München (Allgemeines)

  • Ich war heute wieder mal in der Weinstraße und hab ein paar Fotos vom Neubau des Hauses Nr. 7 / 7a gemacht. Der Bau ist in letzter Zeit sehr schnell fortgeschritten, die Rückseite zur Frauenkirche hin ist bis auf des Erdgeschoß fertig, die Vorderseite dürfte bald folgen, ein Teil der verhüllenden Planen ist schon weg.

    Wie ich bereits im APH geschrieben habe, schaut die Rückseite zum Frauenplatz hin leider nicht sonderlich überzeugend aus, weil die Architekturformen nur einfarbig (schwarz) eingeritzt sind und sich somit keine Reliefwirkung ergibt. Es sieht fast wie aufgedruckt aus und wirkt künstlich und billig. Die Haupfassade an der Weinstraße und der größte Teil der Seitenfassade an der Filserbräugasse hingegen scheinen aber - soweit man es schon beurteilen kann - wesentlich besser gelungen zu sein, dort sind die Ornamente und Architekturformen zweifarbig - schwarz und rot - gefertigt, so dass sich eine zwar feine, aber doch deutlich wahrnehmbare Reliefwirkung einstellt.

    Das Rückgebäude am Frauenplatz ist für mich ein bisschen eine Enttäuschung, das Vorgängerhaus Andechser war stimmiger. Das Vordergebäude hingegen wird wahrscheinlich eine riesige Verbesserung im Vergleich zum völlig unpassenden Vorgängerbau sein, worüber man sich sehr freuen kann. Sehr schade ist natürlich, dass man keine Sprossenfenster verbaut hat, die glatten Fensterflächen stören schon ziemlich... aber das könnte man in Zukunft ja auch noch mal ändern.

    Hier schon einmal ein paar Fotos (ich hab die Auflösung etwas größer gelassen, damit man die Sgraffito-Arbeiten besser erkennen kann, Verzeihung für die längeren Ladezeiten).


    Vorderseite an der Weinstraße:


    Vorderfassade-1-Leo.jpg


    Vorderfassade-2-Leo.jpg


    Vorderfassade-3-Leo.jpg


    Seitenfassade Filserbräugasse:


    Seitenfassade-Leo.jpg


    Rückgebäude am Frauenplatz:


    Ruckfassade-1-Leo.jpg


    Ruckfassade-2-Leo.jpg


    Ruckfassade-3-Leo.jpg


    Ruckfassade-4-Leo.jpg

    "In der Vergangenheit sind wir den andern Völkern weit voraus."

    Karl Kraus

  • So schnell kann's gehen: gestern wurden beim Neubau Weinstraße 7 bereits die Gerüste mit den Planen abgebaut! Das Erdgeschoß ist noch nicht fertig, aber die Fassade kann schon einmal begutachtet werden. Ein bisserl eigenartig und gewöhnungsbedürftig schaut es schon aus, trotzdem gefällt es mir in echt sehr gut, ich finde diese Fassade eine riesige Aufwertung für die Weinstraße! Besonders schön finde ich die Wiederauflebung der alten Tradition, die Jahreszahl der Errichtung auf der Fassade zu verewigen, ein schönes Zeichen handwerklichen Stolzes!

    Ich war gestern nur zufällig in der Gegend und hatte nur mein Smartphone dabei, ich hatte nicht damit gerechnet, dass die Fassade schon komplett zu sehen wäre.


    Weinstrase-7-Fassade-1-Leo.jpg


    Weinstrase-7-Fassade-2-Leo.jpg


    Weinstrase-7-Fassade-3-Leo.jpg


    Weinstrase-7-Fassade-4-Leo.jpg

    "In der Vergangenheit sind wir den andern Völkern weit voraus."

    Karl Kraus

  • Also ehrlich, ich find's...naja. Es wirkt halt irgendwie wie die Billigvariante einer Fassade mit echtem plastischem Bauschmuck, als ob dafür das Geld nicht gereicht hätte. So ein Experiment muss nicht unbedingt wiederholt werden.

  • Danke für den Link! Ursprünglich sollte es ja Anfang Oktober wie jedes Jahr eine Residenzwoche geben, bei der die Gelbe Treppe präsentiert werden sollte. Jetzt ist die Residenzwoche aus Corona-Gründen abgesagt und durch ein "Residenzwochenende" am 24./25. Oktober ersetzt worden. Ich hoffe, dass dann die Gelbe Treppe besichtigt werden kann und ich ein paar Fotos machen kann.

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    Karl Kraus

  • Ich muß nochmal auf die Lukaskirche in München zurück kommen. Ich habe dieses Bauwerk immer sehr geschätzt, auch wenn es ein protestantisches Gotteshaus ist. Aber die modernistischen Veränderungen darin, kann ich nicht so ganz nachvollziehen Es wäre sinnvoller gewesen , dieses altehrwürdige Gotteshaus wieder im Original herzurichten.

  • Update zur Rekonstruktion der Gelben Treppe in der Residenz:


    Aufgrund des von mir bereits beschriebenen Ausstiegs der Stuckfirma vor über einem Jahr haben sich die Arbeiten noch länger verzögert als angenommen, die Eröffnung soll nun in der ersten Jahreshälfte 2021 stattfinden.

    Die Stuck-, Stuckmarmor- und Malerarbeiten sind fertiggestellt und die Gerüste abgebaut, nun soll der Marmorboden verlegt werden, was anscheinend noch einmal recht aufwendig ist.

    Eine interessante Sache hat sich aber noch zusätzlich ergeben: im Zuge der jetzigen Arbeiten und diesbezüglichen Nachforschungen wurden einige Fragmente eines Bavaria-Reliefs von Schwanthaler gefunden, welches bis zur Zerstörung in einer Nische an der rechten Treppenhaus-Wand stand. Dieses Relief soll nun unter Verwendung der Originalteile rekonstruiert werden. Foto hab ich leider keines davon.


    Edit: Foto der Reste des Schwanthaler-Reliefs und der auf alten Fotos basierenden Vorzeichnung zur Rekonstruktion der fehlenden Teile hab ich jetzt, möchte es aber nicht im öffentlichen Bereich posten... bei Interesse bitte PM (oder wir lagern das Foto in den nicht-öffentlichen Bereich aus). Es wird übrigens wahrscheinlich eine Spendenaktion für die Finanzierung der Rekonstruktion dieses Reliefs geben, bei Interesse werde ich gerne entsprechende Informationen geben, wenn's so weit ist.

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    Karl Kraus

    3 Mal editiert, zuletzt von Leonhard ()

  • Ich muß nochmal auf die Lukaskirche in München zurück kommen. Ich habe dieses Bauwerk immer sehr geschätzt, auch wenn es ein protestantisches Gotteshaus ist. Aber die modernistischen Veränderungen darin, kann ich nicht so ganz nachvollziehen Es wäre sinnvoller gewesen , dieses altehrwürdige Gotteshaus wieder im Original herzurichten.

    Ich war heute mal wieder in der Lukaskirche. Bis dato ist innen noch nichts von irgendwelchen Renovierungsmaßnahmen umgesetzt worden, es ist alles noch so wie immer. Der Mesner hat auch gemeint, dass immer noch nichts final entschieden sei. Im Moment sammelt die Kirchengemeinde Geld für die Sanierung der Orgel (nähere Informationen hier) und etwas versteckt außerdem für die Innenraumsanierung, ohne allerdings genauer darauf einzugehen, was hierbei passieren soll.

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    Karl Kraus

  • Vielleicht hatten wir das schon als seinerzeit das Hotel neugebaut wurde, aber:

    Immer wieder überraschend und erschreckend zugleich, was nach dem Krieg noch gestanden hat, um dann später doch noch abgeräumt zu werden:

    vikdgj89.jpg

    Screenshot aus der BR Sendung "Gastronomische Weltreise in München" von 1961!

    man beachte das Haus in der Mitte, links neben dem Haus Neumayr. (hier sieht man es nochmal besser)


    Heute steht da, nach dem der Vorgängerbau aus den 60er oder 70er weichen musste, dieses, in seiner Gestaltung mediokre Hotel:

    800px-Viktualienmarkt_und_Turm_Alter_Peter_09.jpg

    wikimedia commons, Burkhard Mücke, CC BY-SA 4.0

  • Wobei (korrigiert mich wenn ich mich irre) die Abrisswut in München weitaus weniger ausgeprägt war als in anderen Städten wie z.B. Berlin oder Stuttgart. Vieles blieb glücklicherweise erhalten oder wurde wiederaufgebaut. Für mich ist München daher die schönste deutsche Großstadt mit 500.000+ Einwohnern.

  • Es gibt so Straßen - bei mir in der Nähe ist es die Wilmersdorfer, eine Geschäftsstraße in Charlottenburg - wo manche Häuser alle 30 Jahre abgerissen und durch neue ersetzt werden. Manchmal auch alle 10, 20. Das gab es an manchen Stellen schon bei Kaufhäusern um die Jahrhundertwende. Ich denke, es gibt einfach so Stellen in der Stadt, wo nur temporär gebaut wird.

    (Zwischendrin gibt es auch Häuser, die schon 80 Jahre stehen, aber das ist die Minderzahl)

  • Königsbau , ich sag mal so - unter dem schwarz-roten Stadtrat Münchens (2014 - 2020) wurde die rot-grüne Abrißwut weitesgehenst eingedämmt. Insbesondere Politiker wie Robert Brannekämper, Markus Blume , Josef Schmitt (alle CSU) haben dem Treiben so gut es möglich war, einen Riegel vorgeschoben. Leider hat es trotz alledem unerfreuliche Dinge gegeben, wie der Abriß der denkmalwürdigen Häuser in der Sailerstraße (Schwabing). Neben unseren Münchner Ortsverband Stadtbild-Deutschland e.V. waren die Münchner Altstadtfreunde so wie Kommunalpolitiker bei der Ortsbegehung anwesend.

    Wir konnten zwar dank Brannekämpers einen vorübergehenden Baustopp erreichen um die Denkmalwürdigkeit feststellen zu lassen, nur leider fiel uns die untere Denkmalbehörde in den Rücken, in dem sie aufgrund von Umbauten keinen Denkmalwürdigkeit erkennen konnten wollten!

  • Ja, das ist sehr, sehr ärgerlich... ich hab diesen Abriss ja auch in meiner Abhandlung erwähnt. Die Fassade vom neuen Hotel ist trotz aller Mediokrität immerhin eine deutliche Verbesserung zum Vorgängerhaus, das eine türkise Keramikverkleidung hatte... furchtbar. Letztendlich war damals (und auch noch heute) das Diktat der maximalen verwertbaren Geschoßfläche aber einfach zu stark, weswegen der gründerzeitliche Altbau eben dran glauben musste. Damals gab's noch kein Denkmalschutzgesetz.

    Übrigens stand auch die gründerzeitliche Fassade der alten Rosentalschule noch, die bis zum Krieg an der Stelle des jetzigen neuen Kustermann-Hauses stand - das Haus an sich war zwar ausgebrannt, aber die Fassade hatte fast unversehrt überlebt. Trotzdem hat man sie nach dem Krieg abgeräumt und durch das neue unsägliche Kustermann-Haus ersetzt. Auch hier hat der Neubau bei gleicher Traufenhöhe wieder eine Etage mehr, der wirtschaftliche Vorteil liegt somit wieder auf der Hand...

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    Karl Kraus

  • der wirtschaftliche Vorteil

    Den muß es immer geben, sonst besteht kein Anreiz, irgendetwas zu tun.

    Man sollte mal mehr untersuchen, was z.B. dafür sorgte, daß in NYC die grausigen Tenements verschwanden und sehr schöne, mit eleganten und mit Kronleuchtern gezierten Lobbys versehene Hochhäuser gebaut wurden. Bestimmt nicht, weil die ökonomischen Bedingungen (man will Geld machen mit den Häusern) geändert wurden. Es muß was anderes gewesen sein. Vielleicht, daß die Hausbewohner mehr Geld hatten und mehr für Wohnen ausgeben wollten.