München (Allgemeines)

  • Ein weiteres interessantes Neubauprojekt, das inzwischen (fast) fertig geworden ist, ist das Haus Friedrich in der Friedrichstraße 19 in Schwabing. Hier die Website dazu: http://LEGAT LIVING

    Geplant wurde das Gebäude vom Münchner Architekturbüro Landau + Kindelbacher. Der Stil ist wieder einmal ein bisschen an Art Deco angelehnt, was in die Gegend ganz gut passt, weil Schwabing sehr von Jugendstilbauten geprägt ist (natürlich neben vielen Nachkriegsgebäuden, weil Schwabing im 2. WK stark zerstört wurde).

    Im APH haben wir zuletzt hier darüber diskutiert, ich fand das Vorhaben damals sehr gut, Jakob eher weniger ;)

    Jetzt ist das Gebäude fast fertig, es fehlen nur noch einige Verkleidungen im Sockelbereich.

    Ich hatte heute leider nur mein Smartphone dabei, außerdem stand die Sonne ungünstig, von daher bitte ich die suboptimale Qualität der Fotos zu entschuldigen.

    Ich finde das Gebäude trotz einer gewissen Klobigkeit sehr gelungen, es wirkt hochwertig und wertet die Umgebung auf. Auf jeden Fall ist es um Welten besser als der Nachkriegsschrott, der in Schwabing sonst oft herumsteht. Aber seht selbst.


    Hier zwei Ansichten von der Kreuzung Friedrichstraße / Franz-Joseph-Straße:


    Friedrich_19_1_leo.jpg


    Friedrich_19_2_leo.jpg


    Von der Friedrichstraße:


    Friedrich_19_3_leo.jpg


    Friedrich_19_4_leo.jpg


    Friedrich_19_5_leo.jpg


    Ansicht von der Nordseite, d.h. der Franz-Joseph-Straße:


    Friedrich_19_6_leo.jpg


    Balkone:


    Friedrich_19_7_leo.jpg


    Zwei gegenüberliegende Jugendstilgebäude:


    Friedrich_1823_leo.jpg

    "In der Vergangenheit sind wir den andern Völkern weit voraus."

    Karl Kraus

  • Das ist einigermaßen ansehnlich.

    Sonderbar und irritierend finde ich aber die Fensterhöhen, im EG und 4.OG am höchsten, in der Mitte am niedrigsten - die Mitte sieht zusammengequetscht aus. Und die Balkone, ach, sind nur "Zierbalkone", nicht wirkliche...

  • Es wirkt schon ein bisschen protzig, überdimensioniert. Die Balkone an der Nordseite andererseits sollten zumindest einen Wäscheständer aufnehmen können, dafür schauen sie aber zu schmal aus. In dieser Hinsicht wurde nicht überdimensioniert. Aber gut, wer sich so eine teure Wohnung leisten kann, muss halt am Wäscheständer sparen. Und der Eingang ist wegen seiner Klobigkeit, seiner Aufdringlichkeit und Protzigkeit einfach nur peinlich. Putzig hingegen die Vorgärten an der Ostseite. Wie attraktiv ist es wohl, sich dort in die Sonne zu setzen oder zu legen?


    Aber das alles sind eher Luxusprobleme. In summa empfinde ich das Haus als einen guten Neubau.


    Die Münchner Gründerzeit-Gemütlichkeit, ablesbar an dem südlichen benachbarten Friedrichstraße 17, erreicht dieser Neubau freilich nicht; gemessen daran wirkt er steril und kalt.


    Das denkmalgeschützte Nachbarhaus Friedrichstraße 17:

    datei:friedrichstraße_17_-_münchen.jpg


    Zur Vertiefung:

    Wohnanlage Friedrichstraße | Leitner

    Schwabing - Ein Fall für die Gestaltungskommission - München - SZ.de

  • ursus, genau das habe ich auch schon oft gedacht. Klassische Neubauten entstehen meist nur in den Wohngebieten der Vorstädte. Sie wären viel wichtiger in den Stadtzentren. Ich denke da an meine Stadt Stuttgart, mit der entsprechenden repräsentativen Architektur könnte die Königstraße auch äußerlich wieder eine richtige Nobelmeile werden. Die Zeil in Frankfurt. Oder die Leipziger Straße in Berlin, einst die erste Adresse der Hauptstadt, alles völlig ungenutztes Potenzial.

  • Eine gewisse Klobigkeit und Gedrungenheit besitzt das Gebäude schon, das liegt einfach an der einen Etage mehr im Vergleich zu gründerzeitlichen Altbauten, siehe das Bild mit dem Nachbargebäude Friedrichstraße 17, welches bei gleicher Höhe 3 Obergeschosse anstatt 4 wie bei Nr. 19 besitzt. Ich finde auch die Lösung mit den niedrigeren Fenstern im 1. bis 3. Stock nicht gelungen, wie Loggia schon angemerkt hat. Insgesamt aber ist es ein schöner und gediegener Anblick, in der Realität noch mehr als auf meinen Fotos. Die Tatsache mit den zu vielen Geschossen ist heutzutage fast nicht vermeidbar, weil kein Investor in unserer teuren und gewinnorientierten Zeit freiwillig auf eine ganze Etage an verkaufbarer Wohnfläche verzichten wird. Leider geht damit fast immer diese Gedrungenheit der Fassaden einher... es wäre höchstens interessant zu erfahren, wie viel mehr Geld gewisse Kunden für größere Raumhöhen, so wie sie in gründerzeitlichen Zinshäusern vorkommen, zahlen würden - ich schätze mal, dass die Raumhöhen im heutigen "Luxussegment" wie hier höchstens 3m betragen (wahrscheinlich eher nur 2,80m), während sie in den prächtigsten Gründerzeitlern ja 3,50 bis 4m erreichen. Vielleicht könnte man so eine besonders zahlungskräftige Klientel ansprechen.

    Die weiße Farbe sticht sicher etwas aus dem Umfeld heraus, ein etwas cremigerer Anstrich wäre vielleicht nicht schlecht gewesen. Aber alles in allem ist das eine große Aufwertung für die Gegend, wie ich finde.

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    Karl Kraus

  • Und der Eingang ist wegen seiner Klobigkeit, seiner Aufdringlichkeit und Protzigkeit einfach nur peinlich.

    Er ist zu niedrig und zu gedrungen, ansonsten ist er für ein Zinshaus dieser Größe und dieses Anspruchs nicht zu überdimensioniert. Er müsste halt höher und großzügiger sein, dann würde er natürlicher wirken. Ich bin ein großer Fan von prächtigen Entrées, das verleiht einem so großen Gebäude erst eine Mitte. Bei Gründerzeitlern gibt's noch viel prunkvollere Portale.

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    Karl Kraus

  • Die weiße Farbe sticht sicher etwas aus dem Umfeld heraus, ein etwas cremigerer Anstrich wäre vielleicht nicht schlecht gewesen.

    Eben. Sicher kein schlechter Bau. Aber er passt eher nach Berlin oder Düsseldorf. Oder hinsichtlich der Farbe nach Hamburg. Leider hat er nichts süddeutsch-bayerisches an sich.

  • Irgendwie haben (fast) alle recht. Es ist deutlich über dem Durchschnitt, aber das liegt eben auch am mauen allgemeinen Niveau.


    Im Zentrum einer Großstadt hätte der Bau mit diesen auskragenden Balkonen jedenfalls nichts verloren, Die stören mich neben den "Quetschgeschossen" auch am meisten.

  • Das "Isartor-Palais" ist natürlich - abgesehen von seinem idiotischen Namen - ein absoluter Glücksfall, wie er in München selten vorgekommen ist in den letzten Jahrzehnten.

    Im Zentrum einer Großstadt hätte der Bau mit diesen auskragenden Balkonen jedenfalls nichts verloren, Die stören mich neben den "Quetschgeschossen" auch am meisten.

    Gegenthese: anstelle vom neuen Sport Scheck in der Neuhauser Straße wäre mir dieser Bau deutlich lieber! Er strahlt trotz aller berechtigter Kritik ein gewisse großstädtische Eleganz aus.


    Hier der Sport Scheck:


    fkn_gruppe_fassaden_projekt_jpm_3.jpg


    Hier nochmal das Haus Friedrich aus ähnlicher Perspektive:


    fs-v2-c2d-04-neu.jpg


    Also da müsste ich nicht lange überlegen, was mir lieber ist. Idem, wenn ich an den Peek & Cloppenburg in Wien oder das Kaufhaus Tyrol in Innsbruck denke.

    Natürlich kann man jetzt wieder hergehen und sagen "der Sport Scheck ist ja auch denkbar häßlich und somit ein schlechter Vergleich", aber das sind nunmal beides Beispiele für das, was heute so gebaut wird und somit realistisch ist. Ein gründerzeitliches Kaufhaus wie der Hirmer oder der Oberpollinger wäre sicher besser, aber momentan leider völlig unrealistisch.

    Aber natürlich ist Eure Kritik richtig, der Bau hat deutliche Mängel. Ich wäre trotzdem froh, wenn öfter so gebaut würde.

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    Karl Kraus

  • der Sport Scheck ist jetzt nicht das Schlimmste und würde inmitten eines "normalen" europäischen Boulevards durchaus "funktionieren". Das Problem ist die primitive Wiederaufbaumoderne der Nachbarschaft, in deren Mitte er sich gleichfalls etwas ermüdend ausnimmt. Das Haus Friedrich würde in einem solchen Ambiente auch nicht Wunder wirken. Schade, dass man nicht beides in Nachbarschaft haben kann!

  • Was die Südseite der Neuhauser Straße betrifft, gebe ich dir recht, da ist isoliert betrachtet der Sport Scheck vielleicht gar nicht so schlimm und die unsägliche Nachkriegsbebauung wirklich viel störender. Diese Stelle der Neuhauser Straße wird aber nicht von der Südseite dominiert, sondern von der Nordseite mit Alter Akademie (ehem. Jesuitenkolleg), St. Michael, der ehem. Augustinerkirche und den darüber hervorschauenden Türmen der Frauenkirche. Das ist mE eines der großartigsten altstädtischen Ensembles nicht nur Münchens, sondern Deutschlands überhaupt! Vor allem der Renaissance-Komplex aus Alter Akademie und St. Michael ist hochbedeutend. Und genau da gegenüber steht der neue Sport Scheck mit seiner riesigen klobigen Rostfassade, das ist ein Schlag ins Gesicht! Hier hätte man ein Gebäude mit Stein- oder Putzfassade hinstellen müssen, nicht so eine Rostlaube. Das hätte ein absolut großartiger Platz werden können, von daher ist der Sport Scheck schon sehr ärgerlich und eine riesige vertane Chance.


    Hier ein paar Fotos von der genannten Nordseite:


    St.-Michael-mit-Alter-Akademie-1.jpg


    St.-Michael-mit-Alter-Akademie--Augustinerstock.jpg


    St.-Michael-mit-Alter-Akademie-2.jpg

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    Karl Kraus

  • Das is mir bekannt, und ich erachte die Neuhauser Straße für einen veritablen Schandfleck im dt. Wiederaufbau. Das neue Gebäude ist allerdings eine veritable Verbesserung. Es besteht weder in Anbetracht des Vorzustandes noch in Anbetracht der Nachbarschaft irgendein Grund sich drüber aufzuregen.

  • Na ja, es wär halt ein erster Schritt zu einer wirklichen Stadtreparatur gewesen, wenn der neue Sport Scheck ein wirklich angemessenes Gebäude gewesen wäre... das Gebäude ist dermaßen groß, dass es schon eine Schlüsselrolle an der Stelle innehat, umgebender Nachkriegsschrott hin oder her. Natürlich stellt der Sport Scheck im Vergleich zum Vorgängergebäude eine veritable Verbesserung dar, der Karstadt war ja wirklich unterirdisch. Trotzdem kann man mit dem jetzigen Sport Scheck an dieser Stelle nicht zufrieden sein.

    Der Sport Scheck schaut in echt übrigens wesentlich dunkler und abweisender aus als auf dem obigen, etwas geschönten Foto, das ihm eher schmeichelt.

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    Karl Kraus

  • Dieses Foto ist total einseitig und geschönt. Man könnte fast meinen, es sei ein attraktives Gebäude. In der Realität ist es eine Rostlaube, schrecklich dunkle, abweisende Farben. In meinen Augen ist das Haus eine einzige Katastrophe, noch dazu von erdrückender Monumentalität und gestaltloser Einförmigkeit.