32, 34 (darüber die 1890 ursprünglich als Konzerthaus errichtete Christuskirche an der Dufourstr. 77) und Winkelriedstr. 37. 1924 gelaufene Privat-Ansichtskarte.

  • Abschnitt Redingstrasse bis Dufourstrasse:


    Auf den 'vermeintlichen Neubau' Winkelriedstr. 37 folgt der nächste (wirkliche) Neubau, Nr. 39. Offensichtlich nützt er mit dem dahinterliegenden Wohnblock Dufourstr. 73 das Grundstück restlos aus. Immerhin ist der Vorgartenbereich nicht durch eine gähnende Garagenzufahrt verunstaltet, sondern wird durch eine abgetreppte Betonmauer begrenzt. An der Seite besteht dennoch eine Garagenzufahrt, die aber wenigstens auf die notwendige Breite minimiert und zurückversetzt ist.



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    Winkelriedstr. 39, dahinter Dufourstr. 73 und 71.


    Der Vorgängerbau: die Villa "Guggisberg" in Chalet-Bauweise, erbaut 1892 vom schweizweit tätigen Architekten Jaques Gros, abgebrochen 1972. Sein bekanntestes Bauwerk ist das Grand Hotel Dolder in Zürich. Von der zugehörigen Einfriedung habe ich leider kein Bild gefunden, aber im städtischen Bauarchiv werden sicher noch die Baueingabepläne vorhanden sein.



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    Dufourstr. 73 "Villa Guggisberg" und 71. 1912 gelaufene Privat-Ansichtskarte.



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    Winkelriedstr. 39.


    Von der Architkektur her ist es ein recht eigenwilliges Gebäude in Sichtbeton, das zusammen mit dem weiter oben liegenden Block erstellt wurde. Die 'gezackte' ober Abschlusskante erinnert unfreiwillig an den Chalet-Vorgängerbau mit seinen spitzen Turmhelmen. Die abgetreppte Stützmauer mit senkrecht gestellten Schalbrettern und der Vorgarten bilden mit dem Haus eine Einheit.



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    Winkelriedstr. 39 und dahinter Dufourstr. 73.



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    Dufourstr. 73 mit der Stützmauer von Nr. 71 davor.



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    Winkelriedstr. 39 und dahinter Dufourstr. 73, Stützmauer von Nr. 71.



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    Dufourstr. 71.


    Das Zweifamilienhaus Dufourstr. 71, dessen Grundstück im Süden an die Winkelriedstrasse stösst, ist ein Werk des Architekturbüros und Baugeschäft Scheier & Dürtscher aus dem Jahr 1900. Am Rosenberg erstellten sie einige Wohnbauten in einfacherem Stil für den Mittelstand, was der Bauverwaltung damals missfiel, da diese auf aufwändigere Bauten am Rosenberg pochte. Dufourstr. 71 gilt in ihrem Werk als Ausnahme, was der Söller und das aufwändige Dach unterstreichen.


    Rundherum ist die Liegenschaft noch original erhalten, mit Ausnahme der eloxierten Alu-Fenster. Die Wirkung wird leider nur durch die Garagenzufahrt zu Winkelriedstr. 39 beeinträchtigt, wenn auch diese einigermassen wieder eingewachsen ist.

    Ansicht von der Dufourstrasse her: Google maps.


    Ich vermute, dass das schon weiter oben gezeigte Haus Winkelriedstr. 37 (hier und hier), das um 1970 bis zur Unkenntlichkeit umgebaut und aufgestockt wurde, auch von Scheier & Dürtscher stammt, denn der architektonische Ausdruck der Fassaden und des Daches stimmt weitgehend mit Dufourstr. 71 überein.



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    Dufourstr. 71.



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    Dufourstr. 71.

  • Winkelriedstraße 39 hat gewisse Ansätze zu Qualität, finde ich. Besonders die Tiefgaragenauffahrtslösung finde ich nicht schlecht, die gefällt mir wesentlich besser als diese Bunkertüren am Wegesrand. Aber wo ist der Hauseingang?

  • Der Hauseingang... Ich vermutete ihn zuerst unter dem rechten Balkon. Aber dort gelangt man von der Garagenzufahrt nicht mal als Fussgänger hin. Der Eingang befindet sich tatsächlich in der hintersten Ecke der Garage, lediglich erleuchtet durch drei billigste Neonröhren. Nicht mal einen Bewegungsmelder gibt's...



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    Winkelriedstr. 39 und dahinter Dufourstr. 73.



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    Hauseingang von Winkelriedstr. 39.