Leipziger Neuseenland (Galerie)

  • Zwenkau Winter 2013


    Durch das Eichholz gelangte man früher zum Ort Eythra. Bis die Kohle kam. Heute besteht noch die historische Lindenallee. Die künstliche Ruine Trianon war bereits abgerissen und ausgelagert. Heute steht das Trianon wieder am alten Ort.






    Eigene Fotos.

  • Liebe Fabsina,


    es handelt sich um den sog. "Schweizerhaus Stil". Er zeichnet sich im Stil alpenländischer Bauernhäuser durch ein flachgeneigtes Dach, Balkone und andere Austritte mit schön ausgesägten Brüstungsbrettern, reichen Sägearbeiten und Brettschnitzereien im Giebel- und Dachbereich aus. Der Giebel ist meistens ein vorgesetzter Schwebegiebel. Die Dächer sind in aller Regel weit vorkragend. Oftmals sind diese Gebäude als Fachwerkhäuser mit Sichtfachwerk erstellt worden. Der Schweizerhaus Stil verbreitete sich etwa ab der Mitte des 19. Jh. in Deutschland, Österreich-Ungarn (dort nennt man den Stil Heimatstil), in Skandinavien und schließlich auch in der Schweiz. Dieser Baustil wurde bis ins 20. Jh. praktiziert, man kann sagen etwa bis zum I. Weltkrieg. In ab ca. 1900 errichte Häuser dieses Stils fanden mehr und mehr Elemente des Jugendstils Eingang. Die Villen im Schweizerhausstil waren sehr beliebt, nicht nur an Badeorten, sondern sie wurden, wie Fabsina zurecht bemerkt, überall in Deutschland und in den den oben genannten Ländern errichtet. Einerseits strahlten diese Gebäude eine gewisse ländliche und behäbige Anmut aus, gegenüber jenen Prachtvillen, welche ganz in Steinbauweise erstellt wurden. Andererseits waren die Baukosten ungleich günstiger als bei reinen Steinbauten, das Fachwerkgerüst war sehr schnell aufgestellt und die Ausmauerung kam wesentlich billiger als wenn man Villen mit dicken, massiven Steinmauern errichtet häte. Es war also auch die Bauzeit der Häuser im Schweizerhausstil sehr viel geringer. Wie ich gelesen habe, wurden solche Häuser oft in einem Zeitaum von zwei bis drei Monaten erbaut, wobei es freilich auch sehr von der Größe des Gebäudes abhing.

  • Hier Beispiele des Schweizerhausstils:


    Eine Villa im Schweizerhausstil in Bad Harzburg, aufgenommen an Pfingsten 1899 aus dem Fenster des Hotels mit "Blick nach dem Burgberg":




    Villa Vitarius in Lauda im Taubertal Aufnahme um 1900, Postkarte aber sehr viel später erst gelaufen:




    Quellen der nachfolgenden Beispiele


    Wikipedia:


    Schweizerhaus in Klein Glienicke



    buergerverein-wiehre:


    Freiburg i. Br. OT Wiehre



    merian.de
    Villa an der Starndpromenade von Binz auf Rügen

  • Die Vergleiche der Neubauten im Leipziger Neuseenland mit der klassischen Bäderarchitektur verwundern mich dann doch. So schlecht scheinen die Quaderneubauten wohl doch nicht zu sein.


    Zur Erinnerung mal wieder ein Foto der Gegend aus dem Jahr 1990.



    Bundesarchiv Bild 183-1990-0713B-021, Espenhain, Braunkohleveredelungswerk
    Bundesarchiv, Bild 183-1990-0713B-021 / Grubitzsch (geb. Raphael), Waltraud / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons


    Bereits zu Ostzeiten
    wurde für den Umweltschutz gekämpft. Im verlinkten Bericht wird die sozialistische Mär weitererzählt, dass die Faschisten schuld wären.



    Die Kommunisten haben dann eher Mauern gebaut. Die Braunkohleindustrie in Sachsen ist vom Freistaat Sachsen aufgebaut worden. Dafür wurde 1923 in Dresden die Aktiengesellschaft Sächsische Werke gegründet. Deren Technik lief dann bis in die 1990er-Jahre. So alt sah die dann auch aus.






    Langsam verändert sich die Gegend. Und es kommen auch Villen im Schweizerhausstil hinter Büschen wieder zum Vorschein. Wenn ich mal wieder vorbeifahre und Zeit habe...


  • Der Südraum Leipzig, in dem sich der größte Teil des Leipziger Neuseenland befindet, ist auch heute noch von der Industrie geprägt. Wenn Tagebaue bereits vor vielen Jahren renaturiert wurden, muss man heute schon genau hinsehen, um dies zu erkennen.


    Großdeuben ist so ein Ort. Dieses Foto ist nicht weit entfernt von Großdeuben entstanden. Großdeuben, die Fernstraßen 2 und 95, die Infrastruktur der Eisenbahn und der Fluß Pleiße wurden zwischen die Großtagebaue Böhlen (später Zwenkau genannt) Espenhain der AG Sächsische Werke, Dresden und deren Nachfolgeunternehmen gequetscht. Wer wollte schon im Bergbauschutzgebiet wohnen? Auch heute noch ist der Verfall allgegenwärtig. Aber es geht aufwärts.







    Eigene Fotos.

  • Seit einiger Zeit erfahre ich vor allem freitags, dass heute alles viel schlechter ist als früher und wir für die Zukunft nicht vorgesorgt hätten.


    Im Leipziger Südraum kann man noch einige Relikte der Vergangenheit finden. So z.B. im Tagebau Profen. An einigen Stellen hat man versucht, der Natur neue Chancen zu geben. Noch mit geringem Erfolg.





    Mit der Größe der Tagebaue der Vergangenheit können sich die verbliebenen Tagebaue im Mitteldeutschen Revier (zum Glück) nicht messen. Aber die Technik ist noch groß genug, um zu beeindrucken.







    Eigene Fotos.

  • Pflanzen siedeln sich da schon wieder an, da muß man keine Angst haben, nur etwas Geduld.

    In den Nullerjahren gabs doch mal diesen Tourismus-Entwickler-Prof, der die Idee hatte, "Eiszeit-Flora-Spaziergänge" in diesen ehemaligen Tagebauen anzubieten, weil die Pflanzenansiedlung ähnlich verlaufe wie nach der Eiszeit. Seinen Namen habe ich vergessen, aber auf alle Fälle war das eine sehr originelle Idee, und überhaupt die erste, um diese Abraumlandschaft interessant zu machen, bzw. sie mit anderen Augen zu sehen.

    Ansonsten weiß ich, daß die Brandenburger Archäologen fast alle mit "Braunkohlearchäologie" befaßt sind, um einzusammeln, was da zutage tritt - in Sachsen wird es auch etliche geben.

  • Du meinst sicher Prof. Eismann. Ich bin dann eher der pragmatische Normalo, der in einen unspektakulären Forst geht. Das es ausreichend ist, der Natur freien Raum zu geben, um eine natürliche Umgebung - womöglich noch einen Urwald- zu erhalten, dieser These misstraue ich. Zumindest in der Nähe einer größeren Stadt halte ich Badlands für keine besonders gute Idee.


    Die Natur versucht sofort wieder hochzukommen. Das kann aber sehr lange dauern.


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    Eigene Fotos.

  • Die Ausbeutung der Tagebaue im großen Umfang begann in den 1920er Jahren im Auftrag der staatlichen AG Sächsische Werke zu Dresden. Der mehr als 70 Jahre andauernden Tagebaubetrieb im Südraum von Leipzig hat zu erheblichen Beeeinträchtigungen geführt, die teilweise bis heute anhalten.


    Der Kees´sche Park in Markkleeberg ist noch immer davon gezeichnet. Zwar konnte das Adlertor rekonstruiert werden, das Parkgelände selbst weist aber noch etliche unschöne Lücken auf, die Gräben sind noch immer ohne Wasser.





    Dort, wo früher ein dichter Auenwald stand, steht man heute am Ufer des Cospudener Sees.




    Eigentlich sollte das Ufer ohne Bebauung bleiben. Eigentlich...





    Eigene Fotos.

  • Im Umfeld von Schloss Zöbiker hat dieses Landhaus die Zeiten überstanden und präsentiert sich wieder in alter Schönheit.







    Gebäude, die vor einigen Jahren heruntergekommen und teilweise völlig zugewachsen waren, wurden umgebaut und jetzt wieder genutzt.





    Nur wenn man bedenkt, dass es im Leipziger Land früher keine Standgewässer größer als ein Dorfteich gab, kann man den kleinen Hafen Zöbiker wirklich würdigen.





    Eigene Fotos.

  • Zwischen Leipzig und der Großen Kreisstadt Markkleeberg findet man die Dölitzer Wassermühle . Ganz geschafft ist die Sanierung zwar noch nicht, aber anschauenswert ist sie allemal. Auf dem Areal findet man verschiedene umgesetztes Fachwerkhäuser aus Dölitz und dem Südraum von Leipzig.



    Die Mühlpleiße


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    Das Mühlrad der ehemaligen Thomasmühle hat ein Schlossermeister gerettet, konserviert und dann wurde es hier aufgestellt.


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    Eigene Fotos